Spaziergänge im winterlichen Südfrankreich

by Feli
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Einer der größten Wünsche unseres Kindes in diesem Corona-Winter war es endlich einmal Schnee zu erleben. Natürlich wollten wir ihr den Wunsch unbedingt erfüllen, auch wenn es keine einfache Aufgabe war! Schnee im winterlichen Südfrankreich! Wo wir ständig im Lockdown sind und uns kaum noch frei bewegen dürfen! Außerdem sind nach dem Unwetter im Oktober viele Bergstraßen in unserem Departement noch immer zerstört!

Als wir während der Weihnachtsfeiertage nach dem wochenlangen Lockdown endlich wieder herumfahren durften und bei meinen Schwiegereltern im Vaucluse waren, sind wir auf die Idee gekommen, unser Schneeglück doch einmal auf dem Mont Ventoux zu versuchen.

Im winterlichen Südfrankreich auf dem Mont Ventoux

Der Mont Ventoux ist ein Berg im Vaucluse in der nördlichen Provence zwischen Orange und Sisteron. Seiner kalkhaltigen Oberfläche ist es zu verdanken, dass die Spitze auch im Sommer schneeweiß erstrahlt. Im Winter ist Schnee hier fast garantiert. Denn der Mont Ventoux ist 1909 oder 1912 Meter hoch. Darüber gibt es im Internet unterschiedliche Meinungen.

Lavendel in der Provence
Blick auf den Mont Ventoux von den Lavendelfeldern bei Saignon

Obwohl ich seit mehr als 10 Jahren regelmäßig in der Provence bin, habe ich es noch nie auf den Mont Ventoux hinaufgeschafft. Das lag vor allem daran, dass mein Mann sich aufgrund des angeblich eiskalten Klimas weigerte, den windigen Berg, so die französische Bedeutung des Namens, mit mir zu besuchen.

Es gibt drei Wege, den Mont Ventoux mit dem Auto zu erklimmen, nämlich die Zufahrtsstraßen von Malaucène, Bédoin und Sault. Man kann den Aufstieg natürlich auch zu Fuß oder auf dem Fahrrad bewältigen, allerdings ist letzteres ziemlich anspruchsvoll. Deshalb ist der Mont Ventoux regelmäßig Ziel der Tour de France.

winterliches Südfrankreich
Blick vom winterlichen Mont Ventoux

In unserem Fall war der Weg nicht das Ziel und wir haben das Auto gewählt. Wir waren ja auf der Suche nach Schnee im winterlichen Südfrankreich. Tatsächlich hatte ich während unserer Auffahrt Bedenken, dass es mit unserem Winterspaziergang nichts wird, denn so richtig nach Schnee sah es nicht aus. Erst auf den letzten Metern wandelte sich die graue Herbstlandschaft in eine weiße, romantische Winterlandschaft. Das Wetter auf dem Riesen der Provence (Géant de Provence) – so der Spitzname des Mont Ventoux – war dann sogar relativ mild, gar nicht windig und sogar ein bisschen sonnig.

winterliches Südfrankeich
Siehst du die weißen Gipfel im Hintergrund?

Wir konnten sogar die umliegenden Berge sehen. Bei richtig gutem Wetter sieht man vom Mont Ventoux angeblich gleichzeitig das Mittelmeer, die höchsten Gipfel der Alpen und die Pyrenäen.

Der Mont Ventoux: Biosphärenreservat der UNESCO, Weinanbaugebiet und Skistation

Der Mont Ventoux ist aufgrund seiner außergewöhnlich reichhaltigen Flora und Fauna eines der Biosphärenreservate der UNESCO, die als Beispielorte für nachhaltige Entwicklung gelten sollen. Der Berg beherbergt 1 200 Pflanzenarten, von denen einige endemisch sind.

Außerdem haben auf dem Mont Ventoux 1 400 Schmetterlingsarten – das sind stolze 30 Prozent der Arten in ganz Frankreich – ein zu Hause. Hinzu kommen 120 Brutvogelarten, wie Steinadler, Wanderfalke oder Raufußkauz. Auch Gämsen, Rothirsche, Mufflons und Rehe kann man auf dem Mont Ventoux begegnen. Wir sollten wohl unbedingt im Sommer noch einmal wiederkommen!

Der Mont Ventoux ist jedoch nicht nur für seine Artenvielfalt, sondern auch für die Weinreben bekannt, die auf seinen Hängen wachsen. Tatsächlich wird schon seit der Antike in der Gegend Wein angebaut. Die Anwesenheit des Papstes in Avignon im Mittelalter verstärkte diese Praxis noch. Heute wird der „Ventoux“ unter dem Schutzsiegel Appellation d’origine contrôlée in den 51 Kommunen um den Mont Ventoux produziert.

Hier ist wohl normalerweise eine Skipiste

Auf dem Mont Ventoux befindet sich übrigens auch eine Skistation, die Station du Mont-Serein. Es ist eine der ältesten Skistationen Frankreichs, die schon in den 30er Jahren existierte. Diese ist aber derzeit aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen, so dass den Rodlern der Berg gehört.

Im winterlichen Frankreich in den französischen Seealpen

Unsere Tour zum Mont Ventoux war aber nicht unser einziger Spaziergang im winterlichen Südfrankreich. Denn dieses fanden wir zu unserer großen Überraschung schließlich direkt vor unserer Haustür in den französischen Seealpen.

Wetterlügen

Wie ich bereits berichtet habe, haben wir im letzten September ein Haus im Roya-Tal gekauft. Als wir im Mai auf den ersten Wohnungsbesichtigungen waren, fragten wir nicht nur nach der Beschaffenheit der Häuser, sondern auch nach dem Wetter. Uns interessierte, ob es denn in der Gegend auch schneien würde. Auf der Internetseite einer Herberge im Roya-Tal hatte ich Bilder gesehen, die die Herberge im Schnee zeigen.

Das Roya-Tal: Olivenbäume und Schneegipfel

Mir wurde mit ernster Miene geantwortet, dass es in der Gegend eigentlich nie schneien würde und ich die Vorstellung einer verschneiten Landschaft im winterlichen Südfrankreich vergessen könnte. Etwas enttäuscht fand ich mit der Antwort ab. In Zweifel zog ich sie nicht.

Kein Schnee?

Dabei hätte ich dazu durchaus Grund gehabt. So erzählte uns eine Immobilienmaklerin allen Ernstes, im Roya-Tal sei es eigentlich ziemlich trocken…

Neujahrsspaziergang im winterlichen Frankreich

Nun was soll ich sagen. Laut Wetterbericht ist auch im südlichen Teil des Roya-Tals im letzten Herbst schon die eine oder andere Schneeflocke heruntergekommen. Aber da in Frankreich eine Ausgangssperre herrschte, konnten wir uns nicht selbst davon überzeugen. Umso aufgeregter waren wir als wir am 31. Dezember in unser Haus fuhren, um den Silvesterabend hier zu verbringen und Schnee angekündigt war. Tatsächlich regnete es in jener Nacht bei uns.

Wer hätte sich das winterliche Südfrankreich so vorgestellt?

Aber dafür schneite es auf den umliegenden Bergen. So mussten wir am ersten Januar nur noch ein paar hundert Meter den Berg hinauffahren, um in einer wunderschönen Märchenlandschaft zu landen.

Gut, dass wir in Nizza noch schnell einen Schlitten gekauft hatten. Was für ein toller Neujahrsspaziergang! Ehrlich gesagt, habe ich als norddeutsches Großstadtkind noch nie in meinem Leben so viel Schnee gesehen.

Der Col de Brouis

Der Berg, auf den wir gefahren sind, ist der 879 Meter hohe Col de Brouis, ein Gebirgspass in den französischen Seealpen. Er war Teil der Maginot-Linie. Vor dem zweiten Weltkrieg war die Straße über diesen Pass der einzige Weg, der Breil-sur-Roya mit der Außenwelt verband. Es war auch die einzige Straße in dem Ort, die das schwere Unwetter im Oktober unbeschädigt überstand.

Blick vom Col de Brouis

Am Neujahrstag haben wir auf dem Col de Brouis einen wundervollen Spaziergang im winterlichen Südfrankreich unternommen. Übrigens haben wir dabei unsere Nachbarn getroffen, die mit ihren Kindern ebenfalls eine Schlittentour unternommen haben.

Unser Spaziergang im winterlichen Südfrankreich war traumhaft!
In der Ferne konnten wir sogar das Meer sehen!
Eine weitere Attraktion waren diese Kühe

Sie haben uns erzählt, dass sie seit 5 Jahren in ihrem Haus wohnen und dass es eigentlich in jedem Jahr Schnee auf dem Col de Brouis gab. Was für ein Glück! Wir waren eigentlich nicht davon ausgegangen, dass unser Haus in einem Winterparadies liegt.

Und du?

Bevor ich es vergesse! Ich wünsche dir ein frohes, erfülltes und gesundes Jahr 2021!

Nun zu meinen Fragen: Kennst du das winterliche Südfrankreich oder bevorzugst du den Sommer für deine Frankreichreise? Hast du einen Tipp für ein Reiseziel in Frankreich, das man unbedingt im Winter besuchen sollte? Oder hast du einen Lieblingsspaziergang?

Möchtest du mehr über den Vaucluse lesen? Dann komm mit mir zu den Ockerfelsen von Roussillon oder den Lavendelfeldern bei Saignon. Oder lerne Karl-Heinz kennen, der in seinem Blog selbst über die Provence schreibt.

Spaziergang im winterlichen Südfrankreich
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2 Kommentare

Beate Miebach 17. Januar 2021 - 19:02

Ja wunderschön, Schnee in der Provence. Wir bzw ich fahre seit 1974 nach Plan de Cuques, Marseille. Habe schon öfters Schnee erlebt. Jan. 90 sind wir im Regen Rtg Köln über die Schweiz losgefahren, ab Sisteron Schnee und da wir immer die Route Napoleon fuhren, ging die Straße in einem Dorf über einen Platz und dann zwischen Häusern durch . Jetzt dunkel, kein Auto unterwegs, keine Fahrspur. Ratlos standen wir auf dem Platz. Da klopfte jemand an unser Fenster:Allemagne? , oui, er zeigte uns die richtige Lücke . Ende der 90er, Anfang 2000, gab es 1,2 Wochen Schneechaos in der Provence, alle Autobahnen gesperrt, also per Landstraße Richtung Dordogne, wo wir 1997 ein Haus gekauft haben . Dann sind wir Ostern 2012 wieder Richtung Provence gefahren, da wollte ich unbedingt über den Mont Ventoux fahren, leider ist er bis 15.4. immer gesperrt wegen Schnee, da haste Glück gehabt, das jetzt noch auf war. Also wie gesagt, es gibt öfter Schnee in der Provence, das waren nur die prägnantesten Erinnerungen. Aber ich glaube, dieses Jahr gibt es in ganz France Neige 😀. Nur wenn Schnee ist, steht alles still auf den Straßen. Da wir ja immer Winterreifen haben, hatten wir nie Probleme. 1992 sind wir am 15.4. nach Plan de Cuques mit einem Pajero , Art Geländewagen, gefahren. Ab Genf gab es frischen Schnee, auf der Route Napoleon keine Autos, ausser einem R4, der vor uns fuhr und wir mit Allradantrieb dahinter, einmalige Schneelandschaften. In Marseille unten dann 15 Grad, Sonne, Frühling.

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Feli 17. Januar 2021 - 21:24

Hallo Beate!
Vielen lieben Dank für das Teilen deiner Schnee-Erinnerungen! Dass der Mont-Ventoux im Winter geschlossen ist, wusste ich tatsächlich nicht. Glück gehabt. Dass bei Schnee in Frankreich nicht mehr viel geht, kenne ich aus Paris. Bei einem Zentimeter Schnee machen sogar die Kinderkrippen zu 🙂

Liebe Grüße
Feli

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