Die Pariser Vorstadt Bagneux

by Feli
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Bagneux ist eine der berüchtigten Pariser Banlieues, also der Vorstädte. Sie liegt im Süden der Hauptstadt. Bagneux hat nur 40 000 Einwohner. Das Stadtbild ist also nicht unbedingt von Hochhausblöcken geprägt. Vielmehr dominiert eine niedrige, nicht besonders dichte Bebauung. Dennoch zählen 60 Prozent der Wohnungen der Vorstadt Bagneux zu den staatlich subventionierten Sozialwohnungen. Die Arbeitslosigkeit lag 2015 bei 13 Prozent. Amedy Coulibaly, jener Mann also, der am 8. Januar 2015 eine Polizistin tötete und einen Tag später einen jüdischen Supermarkt überfiel, lebte mehrere Jahre in Bagneux. Angeblich wurde auch Jean-Paul Gaultier hier geboren.

Bahnhof von Bagneux

Bahnhof von Bagneux

Avenue Aristide Briand in BagneuxHäuser in der Vorstadt BagneuxUnsere erste Wohnung im Großraum Paris lag auch in Bagneux. Es scheint öfter der Fall zu sein, dass ortsfremde Neuankömmlinge in diese Vorstadt ziehen. Der Grund dafür liegt in den verhältnismäßig geringen Mieten und der Nähe zu Paris. Bis zum Eiffelturm sind es gerade mal 6 Kilometer. Dennoch befindet man sich in einer anderen Welt. Bagneux ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht sehr ansehnlich.

Haus in der Vorstadt Bagneux

Hier wohnt jemand

Straße in der Vorstadt BagneuxDer Pariser Friedhof von Bagneux

Bekannt ist die Vorstadt Bagneux, wenn überhaupt, für ihren Friedhof. Dieser sogenannte „Pariser Friedhof von Bagneux“ wurde 1886 eröffnet und beherbergt heute mehr als 80 000 Gräber. Mehrere Areale sind für während der Weltkriege gefallene Soldaten reserviert.

Soldatengräber auf dem Friedhof in Bagneux

Aufgrund seiner großen Bedeutung als Begräbnisstädte für die jüdische Gemeinde von Paris wird der Friedhof von Bagneux im Volksmund auch jüdischer Friedhof genannt. Er beherbergt Denkmäler für die in den Konzentrationslagern der Nazis ermordeten Juden und für jene, die während des 2. Weltkrieges für Frankreich fielen. Erstaunlich ist es für mich deshalb, dass ich während eines Spaziergangs auf dem Friedhof über das Grab des französischen Antisemiten und Journalisten Henry Coston gestolpert bin. In den dreißiger Jahren initiierte er die Wiederherausgabe der Zeitung La Libre Parole, die ursprünglich von Edouard Drumont, dem wohl bekanntesten französischen Antisemiten des 19. Jahrhunderts, gegründet worden war. Coston war unter anderem französischer Korrespondent der deutschen Zeitschrift Welt-Dienst und nahm am Nürnberger Reichsparteitag 1935 teil. Als Kollaborateur der Nazis wurde er nach der Befreiung zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt, aber später begnadigt. Coston starb erst 2001, hatte also noch reichlich Zeit, Karriere zu machen.Friedhof Bagneux

Das Weinerntefest von Bagneux

Bagneux hat auch eine andere Seite. Am letzten Wochenende im September wird alljährlich ein Weinerntefest zelebriert. Auch wenn sich niemand, der die Vorstadt Bagneux schon einmal besucht hat, vorstellen kann, dass es an diesem Ort jemals Weinreben gab. Auch während des Festes gibt es keinen Wein. Aber sonst gibt es fast alles. Man kann in der Sonne sitzen, afrikanische Küche genießen, Bier trinken und sich beschallen lassen. Die Kinder werden mit einem Karnevalsumzug bespaßt. Wenn es Nacht wird, werden die Straßen von einer Gruppe von Feuerkünstlern erleuchtet.

Straßentheater in BagneuxSymphonieorchester in Bagneux

Der Höhepunkt ist der Auftritt eines 75 Kopf starken Symphonieorchesters mitten auf der Straße. Begleitet von einem Chor von 80 Sängern gibt es Beethovens Ode an die Freude zum Besten. Warum? Wer Frankreich kennt, weiß, dass die Franzosen bei jeder Gelegenheit ihre Nationalhymne anstimmen. Deshalb ist es unter jenen, die sich für progressiv oder links halten, üblich, die Europahymne darzubieten. Unter Präsident Hollande wurde das Feuerwerk zum Nationalfeiertag am Eiffelturm von der Hymne begleitet. Emmanuel Macron ließ sich nach seiner Wahl zum Klang der Hymne feiern. Die Pariser Vorstadt Bagneux, die seit 1935 (!) durchgängig von kommunistischen Bürgermeistern regiert wird, darf dem natürlich nicht nachstehen.

 

Möchtest du mehr über Paris wissen oder planst du gerade deine Parisreise? Dann schau dir meine Spaziergänge an. Bei einem Spaziergang an der Seine und einem Besuch des Marais lernst du die Stadt erst richtig kennen. Auch den Eiffelturm, den Triumphbogen und die Champs-Élysées, die Invalides, das Centre Georges Pompidou sowie die Kathedrale Notre-Dame solltest du auf keinen Fall verpassen. Vielleicht interessierst du dich auch für die besten Aussichtspunkte von Paris! In diesem Beitrag erfährst du außerdem die ideale Reisezeit für Paris und welche Großereignisse du auf keinen Fall versäumen solltest. Wie wäre es beispielsweise das Feuerwerk am Eiffelturm während des französischen Nationalfeiertages einmal live mitzuerleben?

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