Der Schlossberg Nizza: Geschichte des schönsten Aussichtspunktes der Stadt

by Felicitas
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Warst du schon mal auf dem Schlossberg in Nizza? Wenn nicht, solltest du ihn bei deinem nächsten Nizza Urlaub unbedingt besichtigen! Denn er ist der beliebteste Aussichtspunkt und eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Aber auch während der langen Geschichte von Nizza spielte Nizzas Colline du Château (so sein französischer Name) eine wichtige Rolle! In diesem Beitrag berichte ich über Aussichtspunkte und Sehenswertes auf dem Schlossberg, Nizza. Geschichte der Stadt inklusive!

Der Schlossberg von Nizza liegt zwischen der Altstadt und dem Hafen Port Lympia. Er eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Denn auf dem 92 Meter hoher Hügel befindet sich ein fast 20 Hektar große Stadtpark, der sogenannte Parc de la Colline du Château. Von diesem Park aus hat man eine atemberaubende Panoramasicht auf die französische Riviera.

Aber ehrlich gesagt, habe ich mich nach meinem ersten Besuch auf dem Hügel gefragt, wo denn eigentlich das Schloss ist. Vielleicht warst du auch schon einmal in Nizza und es erging dir ähnlich. Deshalb mache ich jetzt einen kleinen Abstecher in die Geschichte von Nizza.

Der Schlossberg von Nizza: Geschichte eines schon ewig bewohnten Hügels

Der Anblick des idyllischen Parks lässt kaum vermuten, was für eine lange, kriegerische Geschichte hinter dem heute so grünen Hügel liegt.

Denn tatsächlich ist Nizzas Schlossberg seit dem Ende der Jungsteinzeit, also seit 3000 vor Christi besiedelt. Seine Bewohner waren Ligurer. Sie gehörten zu jenen vorindogermanischen Menschen, die damals Südfrankreich und Norditalien bewohnten.

Jene, die die Gegend des heutigen Nizzas besiedelten, nannte man Vediantier.

Im 6. Jahrhundert vor Christi kamen Griechen an die südfranzösische Küste und gründeten Massalia, das heutige Marseille. Dann kam es zu den ersten Kontakten mit den Ligurern.

Vermutlich im 3. Jahrhundert vor Christi setzten sich die aus Massalia stammenden Griechen auf dem Gebiet des heutigen Nizzas fest und verdrängten die Ligurer von der Küste.

Die Griechen gründeten eine Handelsniederlassung, der sie den Namen Nikaïa, also die Siegreiche, gaben. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war Nizzas Schlossberg ununterbrochen bewohnt.

Heute erinnern an die griechische Präsenz auf dem Schlossberg nur ein paar Mosaike.

Die Griechen blieben jahrhundertelang in unmittelbarer Nachbarschaft mit den Ligurern und später den Römern. Dadurch setzte sich das Lateinische an der Küste Nikaïas erst mit der Christianisierung durch.

Die Geschichte von Nizza im Mittelalter

Im Mittelalter, also im 12. und 13. Jahrhundert, existierte auf dem Schlossberg von Nizza eine mittelalterliche Stadt. Sie besaß eine Zitadelle, Wohnhäuser und Kirchen, außerdem einen Markt und ein Krankenhaus.

Auf dem höchsten Punkt des Hügels, also dort, wo heute die Aussichtsplattform ist, stand damals das Schloss. Es beherbergte die Administration und die herrschaftliche Gerichtsbarkeit der Stadt.

So grün ist der Colline du Château heute

Außerdem existierten Stadtmauern. Sie umschlossen die Stadt auf dem Berg auf einer Höhe von 50 Metern.

Nizza gehörte offiziell zur Grafschaft Provence, war aber praktisch souverän. 1388 fiel es unter die Herrschaft der Grafschaft Savoyen.

Nizzas Schlossberg als Kriegsschauplatz

In den folgenden Jahrhunderten wurde Nizzas Schlossberg immer wieder angegriffen. Erstmals kam es 1543 zu einer Belagerung durch eine französisch-türkischen Koalition, der Nizza erfolgreich Widerstand entgegensetzte.

Nach dieser Belagerung wurde die Zitadelle weiter ausgebaut, die Oberstadt verschwand und die Menschen zogen in die Siedlung unterhalb des Schlossberges, die heute die Altstadt von Nizza ist.

Blick auf die Altstadt von Nizza

1691 belagerte die französische Armee den Schlossberg in Nizza ein weiteres Mal und bombardierte die Zitadelle. Als eine Bombe das Pulvermagazin im Bergfried traf, kam es zu einer gewaltigen Explosion.

Die Zerstörung auf dem Schlossberg von Nizza war verheerend. Außerdem fiel Nizza in französische Hand. Später wurde die Stadt an Savoyen zurückgegeben.

1706 fiel Nizza während des Spanischen Erbfolgekrieges nach wochenlanger Belagerung wieder an Frankreich. Diesmal ordnete Sonnenkönig Ludwig XIV. die vollständige Zerstörung der Zitadelle und aller Befestigungsanalagen auf dem Schlossberg an.

Heute bleiben von der langen Geschichte des Schlossbergs, Nizza nur ein paar Ruinen

Deshalb verlor Nizza seine militärische Bedeutung vollständig und öffnete sich fortan dem Tourismus.

Vom Krieg zum Tourismus

Zwischen 1760 und 1960 entstand um den historischen Stadtkern von Nizza zwischen Schlossberg und Altstadt eine Neustadt, die einzig und allein auf das Wohlbefinden ihrer Bewohner und Besucher ausgerichtet war.

Damit wurde Nizza zum Stilgeber für die Riviera und für Tourismuszentren auf der ganzen Welt. Deshalb wurde die Stadt 2021 in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen.

1822 wurde Nizzas Schlossberg in einen öffentlichen Park umgewandelt. Bald darauf wurde er mit Aleppo-Kiefern, Schirmkiefern, Zypressen, Robinien, Steineichen, Zürgelbäumen, Agaven, Kaktusfeigen und Europäischen Hopfenbuchen aufgeforstet.

Als Nizza 1860 infolge eines Volksentscheides an Frankreich fiel, ging der Schlossberg in Staatsbesitz über. Erst 1934 wurde er in die Obhut der Stadt übergeben und die letzten Kasernen verschwanden.

Der Schlossberg in Nizza: Aussichtspunkte und Sehenswertes

Heute ist der Parc de la Colline du Château Nizzas Aussichtspunkt und Ort für Erholungssuchende!

Hier befinden sich mehrere Aussichtsterrassen, eine Ausgrabungsstätte und der Bellanda-Turm. Außerdem sorgen ein gerade neu gemachter, großer Kinderspielplatz, ein Wasserfall und ein Imbiss für Vergnügen. Die Mosaike auf dem Schlossberg sollen übrigens an die griechische Präsenz erinnern.

Von der zentralen Aussichtsterrasse, die nach Friedrich Nietzsche benannt ist, weil der hier so gerne spazieren ging, hat man einen überwältigenden Blick, der vom Mittelmeer bis zu den Gipfeln der Alpen führt.

Auf der Terrasse Friedrich Nietzsche

Zwischen beiden liegt Nizza malerisch mit seiner Altstadt in der Engelsbucht. Außerdem ist es faszinierend, die Promenade des Anglais in Miniaturansicht zu sehen.

Unterhalb der Terrasse befindet sich ein künstlicher Wasserfall als weitere Sehenswürdigkeit von Nizza. Er wurde 1885 fertiggestellt, um die Belieferung Nizzas mit Wasser aus dem Fluß Vésubie zu gedenken. Bis heute wird der Schlossberg mit diesem Wasser bewässert.

Eine weitere Aussichtsterrasse befindet sich auf dem Bellanda-Turm. Dieser wurde 1825 erbaut. Im Turm befindet sich eine Ausstellung, die samstags besichtigt werden kann.

Eine weitere, kleine Aussichtsplattform, von der man auf den Hafen von Nizza und den Mont Boron schauen kann, befindet sich östlich des Kinderspielplatzes.

Blick vom Schlossberg auf den Hafen Port Lympia

Gemessen an der langen Geschichte des Schlossberges findet man nur wenige Ruinen. Die wichtisten sind die Überreste der Apsis der Kathedrale Sainte-Marie. Diese wird als die älteste Kirche Nizzas angesehen. Denn sie stammt aus der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts.

Der jüdische Friedhof von Nizza

Neben dem Parc de la Colline du Château befindet sich ein jüdischer Friedhof (Cimetière Israélite de Nice). Er wurde 1783 errichtet, nachdem Bestattungen in den Kirchen von Nizza verboten worden waren. Hier befinden sich die Grabstätten des Politikers Leon Gambetta und des Mercedes-Gründers Emil Jellinek.

Wie kommst du auf den Schlossberg, Nizza?

Mehrere Wege führen auf Nizzas Schlossberg. Diese Aufstiege werden als „Montée“ bezeichnet:

  • Die Montée Lesage ist eine Treppe direkt am Bellanda-Turm. Sie befindet sich am Quai des États-Unis, also der Verlängerung der Promenade des Anglais. Hier befindet sich auch ein Aufzug, der kostenlos direkt auf den Schlossberg führt, aber öfter mal nicht in Betrieb ist. Der Fahrstuhl wurde übrigens in einen 72 Meter tiefen Brunnenschacht gebaut, der 1540 angelegt wurde und den Schlossberg mit Wasser versorgen sollte.
  • Über die Altstadt von Nizza und die Rue Rosseti erreicht man die Montée du Château.
  • Auch die Montée Rondelly liegt in der Altstadt. Man erreicht sie über die Rue Guignis.
  • Vom Hafen aus gelangt auf den Schlossberg über die Rue de Foresta und die Montée Montfort.

Die Wege sind recht gut mit kleinen Kindern zu bewältigen. Mit einem Kinderwagen wird es aber wegen der Treppen schwierig. Das Gleiche gilt für Menschen, die schwer zu Fuß sind. Diese sollten den Fahrstuhl nutzen.

Parc de la Colline du Château
AdresseMontée Lesage
Montée du Château
Montée Rondelly
Montée Montfort
Eintrittspreiskostenlos
ÖffnungszeitenApril-September: 8 Uhr 30-20 Uhr
Oktober-März: 8 Uhr 30-18 Uhr
Tour Bellanda: samstags 10-13 Uhr, 14-18 Uhr

Angeblich kann man im Winter auf dem Schlossberg von Nizza den Sonnenuntergang bewundern. Den Rest des Jahres ist es aufgrund der beschränkten Öffnungszeiten nicht möglich.

Notfalls kann man auch mit dem Auto in den Park fahren. Oben befindet sich ein kleiner Parkplatz.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote aus der Geschichte Nizzas

In Nizza existiert eine für Neuankömmlinge aus der modernen Welt sonderbare Tradition. Jeden Tag um 12 Uhr wird ein Kanonenschuss vom Schlossberg abgegeben, der kilometerweit in der gesamten Stadt zu hören ist. Er soll daran erinnern, dass es Zeit zum Mittagessen ist.

Diesen Kanonenschuss zur Mittagszeit haben wir dem englischen Adligen Thomas Coventry zu verdanken. Denn er überzeugte die Stadtverwaltung von Nizza von der Notwendigkeit dieser „canoun de miejour“.

Am 21. Dezember 1863 ging es los. Seit diesem Tag ertönte der Schuss an 6 Tagen in der Woche. Nur sonntags blieb es still.

Manche meinten Thomas Coventry wollte damit seine Frau daran erinnern, zum Mittagessen nach Hause zu kommen, anstatt auf der Promenade des Anglais bei einem Plausch die Zeit zu vergessen.

Der Kanonenschuss zur Mittagszeit ist auch auf der Promenade des Anglais kilometerweit zu hören

Offenbar war Thomas Coventry auch sonst besessen von Zeit und Pünktlichkeit. So finanzierte er eine Sonnenuhr an der Südfassade der Oper von Nizza und eine Uhr auf der Place Masséna.

1867 wurde Thomas Coventry zu alt, um den Kanonenschuss zur Mittagszeit weiter zu organisieren. Nizza wurde wieder still und zeitlos.

Aber 1875 – Thomas Coventry war seit 6 Jahren tot – beschloss die Stadtverwaltung auf Drängen der Bürger:innen von Nizza, den Kanonenschuss zur Mittagszeit wieder einzuführen. Man holte die alte Kanone Coventrys wieder heraus und modernisierte sie. Fortan waren zwei Stadtpolizisten für den Kanonenschuss zur Mittagszeit zuständig.

Bis heute ertönt er täglich um 12 Uhr. An der Reaktion auf den Knall, kann man übrigens Touristen und Niçois unterscheiden. Während erstere verwundert oder, je nach Nähe zum Schlossberg, erschrocken aufschauen, murmeln die Einheimischen nur: C’est midi!

Warst du schon einmal auf Nizzas Schlossberg?

Wie hat es dir gefallen? Hast du Fragen oder Ergänzungen? Dann her damit!

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Lara 9. Mai 2022 - 8:41

Hallo Feli,
Ich liebe so historische Fakten zu Sehenswürdigkeiten.
Das bringt mich dem Ort immer noch ein Stückchen näher.
Ich war leider noch gar nicht in Nizza, also auch nicht auf dem Schlossberg.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Viele Grüße
Lara

Antworten
Felicitas 9. Mai 2022 - 16:44

Liebe Lara,
vielen Dank für deinen Kommentar! Schön, dass du solche historischen Hintergründe genauso spanenend findest wie ich.

Viele Grüße und eine schöne Woche,
Feli

Antworten
Stine 10. Mai 2022 - 10:02

Hallo Felicitas,
ich liebe Frankreich und durfte schon einige Städte kennenlernen. Leider ist Nizza nicht darunter. Das möchte ich aber spätestens nächsten Sommer ändern. Weißt Du vielleicht wie es mit Wohnmobilstellplätzen um Nizza herum aussieht?
LG
Stine

Antworten
Felicitas 19. Mai 2022 - 16:41

Hallo Stine,
aus eigener Erfahrung weiß ich das nicht. Ich sollte irgendwann mal einen Beitrag über Camping an der Côte d’Azur verfassen, ich merke das schon. Direkt in Nizza wird es vermutlich nicht viel geben. Es ist ja schließlich eine Großstadt. Im Hinterland ist das schon anders, aber dann ist es schwierig an die Küste zu kommen. Vielleicht ist der Sommer auch gar nicht die richtige Reisezeit für so ein Vorhaben, da dann alles total überfüllt ist. Ich habe einen separaten Beitrag darüber geschrieben.

Viele Grüße
Felicitas

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