Wohnsituation und Mietpreise in Paris – Wie wir wohnen

by Feli
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In deutschen Großstädten wird derzeit viel über Gentrifizierung, bezahlbaren Wohnraum und steigende Mietpreise diskutiert. Einer jüngst in der Berliner Morgenpost veröffentlichten Studie zu folge, stiegen die Mietpreise in Berlin 2017 so stark wie in keiner anderen Stadt auf der Welt: nämlich um satte 20,5 Prozent. Verglichen mit anderen Metropolen ist Berlin dennoch weiterhin günstig. So zahlt man für eine Haus in bester Lage gerade mal ein Drittel des Preises einer vergleichbaren Immobilie in London. Dieser Beitrag stellt Wohnsituation und Mietpreise in Paris vor, genaugenommen meine eigene Wohnsituation. So seht ihr, wo die Reise hingehen kann.

 

Die Anbindung zum Nahverkehr als Einflussfaktor auf den Mietpreis

Wir wohnen südlich von Paris, etwa anderthalb Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Unsere Wohnung liegt also außerhalb der Stadt Paris, an der Grenze zwischen einer relativ guten und einer eher schlechteren Gegend.

Die Qualität der Wohngegend und damit die Mietpreise im Pariser Umland hängen von der Nähe zur Metro ab. Das Pariser Metronetz deckt den Pariser Stadtbereich ab und endet in den angrenzenden Gemeinden kurz hinter der Stadtgrenze. Wohnt man weiter außerhalb bleiben nur die wesentlich unregelmäßiger fahrenden Vorortzüge, deren Stationen viel weiter auseinander liegen, so dass man zusätzlich den Bus nutzen muss, wenn man zu weit von einer Station entfernt wohnt. Nur gut zwei der insgesamt zwölf Millionen Bewohner der Île-de-France (so heißt die Großraumregion um Paris) wohnen wirklich in Paris. Unsere Wohnung liegt einen guten Kilometer von der letzten Metrostation entfernt. Für uns war das ein wesentlicher Grund uns für sie zu entscheiden.

 

Wohnsituation und Mietpreise in Paris und der Großraumregion

Derzeit leben wir zu dritt in einer Einraumwohnung mit einer Größe von 42 Quadratmetern. Wir haben einen wirklich großen Wohnraum, eine große Küche und ein Badezimmer mit Badewanne. Die Wohnung ist relativ hell und hat nur ab und an ein wenig Schimmel in der Küche. Ich liebe sie! Würde ich in den sechsten Stock unseres Hauses gehen, könnte ich (wie auf dem Bild) sogar den Eiffelturm sehen.

Wir zahlen eine Miete von 750 Euro, etwa 100 Euro pro Monat für warmes Wasser, 350 Euro Wohnsteuer im Jahr und 52 Euro pro Jahr für die Müllabfuhr. Da ist Internet und Elektrizität noch nicht inbegriffen. Damit ist unsere Wohnung für „Pariser Verhältnisse“ wirklich günstig. Alle unsere Pariser Freunde zahlen mehr und der Großteil von ihnen hat keinen Zugang zum Metronetz, da sie aus finanziellen Gründen in den Vorstädten wohnen. Alle unsere Freunde haben einen Hochschulabschluss. Im Gegensatz zu mir haben sie etwas Vernünftiges gelernt. Sie sind Ingenieure und keiner ist ohne Arbeit. Sie haben alle mehrere, jedoch oft winzige Zimmer. Unsere Wohnung ist wohl vor allem deshalb so günstig, da wir bei relativ vielen Quadratmetern nur einen Raum haben, der außerdem wie bei inem Loft mit der Wohnungstür endet, es also keinen separaten Flur gibt.

 

Schlimmer geht’s immer

Einer unserer Freunde hatte eine zeitlang Probleme Arbeit zu finden. Er hat keine französische Staatsbürgerschaft und fürchtete in dieser Zeit um seine Aufenthaltsgenehmigung. In dieser Zeit wohnte er bei seiner Schwester, natürlich in einem Vorort, zu fünft in einem Raum auf 30 Quadratmetern (es waren sogar nur 25 Quadratmeter, wie ich jetzt in einem Gespräch mit ihm erfahren habe).

Bevor wir in unsere jetzige Wohnung zogen wohnten wir in Bagneux, direkt am Bahnhof des Vorortzuges. Es ist keine schöne Gegend, aber sie liegt relativ nah an Paris, so dass viele Neuankömmlinge in der Region erst einmal hier stranden. Wir wohnten damals noch zu zweit für 600 Euro (da war das warme Wasser sowie ein Parkplatz schon mit drin) auf 22 Quadratmetern. Dieser Preis ist beinahe unschlagbar. Die Küche war in den Wohnraum integriert. Bei einem Streit konnte ich mich mangels anderer Räume nur in das winzige Badezimmer verziehen und mich vor die Toilette setzen. Die Wohnung und all ihre Fenster lagen an einer sechsspurigen Straße. Nach einem längeren Urlaub hatten wir Mäusekot im Badezimmer. Die Maus war offenbar durch die Toilette gekommen. Wesentlich öfter hatten wir Kakerlaken, die durch den Belüftungsschacht oder den Spalt unter der Wohnungstür zu uns gelangt waren. Seitdem weiß ich, dass es geradezu unmöglich ist, Kakerlaken aus der Wohnung zu vertreiben, wenn irgendein Ort im Haus befallen ist.

Es geht aber auch noch schlimmer. Manche Wohnungen haben keine Fenster, keine Dusche oder provisorisch aus Holz in den Wohnraum eingebaute Toilettenkabinen, die zur Decke hin offen sind. Das ist aber immer noch besser als auf der Straße zu leben, wie es nicht wenige Menschen dieser Stadt tun.

Jetzt wisst ihr, wo es enden kann. Wohnsituation und Mietpreise in Paris sind nicht zu beneiden.

 

Gibt es etwas, was dich an deiner Wohnsituation besonders nervt oder was du als beschämend empfindest? Dann schreibe in den Kommentaren darüber!

 

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2 Kommentare

Who is Mocca? 11. Januar 2019 - 18:21

Das sind wirklich saftige Preise. Hier in Tirol (in den schönen bzw. zentralen Gegenden) sieht es da nicht viel anders aus. Aber irgendwie findet man immer etwas das passt bzw. muss sich einfach mit der Situation arrangieren. Ein paar Dinge die du hier erwähnst, klingen allerdings schon krass.

Liebe Grüße,
Verena von whoismocca.com und thepawsometyroleans.com

Reply
Feli 13. Januar 2019 - 18:31

Liebe Verena,
ja es ist auch krass. Wir hatten bei der Wohnungssuche ja noch Glück.

Viele Grüße
Feli

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