Paris, wir verlassen dich!

by Feli
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In Frankreich gibt es ein Internetportal namens „Paris, ich verlasse dich“ (Paris je te quitte). Darauf werden Auswanderungswillige bei der Entscheidung und der Suche nach der idealen Stadt, einer Anstellung und einer Wohnung unterstützt. Außerdem berichten Mutige, die Paris bereits den Rücken gekehrt und in die Provinz gezogen sind, dem Unentschlossenen wie sie ihre Entscheidung im Nachhinein bewerten.

Es gibt dabei viele Gründe, die schönste Stadt der Welt zu verlassen. Die wichtigsten sind wohl die lange Zeit, die man täglich in irgendwelchen Verkehrsmitteln verbringt, die schlechte Luft, die winzigen Wohnungen, die Sehnsucht nach der Natur sowie das hohe Preisniveau für alle möglichen Dinge.

Auch wir hatten nie die Absicht, für immer in Paris zu bleiben. Nun sind es doch neun Jahre geworden. Eigentlich haben wir uns hier nie richtig heimisch gefühlt. Dabei haben wir Paris viel zu verdanken. Zum einen was unsere Karrieren betrifft. Außerdem ist unser Kind hier geboren.

Nun aber ist es Zeit, weiter zu ziehen. Paris, wir verlassen dich!

Warum?

Mein Mann kommt aus dem Süden Frankreichs. Ihm fehlen die Sonne und die Natur. Ganz konservativ ist er der Meinung, dass unser Kind nicht in der Betonwelt eines Pariser Vororts aufwachsen sollte. Früher habe ich immer über solche Aussagen gelacht…

Ich bin ja bekanntlich in Berlin aufgewachsen, also ein Großstadtkind. Aber Paris ist nicht Berlin. Abschreckend fand ich von Anfang an die hohen Mauern und das Gefühl, dass alles verboten ist. Die Menschen sind gestresst, reserviert, anonym und irgendwie abgestumpft. Viele Kinder sehen traurig aus. Vielleicht passiert so etwas, wenn 12 Millionen Menschen zusammen an einem Ort leben.

Sind wir Umwelt- oder Klimaflüchtlinge?

Sicher nicht, denn wir gehen freiwillig und ohne Not. Aber wir fliehen vor der Luftverschmutzung und der Hitze in Paris.

Schon vor ein paar Jahren war es aufgrund des hohen Preisniveaus, nicht einfach als Normalverdiener in Großraum Paris zu leben. In immer stärkerem Maße kommen durch die globale Erwärmung und die Umweltverschmutzung verursachten Faktoren hinzu, die das Leben jeden Tag erschweren.

Wie viele andere Menschen in Paris und dessen Umland leben wir an einer relativ großen Straße. Das ist günstiger. Ich habe mein ganzes Leben lang im Zentrum einer großen Stadt gelebt, aber jetzt stört es mich. Der Lärm bringt mich um den Verstand.

Viel schlimmer jedoch sind der Smog und der Gestank. Letzten Winter war ich 3 Monate am Stück krank. Ein grippaler Infekt nach dem anderen. Natürlich weiß ich, dass das vor allem daran liegt, dass mein Kind in die Krippe geht. Aber ich denke, dass auch die Luftverschmutzung eine Rolle spielt.

Paris, wir verlassen dich!

Auch gibt es Wehwehchen, die einen monatelang quälen und beim Verlassen von Paris plötzlich verschwinden. Mein Kind hatte im Frühjahr zum Beispiel monatelang einen Hautausschlag. Regelmäßiges eincremen half nichts. Kaum waren wir zwei Tage in Berlin, war der Hautausschlag verschwunden. Die Kinderärztin meinte, es sei vermutlich das Wasser. Vielleicht ist es auch die schmutzige Luft.

HITZE!

Dann ist da die Hitze. Jedes Jahr wird es etwas wärmer. Das erste Jahr, in dem wir in Paris waren, hat es bis in den Juni hinein jeden Tag geregnet. Das ist mir damals aufgefallen, weil ich es nicht kannte. Diese Zeiten aber sind vorbei. Es regnet immer seltener.

Seit etwa drei Jahren empfinde ich die Temperaturen im Pariser Sommer als unerträglich heiß. Denn jedes Jahr gibt es ein paar Tage, an denen das Thermometer deutlich über 35 Grad steigt. In einer so großen Stadt wie Paris, die nicht für die Hitze gebaut wurde, heizen sich die Wohnungen sehr stark auf. Oftmals ist es drinnen noch wärmer als draußen.

Ich habe mal versucht mein Gefühl mit entsprechenden Daten zu untermauern. Leider ist das möglich: Laut infoclimat.fr fallen in unsere neun Jahre, die wir in Paris verbracht haben, die fünf heißesten Jahre seit 1900. 2019 wurde dabei noch nicht mitgerechnet.

Dass dieses Jahr noch wärmer werden würde, kündigte schon der Februar an. Da waren es mehrere Tage um die 20 Grad. Am 25. Juli 2019 wurden in Paris dann 42,6 Grad gemessen. Damit wurde der Temperaturrekord von 1947 (40,4) um mehr als 2 Grad gebrochen. Dass das ziemlich warm war, muss ich wohl nicht betonen. Durch die menschenleeren Straßen ging ein ganz merkwürdiger, heißer Wind.

Das Leben ist eine Reise

An jenem Tag war unsere Entscheidung Paris zu verlassen aber schon gefallen. Wir können es kaum erwarten! Wo es hingehen soll? Nach Nizza, der Stadt der Sonne und des Meeres! Wir freuen uns sehr auf dieses Abenteuer.

Auf diesem Blog wird es also in Zukunft etwas mediterraner, auch wenn Paris und auch andere Teile Frankreichs weiterhin einen Platz auf dieser Seite finden werden. Ich hoffe, du begleitest mich auch in Zukunft!!!

Vielleicht möchtest du jetzt sagen, dass Nizza eigentlich die falsche Richtung ist, weil es da doch noch viel heißer ist als in Paris. Hinsichtlich der Durchschnittstemperatur hast du natürlich recht. Nicht aber bezüglich der Temperaturextreme. In Nizza wurden noch nie 42 Grad gemessen, noch nicht einmal 40. Die höchste jemals gemessene Temperatur waren 38,3 Grad im Juli 1988. Ich hoffe, das bleibt noch eine Weile so.

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3 kleine grenouilles 11. September 2019 - 22:43

Was für ein Glück ! Nach Nizza! Ich liebe die Stadt. Sie ist wunderschön.
Toller Spielplatz auf der Promenade du Paillon, den goûter mit einer leckeren Socca und sowieso mit dem Strand, der beste und grösste Spielplatz! Und so viele spannende Orten zu sehen!

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Feli 12. September 2019 - 9:26

Vielen lieben Dank für deinen ermutigenden Kommentar! Ich freue mich auch sehr! Den Springbrunnen auf der Promenade du Paillon haben wir schon ausprobiert. Sie war begeistert!

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Dorothee Berger 12. September 2019 - 10:36

Das ist eine ganz wunderbare Entscheidung !! Nizza ist eine tolle Stadt und wenn ich an die vielen entzückenden kleinen Orte im Umland denke, möchte ich am liebsten gleich wieder losfahren. Zuletzt waren wir für einige Tage in Bormes-les-Mimosas, ca. eine Autostunde von Nizza entfernt – sehr schön! Und wenn ich an die vielen Wirkstätten der großen Maler im Süden denke, wird mir ganz warm ums Herz. Für Euer Kind ist die Entscheidung absolut richtig, mit Kindern in einer Großstadt zu leben, macht keinen Spaß und wenn man an die gesundheitlichen Konsequenzen denkt, gibt es keinen Grund, dort zu leben. Wir haben unserer Kinder wegen (4) immer auf dem Land gelebt. War zwar mit relativ viel Fahrerei verbunden, aber viel konnte auch mit dem Rad gemacht werden und die Ruhe und gute Luft waren immer toll.
Ich wünsche Euch von Herzen ganz viel Glück! Liebe Grüße, Dora

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Feli 12. September 2019 - 11:20

Liebe Dora,
vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Wir waren bisher oft im westlichen Teil der Provence. Die Côte d’Azur dagegen kenne ich bisher kaum. Ich bin ganz gespannt, was es da alles zu entdecken gibt. Als ich festgestellt habe, dass Picasso, Chagall und Matisse da ihr eigenes Museum haben, war ich ganz begeistert!

Liebe Grüße
Feli

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Hervé 14. September 2019 - 16:10

Liebe Feli,
Das Gross-Paris ist eine ziemlich dichte Stadt: viele hohe Gebäude und Einwohner werden in einem engen Gebiet konzentriert, was die stressige Atmosphäre,Lärm sowie Umweltverschmutzung bedeutet. Paris ist außerdem die Haupstadt Frankreichs, ein ganz zentraliziertes Land, wo alle nationalen, politischen und wirtschaflichen Entscheidungen getroffen werden. In Berlin und London gibt es vergleichweise eine mehr entspannte Atmosphäre als in Paris, viele Grünflächen (selbst im Stadtzentrum!), viele Einzelhäuser, weniger Einwohner auf derselben Fläche.
Nizza und die Côte d’Azur sind zwar ein wunderbarer aber auch ein betonnierter und überbewölkerter Bereich, was Verkehrsstraus, Unhöflichkeit und Aggressivität bedeutet.
Ausserdem gehen hier viele reichen Leute in den Ruhestand, um die Sonne, die Landschaft und die entspannende Atmosphäre zu genießen. Wegen ihres Lebensstandard gibt es eine Grenze zwischen ihnen und den Anderen.
Ich wünsche dir und deiner kleinen Familie einen guten Aufenthalt an der Côte d’Azur und hoffe, dass du deinen Blog weiterverfassen wirst.

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Feli 16. September 2019 - 10:09

Lieber Hervé,

vielen Dank für deinen Kommentar! Natürlich ist die Côte d’Azur kein unbesiedeltes Fleckchen Erde, aber man kann sie wohl kaum mit Paris vergleichen. Ich freue mich auf jeden Fall sehr! Ja die alten Reichen sind natürlich ein Problem 🙂 aber es kann ja nicht alles perfekt sein!

Natürlich wird mein Blog weitergeführt, jetzt ja erst recht! Es gibt ja so viel neues zu entdecken! Ich hoffe, du bleibst mir als Leser erhalten!

Viele Grüße
Feli

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Chawa 16. September 2019 - 14:55

Guter Umzug in den Süden. Ich freue mich schon auf die Fotos aus Nizza und Umgebung.

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Feli 16. September 2019 - 15:17

Vielen Dank liebe Chawa! Ich freue mich auch sehr! Ich finde es übrigens toll, was du machst!!!

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