Nachhaltigkeit in Frankreich – Wie wir versuchen, sie zu leben

by Feli
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In der letzten Zeit bemüht sich meine Familie intensiv um eine nachhaltige Lebensweise. Denn in Frankreich haben sich die Veränderung, die sich durch den Klimawandel ergeben, in den letzten Jahren in erschreckender Deutlichkeit offenbart. In diesem Beitrag erfährst du, wie wir versuchen Nachhaltigkeit umzusetzen und in welchen Bereichen Nachhaltigkeit in Frankreich besonders einfach ist. Die Blogparade Nachhaltigkeit im Alltag vom Bruellmausblog hat mich dazu inspiriert und ich freue mich daran teilzunehmen.

Nachhaltigkeit in Frankreich: Der Müll auf den Straßen von Paris

Immer wieder hört man von Parisbesuchern, dass ihnen die schönste Stadt der Welt überhaupt nicht gefallen hat. Ein wichtiger Grund, der dabei angeführt wird, ist der Müll, der überall auf den Straßen abgestellt wurde. Neben Müllsäcken befinden sich oft auch alte Möbel, Hausrat oder sogar Toiletten auf den Bürgersteigen der schönsten Stadt der Welt. Paris wird von vielen einfach als dreckig empfunden.

Zurückgelassener Hausrat an einem Sonntag in Paris

Dabei wissen die meisten Touristen nicht, was es mit dem Abfall auf den Straßen auf sich hat. Denn die Pariser sind nicht etwa besonders unordentlich. Vielmehr basiert die Abfallentsorgung im Großraum Paris auf dem Prinzip, dass sonntags sämtlicher Abfall und Unrat, der nicht zum normalen Hausmüll gehört, auf die Straße gestellt wird. Dieser wird dann ab Montagmorgen nach und nach von der Müllabfuhr mitgenommen.

Es ist im Großraum Paris ein regelrechter Volkssport am Sonntagabend einen Spaziergang zu unternehmen und die abgestellten Sachen nach Nützlichem zu durchsuchen. Neben Privatpersonen beteiligen sich auch professionelle Unternehmen daran, wiederverwertbare Gegenstände aus dem Unrat zu fischen. Ich habe mal gehört, dass die Sachen später teilweise bis nach Afrika gelangen.

Auch ich habe mich regelmäßig auf die Suche nach Nützlichem begeben. Neben Möbeln, Kleidungstücken und Büchern stammt der Großteil des Spielzeugs meines Kindes von den Pariser Straßen. Ihr Zimmer ist voll damit. Von Spielzeugautos in jeder Größe, Stofftieren, Puzzeln, Duplo Steinen bis hin zu einem Dreirad haben wir alles auf der Straße gefunden.

Andererseits war der Großteil der Dinge, die wir selbst auf die Straße gestellt haben, schon nach kurzer Zeit und lange bevor die Müllabfuhr kam, wieder verschwunden.

Finde den Fehler 🙂

Auch in Nizza werden Möbel, die man nicht mehr braucht, auf die Straße gestellt. Du kannst dir nicht vorstellen, wie groß meine Freude war, als ich vor einigen Tagen keine 100 Meter von unserer Wohnung genau den Esstisch aus Massivholz entdeckte, der uns in unserem Wohnzimmer noch fehlte! Genau so einen Tisch wollte ich demnächst kaufen.

Mein „neuer“ Tisch

Nachhaltigkeit in Frankreich: Bücherboxen

Für Bücher gibt es überall in Paris meist an Spielplätzen gelegene Bücherboxen. In diese kann man seine alten Bücher stellen und sich im Gegenzug Bücher aus der Box mitnehmen. Ich habe mich regelmäßig aus diesen Boxen bedient, sowohl für mich als auch für mein Kind. Die Bücher, die ich selbst in diesen Boxen ließ, gingen schnell in andere Hände über.

Nachhaltigkeit in Frankreich: Flohmärkte

Den Großteil der Kleidung meines Kindes stammt vom einem der Flohmärkte, die in regelmäßigen Abständen in den Vorstädten von Paris abgehalten werden. Die Motivation gebrauchte Kleidung zu kaufen, war dabei ursprünglich gar nicht die Nachhaltigkeit.

Vor der Geburt meines Kindes habe ich mir sehr viele Gedanken über die Wirkung von giftigen Substanzen bei Babys und Kleinkindern gemacht und immer wieder gelesen, dass es ratsam ist, dass das Neugeborene nicht in Kontakt mit Neuwaren kommt. Kleidungsstücke sollten mehrfach gewaschen werden, Möbel einige Zeit vor der Verwendung auslüften. Da erschien es mir einfacher, so viel wie möglich gebraucht zu erwerben. Außerdem war es auch günstiger.

Nachhaltigkeit in Frankreich: Nationalistische Lebensmittel

Frankreich ist das Land der nationalistischen Lebensmittel. Die Wortschöpfung stammt von mir und ist mit einem Augenzwinkern gemeint. Was ich damit meine? Auf vielen Verpackungen ist übergroß und selbst für den Sehgeschwächten sichtbar, dass das Produkt aus der schönen französischen Heimat stammt.

Lange Zeit habe ich das belächelt. Ich verstehe mich als weltoffen, interessiert an Neuem und bin der Meinung, dass Bauern, Handwerker und sonstige Produzierende auf der ganzen Welt, nicht nur in Frankreich, Geld verdienen sollten, um ein angenehmes Leben führen zu können.

Französische Pute in den Farben der französischen Nationalflagge

Mittlerweile habe ich meine Meinung zu den nationalistischen Lebensmitteln allerdings revidiert. Ich suche gezielt nach französischen und jetzt auch italienischen Produkten. Die Grenze liegt ja gerade mal 30 Kilometer entfernt. Besonders freue ich mich, wenn das Obst auf dem Markt aus der Provence kommt.

Französisches Soja

Lebensmittel, die erst eine Fernreise antreten mussten, um in meinen Magen zu gelangen, versuche ich so oft wie möglich zu vermeiden. Denn Schiffs- und Flugreisen sind bekanntermaßen mit CO2-Ausstoß verbunden und die Banane hat noch nicht einmal etwas von ihrem Abenteuer.

Die französische Banane in der Trikolore hat wahrscheinlich trotzdem eine Fernreise hinter sich.

Übrigens gibt es in französischen Supermärkten auch weit weniger Obst und Gemüse, welches eine Fernreise hinter sich hat, als in Deutschland. Zumindest ist das mein Eindruck. Du könntest jetzt kontern, dass es ja in Südfrankreich viel einfacher ist, lokales Obst und Gemüse zu erwerben als beispielsweise in Berlin. Es wächst ja viel mehr.

Das ist zumindest dieses Jahr nicht der Fall. In beinahe ganz Frankreich gab es dieses Jahr eine katastrophale Trockenheit kombiniert mit Temperaturen von vielerorts über 40 Grad. Da wächst nicht mehr wirklich viel. Das merkt man auch im Supermarkt. Das Angebot ist wirklich eingeschränkt und viele Sorten sind so teuer! Das gilt sowohl für Paris als auch für den Süden des Landes. Hast du schon einmal besonders schöne Tomaten für 13 Euro pro Kilo gesehen? Oder eine Pampelmuse für 2,5 Euro?

Meine Schwächen

Die Beschränkung auf lokale Produkte kostet mich oftmals Überwindung, denn eigentlich bin ein totaler Fan von Avocados und Pampelmusen. Außerdem haben wir es uns in Paris angewöhnt, sehr viel asiatisch zu Essen. Paris hat die größte asiatische Gemeinde Europas und dementsprechend gibt es riesige chinesische Supermärkte. Wir waren dort regelmäßig einkaufen, aber mittlerweile ist mir bewusst, dass diese Lebensmittel eine besonders weite Reise hinter sich haben. Ich versuche mich nun diesbezüglich einzuschränken, auch wenn es mir nicht immer gelingt.

Nahe meines neuen Wohnortes habe ich außerdem ein russisches Geschäft entdeckt und auch da konnte ich mich nicht zurückhalten. Saure Gurken und Schwarzbier bekommt man in Frankreich nun einmal nicht aus lokaler Produktion.

Fleisch

Konsequenter sind wir beim Fleischkonsum. Fleisch ist in Frankreich um einiges teurer als in Deutschland und Wurst ist bekanntlich nicht besonders gesund. Schon deshalb habe ich vor einiger Zeit innerhalb meiner Familie eingeführt, nur noch ein bis zwei Mal pro Woche Fleisch oder Fisch zu essen. Das halten wir auch recht konsequent durch, wenn wir nicht gerade im Urlaub sind. Dafür konsumieren wir mehr Sojaprodukte.

Auch das Schulessen meines Kindes ist mittlerweile auf Vegetarier umgestellt. Dafür haben wir uns nicht nur aus Gründen der Nachhaltigkeit entschieden, sondern auch in dem Gedanken, dass wir die Qualität des Fleisches, dass sie in der Schulspeisung erhält, nicht überprüfen können.

Neuanfang

Schon vor einiger Zeit haben wir geplant, Paris zu verlassen und uns im Süden Frankreichs niederzulassen. Dabei haben wir uns vorgenommen, unser Leben nach unserem Umzug umzustellen. Denn keiner, der die letzten Sommer in Paris erlebt hat, kann einen Zweifel daran haben, dass wir dringend handeln müssen, wenn wir uns wünschen, dass die Erde auch unseren Kindern noch einen angenehmen Wohnort bietet. Die langsam unerträglich werdende Hitze in der Stadt war schließlich ein wesentlicher Grund, warum wir Paris den Rücken gekehrt haben.

So haben wir bei der Wahl unseres neuen Wohnortes darauf geachtet, dass er es uns ermöglicht, eine nachhaltigere Lebensweise zu führen. Unsere Wahl ist auf ein Viertel im Zentrum Nizzas gefallen. Alle Dinge des täglichen Lebens sind in Laufweite erreichbar: Einkaufsmöglichkeiten, Märkte, Ärzte, Schulen, das Meer und die historische Altstadt. Dafür sitzt mein Mann jeden Tag 2-3 Stunden im Bus.

Nachhaltigkeit in Frankreich: Autoarme Innenstädte

Übrigens waren wir bei unserem ersten Besuch in Nizza im letzten November erstaunt darüber, wie wenig Autos in der Innenstadt fahren. Das Bestreben die Autos aus den Städten zu entfernen spürt man dabei nicht nur in Nizza, sondern auch in vielen anderen Orten Frankreichs. Oftmals versucht die Stadtführung allen Widerständen zum Trotz neue Realitäten zu schaffen, um die Nachhaltigkeit in Frankreich zu verbessern.

In dem Vorort von Paris, in dem wir zuletzt gelebt haben, wurden beispielsweise die Parkgebühren auf 4 Euro pro Stunde erhöht. Auch in Paris selbst wird an allen Ecken gebaut, um Fahrradwege zu bauen, den Nahverkehr zu erweitern und das Autofahren unangenehmer zu machen.

Sonntags ist das Autofahren in der Innenstadt regelmäßig untersagt. Ein wesentlicher Teil des Pariser Seineufers wurde bereits 2018 dauerhaft in eine autofreie Fußgängerzone umgewandelt.

Avenue ohne Autos im Zentrum von Nizza

Obwohl ich erst skeptisch war, begrüße ich diese Veränderungen. Denn nur wenn von Seiten des Staates die Voraussetzungen verändert werden, wird der Einzelne seine Lebensweise ändern. Gegen die Luftverschmutzung in Paris sollte in jedem Fall etwas unternommen werden, denn sie beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich.

Unsere neue Wohnung

Auch wenn wir jetzt nicht mehr in Paris sind, bemühen wir uns, unsere Lebensweise nachhaltiger zu gestalten. Unsere neue Wohnung hat keine Badewanne mehr. Für mich und meine noch nicht einmal 3-jährige Tochter ist das ein großer Verlust. Es ist gut möglich, dass wir uns nicht für die Wohnung entschieden hätten, wenn wir nicht den Wunsch nach einer nachhaltigeren Lebensweise gehegt hätten.

Allerdings hat unsere Wohnung auch einen Haken. Es handelt sich um einen Altbau mit großen, aus vielen kleinen Einzelscheiben bestehenden Fenstern. Eine dieser Scheiben im Küchenfenster – sie hat etwa eine Größe von 40 mal 10 Zentimetern- ist irgendwann kaputt gegangen und statt sie zu ersetzen, hat man nur ein Drahtnetz eingefügt.

Wer braucht schon Fensterscheiben?

Hinzu kommt, dass im Fensterrahmen des Küchenfensters zwei ähnlich große Flächen sind, die eigentlich nur aus Belüftungslöcher bestehen. Belüftungslöcher sind in Frankreich häufig. In unserer Wohnung in Paris hatten wir auch welche, durch die trotz intensiver Bemühungen sie zu stopfen, weiter der Smog der Straße in unsere Wohnung gelangte.

Belüftungslöcher wie diese sind in Frankreich üblich.

Als ich die Wohnungsmaklerin bei der Schlüsselübergabe (wir haben uns für die Wohnung entschieden, ohne sie vorher zu besichtigen und sie bei der Schlüsselübergabe das erste Mal gesehen) darauf hinwies, dass da eine Scheibe fehle, entgegnete sie mir, dass das ja eigentlich gut sei, weil die Wohnung so gelüftet würde, ganz ohne dass man das Fenster öffnen müsste.

Fast 1000 Euro Miete, aber keine Scheibe im Fenster. Ich einigte mich mit der Maklerin schließlich darauf, dass es wohl an den kulturellen Unterschieden läge, dass das für mich ein Problem darstellt. Tatsächlich ließ sich unser Vermieter auch nach einer Diskussion nicht davon überzeugen, die Scheibe zu ersetzen. Das sei ja schon seit 12 Jahre so.

Wie ich in der Küche heize, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich gar nicht. Ich lebe ja nicht mehr in Berlin.

Gewohnheiten des täglichen Lebens auf dem Prüfstand

Auch unsere Gewohnheiten wollen wir ändern. Wir versuchen so viele Lebensmittel wie möglich auf dem Markt zu kaufen und auf Verpackungen zu verzichten. Das erworbene Obst und Gemüse landet lose in unserer Tasche. Seit neuestem gehen wir auch in ein Zero-Waste-Geschäft. Dagegen versuchen wir ohne Lieferdienste auszukommen. Meine Zahnbürste ist aus Bambus, die Wattestäbchen aus Baumwolle. Mein Kind besitzt seit kurzem einen Edelstahlstrohhalm.

Lebensmittelmarkt in Nizza für frischen Fisch
sowie Obst und Gemüse

Plastik versuchen wir zu vermeiden oder so oft es geht wiederzuverwenden. Übrigens bekommt man in Frankreich schon seit Jahren keine Plastiktüte mehr, wenn man Kleidung kauft. Die Tüten sind aus Papier. An den Gemüseständen im Supermarkt wechseln sich Tüten aus Papier mit Tüten aus echtem Plastik oder solchem, das nach einiger Zeit zerfällt, ab. Wir benutzten diese Tüten dann für unseren Müll, der ja auch irgendwie entsorgt werden muss.

Unsere großen Schwachstellen sind Kosmetikprodukte und Flugreisen. Seit Anfang 2019 verzichten wir auf Urlaubsflüge. Mal schauen, wie lange wir das durchhalten. Aber wir fliegen regelmäßig, wenn auch mit schlechtem Gewissen, nach Berlin. Allerdings haben wir die Anzahl unserer Flüge in den letzten Jahren deutlich gesenkt und dafür die Aufenthaltsdauer erhöht. Jetzt bleiben wir nicht nur übers Wochenende, sondern gleich zwei Wochen.

Und du?

Versuchst du auch nachhaltig zu leben? Wie gestaltest du das? Was hältst du von den Methoden der Nachhaltigkeit in Frankreich?

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9 Kommentare

nickel 25. Oktober 2019 - 18:56

Vielen Dank für’s Mitmachen!
Der Artikel ist sehr interessant und an manchen Stellen erkenne ich mich oder uns wieder. Alte Möbel, Sperrmüll, wird in unserem Viertel auch einfach auf die Straße gestellt. Allerdings gibt es kein offizielles System, dass es montags abgeholt wird. Den Sperrmülldienst muss man anrufen, angeben wie viel man hat und ein Datum vereinbaren. Das ist den meisten zu umständlich und langwierig, manchen auch etwa wegen der Sprachbarrieren nicht möglich. Also hat irgendwann mal irgendwer angefangen, einfach Dinge vor die Hauseingänge zu stellen, wovon andere sich nehmen können, was sie brauchen. Auch wir haben von Möbeln bis zu Spielzeug einiges gefundenes. Das ist super, nachhaltig und kostenlos.

Belüftungslöcher kann man sich nur in den warmen Regionen Frankreichs leisten. Bei -20° im Winter wäre das hier nix. 😀

Liebe Grüße,
nickel

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Feli 28. Oktober 2019 - 8:44

Gerne! Es hat viel Spaß gemacht! Ich finde es ja toll, dass bei euch einfach jemand angefangen hat, Ungebrauchtes auf die Straße zu stellen. So kann man die Welt auch verändern :-).

Liebe Grüße
Feli

Reply
Katrin 28. Oktober 2019 - 12:05

Hallo Feli,
das klingt ein bisschen nach uns 🙂 Ich habe die französischen Aufkleber aber noch nicht verstanden, vielleicht kannst Du mir helfen? Es gibt irgend ein Label für französisches Fleisch, das heißt irgendwas mit Rouge. Ich habe mir zusammengereimt, dass es Auskunft über die Haltung gibt. Stimmt das? Denn das ist mir immer noch ein Buch mit sieben Siegeln: ist die französische Tierindustrie genauso krank wie die deutsche (dass die Tiere LEBEND durch halb Europa zum Schlachter gekarrt werden z.b.? Oder männliche Küken geschreddert werden? Oder alles störende wie Hörner oder Schnäbel amputiert wird? Und was nicht noch alles…) Mein deutsches Internet gibt mir keinen Zugang zu Informationen – wobei ich mir auch vorstellen könnte, dass es gar keine gibt. Als ich im Carrefour in Mandelieu mal gefragt habe, wie die Scampis gefangen wurden, haben die Verkäuferinnen mich ausgelacht…

Zu Kosmetik kann ich vielleicht einen Tipp geben. Ich mache meine mittlerweile weitestgehend selber. Waschmittel z.b.: 3 El geriebene Kernseife in einem Liter heißem Wasser auflösen, 3 EL Waschsoda dazu – fertig. Beim Abkühlen rühren und später die Flasche schütteln, es wird gelartig. Bei kalkhaltigem Wasser einen Schuß Essigessenz dazu und nach Gusto ätherisches Öl. Top für Handtücher, Bettwäsche, Kochwäsche im Allgemeinen. Es gibt für alles Rezepte (Cremes, Lotions, Gesichtswasser, Abschminkzeug, Deos, Anti-Aging,… Aber auch Putzmittel, Geschirrspülreiniger – einfach alles.) Macht mir großen Spaß – und dauert auch nicht länger, als im Supermarkt aus der Masse an Angebot eins auszusuchen. Plus man kann aus seinem Vorrat viel machen, spart also Verpackungsmaterial. Und lernt einiges über Haut und Chemie.

Viele Grüße
Katrin

Reply
Feli 28. Oktober 2019 - 15:47

Hallo Katrin!

Vielen Dank für deinen Kommentar! Label Rouge ist ein Qualitätssiegel, dass für eine besonders hohe Qualität der WAren steht. Die nationalistische Pute auf dem Foto besitzt auch ein Siegel. Sie gehört zur Kategorie A und wurde zu 100 Prozent mit pflanzlischer Nahrung, Vitaminen und Mineralstoffen ernährt. Davon waren 65 PRozent Getreide und weniger als 0,9 Prozent durch Gentechnik verändert. Die Pute durfte 85 Tage leben.
Ehrlich gesagt, weiß ich nichts über die französische Tierindustrie, denke aber, dass man sich in Frankreich vielleicht etwas weniger Gedanken über das Tierwohl macht, als in Deutschland. Allerdings finde ich, dass das Fleisch in Frankreich viel besser schmeckt, als in Deutschland. Deshalb vermute ich, dass die Qualität höher ist.
ICh nehme mir deine Fragen zu Herzen und werde irgendwann einmal darüber recherchieren. Das reicht ja für einen ganzen Artikel, dauert aber wohl eine Weile.
Deine Infos zur Kosmetik finde ich ja spannend! Beim WAschmittel habe ich etwas Bedenken, ob das wirklich sauber wird. Wir haben ein kleines Kind und seeeehr dreckige Wäsche. Aber gerade bei Cremes, Körperreinigung und Shampoos bin ich superinteressiert und gehe gerne mal bei dir in die Lehre! Wo kann ich die Zutaten kaufen?

Liebe Grüße
Feli

Reply
Katrin 28. Oktober 2019 - 17:46

Hi Feli,
Danke für die Info zum Label Rouge. Also kann ich das genauso kaufen wie Bio? (im Gran Frais gibt es ja kein Bio-Siegel, aber ich LIEBE diesen Supermarkt! Bisher habe ich mich an das Fleisch nicht so rangetraut)
Stimmt, es schmeckt alles so viel besser in Frankreich. Das liegt aber auch daran, dass die Franzosen prozentual mehr von ihrem Einkommen für Nahrungsmittel ausgeben als die Deutschen. Bei uns liegt dafür der Fokus auf Einrichtung, Reisen und Autos (nicht unbedingt in der Reihenfolge…) Essen wird von uns nicht so geschätzt, folglich nicht bezahlt, folglich bekommen wir die schlechteste Qualität geliefert, Länder, wo mehr ausgegeben wird, die bessere – logisch eigentlich. (Hatte mal ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit unserem Obst- und Gemüsehändler darüber.)

Lies Dich mal ein bisschen ein in die Kosmetik Thematik. Ich breche eine Lanze für das Waschmittel (ich habe einen Hund, ich stehe auch drauf, wenn alles sauber wird :-D) Lavendel beispielsweise hat desinfizierende Wirkung. Wenn Du das ätherische Öl ins Weichspülerfach machst, riecht es also nicht nur gut. Und über Nacht in eine Soda-Lösung eingeweicht und dann in die Waschmaschine ist eine Tiefenreinigung (z.b. vergilbte Bettwäsche oder verschwitze Kleidung…)
Ich kann Dir jetzt keine Belege liefern, aber bei meinen ganzen Recherchen habe ich festgestellt, dass es 100x gesünder ist, KEIN industrielles Zeug zu benutzen. Da ist so viel Chemie drin, dass man das lieber nicht auf der Haut haben will. Und so viel abartiges Zeug (hab gerade erfahren, dass flüssiges Plastik für Gelkonsistenz zuständig ist, wie z.b. in WC-Reiniger, Bodylotion und allem, was nicht gleich runterlaufen soll. Eklig, wenn Du mich fragst, vor allem, wenn es mit Guarkernmehl auch anders geht…)

Ja, das erzähle ich Dir gerne alles! Es gibt ein paar gute Händler, die auch über Amazon verkaufen oder auch direkt ins Ausland liefern. Dragonspice und Naissance liefern Bio-Qualität, überwiegend vegan. Kokosöl (die Basis von so gut wie allem) findest Du im „normalen“ Supermarkt, Mandelöl im Asia-Markt, Rosenwasser oder anderes Hydrolat im Gartencenter oder Du nimmst einfach destilliertes Wasser (auch Supermarkt). Kernseife ist dasselbe wie Savon de Marseille, Waschsoda würde ich im Internet bestellen, in Frankreich gibt es „nur“ Cristaux de soude, da muss man zuviel von nehmen, dann rentiert sich das nicht mehr. Naturalia hat auch viel, z.b. Zitronensäure für’s Putzmittel…
Meine Lieblingsseite ist https://schwatzkatz.com/ (sie kommt auch aus Berlin 😉 )
Ach so: und seit wir öfter in Frankreich sind, bringen wir jedes Mal von einem der Märkte unseren Jahresvorrat an Seife mit. Die wird irgendwo in der Region gemacht (z.b. in Gourdon oder Agay), ist vegan und hat so gut wie keine Verpackung. Wir benutzen überhaupt kein Duschgel oder Flüssigseife mehr, diese natürlichen Düfte erinnern immer ein bisschen an Frankreich. Viel schöner 🙂 Und gleichzeitig ohne Ende Plastik gespart. (Shampoo kannst Du auch leicht ersetzen, da gibt es auch Seifenstücke z.b. bei Lush oder bei Naturalia oder Botanic oder selber machen.)

Viele Grüße
Katrin

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Feli 30. Oktober 2019 - 14:32

Hallo Katrin!

Ja sicher ist die Qualität der Lebensmittel in Frankreich höher, weil diese teurer sind. Wenn man den Unterschied einmal bemerkt hat, fragt man sich auch, was in deutschem Fleisch so drin ist.
Ich weiß nicht, ob Label Rouge identisch mit Bio ist, sicher nicht. Was gelten denn für Standarts bei Bio? Das Label Rouge hat eine höhere Qualität als vergleichbare Ware. Es gibt bestimmte Anforderungen, die für jedes Produkt unterschiedlich sind. Ich werde darüber mal ausführlich schreiben. ICh bin mir aber schon jetzt gar nicht sicher, ob Tiere, die zu Label Rouge Fleisch verarbeitet wurden, ausschließlich Bionahrung bekommen haben.

Vielen Dank für die vielen Infos bezüglich der Kosmetik und des Waschmittels! Da müssen wir aber auf jeden Fall noch einmal drüber sprechen. Mit Lieferdiensten ist das aber so eine Sache. Die sind ja auch alles andere als nachhaltig. Mit dem Hund hast du natürlich Recht (lach!). Ich muss noch einmal nachfragen: Habe ich das richtig verstanden? Du wäschst dich ausschlielich mit Savon de Marseille. Woher weißt du, dass da nur natürliche Inhaltsstoffe drin sind?

Sonnige Grüße nach Berlin
Feli

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Katrin 28. Oktober 2019 - 17:52

Ach, noch was vergessen: Waschnüsse sind TOP für Kochwäsche. Die Wäsche wird sensationell weich. Die Dinger kommen von weit her, fürchte ich. Hab mich noch nicht so richtig mit der Herkunft beschäftigt, weil sie die Wäsche so wunderbar machen, dass ich gerade noch ein bisschen die Augen vor der harten Realität zumache… 🙃

Reply
Orange Diamond Blog 29. Oktober 2019 - 22:30

Hallo,

gerne habe ich deinen Blogbeitrag gelesen und freue mich, dass ich nicht alleine mit meiner nachhaltigen Haltung bin! Sehr schoen um die Geschichte mit der „dreckigen“ Stadt. Zuerst musste ich an die Wiener und Bielefeldder Innenstadt denken – da liegt soviel Einweg-Muell und so viele Kippen auf dem Boden – mein Guete!

Nachmoeglichkeit versuche ich auch alles lokal und von heimischen Hoefen zu bekommen. Und mit ein wenig Verstand weiß ich wieviel was kosten darf! Zugegeben, ich gebe auch gerne einen Euro mehr aus. Wenn ich mich im Supermarkt sehe, dann lockt mich bestimmt das eine oder andere Angebot.
Plasikfrei und kein Einweg – ich habe noch nicht alles optimiert, aber schon sehr viel! Ich mag die neue Lebensweise und hoffe dadurch etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Viele Grüße,
Alexandra

Reply
Feli 30. Oktober 2019 - 14:46

Hallo Alexandra!
Vielen Dank für deinen Kommentar!Ja es ist schön, dass wir mit dieser Einstellung nicht alleine sind. Übrigens findet man in Frankreich nicht so viele Kippen auf der Straße. Die Gelegenheit, Obst und Gemüse direkt beim BAuern zu kaufen, habe ich leider nicht. Aber ich denke, jeder sollte das tun, was ihm möglich ist. Und natürlich können wir alle auch ab und an mal schwach werden :-).

Viele Grüße
Feli

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