Krank in Frankreich? Alle wichtigen Informationen zu Arztbesuch und Krankheit

by Feli
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Du bist im Frankreichurlaub, plötzlich krank und brauchst unbedingt einen Arzt? Hier erfährst du, wo du Hilfe und den passenden Arzt findest, wenn du krank in Frankreich bist.

Notärzte

Handelt es sich um einen echten Notfall, braucht man also den notärztlichen Rettungsdienst, der einen ins nächste Krankenhaus fährt, wendet man sich an den SAMU (Service d’Aide Médicale d’Urgence) unter der Telefonnummer 15 oder dem Euronotruf unter der Nummer 112. Natürlich kann man sich auch direkt in die Notaufnahmen (urgences) der Krankenhäuser begeben.

Verdacht auf Coronavirus?

Solltest du vermuten, dich mit dem derzeit grassierenden Covid-19 angesteckt zu haben, ist in Frankreich nach Vorgaben der Regierung ein besonderes Vorgehen geboten.

Hast du Zeichen einer Atemwegsinfektion, also Fieber (fièvre) und Husten (toux), kontaktiere bitte telefonisch einen Arzt oder nutze einen Videosprechstunde. Außerdem vermeide bitte den Kontakt mit anderen Menschen und bleibe zu Hause. Wenn sich deine Symptome verschlimmern und insbesondere Schwierigkeiten beim Atmen hinzukommen, wende dich an den SAMU (Service d’Aide Médicale d’Urgence) unter der Telefonnummer 15 und schildere deine Symptome.

Die Ärzte werden dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Sollte aufgrund der Sprachbarriere keine Kommunikation möglich sein, versuche den Euronotruf unter der Nummer der Nummer 112.

Bitte unterziehe dich nur einem Test auf COVID 19, wenn du zu einer der Risikogruppen gehörst, schwere Symptome hast, bereits ins Krankenhaus eingeliefert wurdest, im Gesundheitswesen arbeitest, in einem Heim für Alte oder Behinderte wohnst oder von einem Arzt dazu aufgefordert wurdest.

Hausärzte – SOS Médecins

Wenn man dringend (!) einen Arzt brauch, es sich aber nicht um einen lebensgefährlichen Notfall handelt, kann man sein Glück auch bei SOS Médecins (Rufnummer 3624) versuchen. Die Vereinigung ist rund um die Uhr verfügbar und schickt ihre Ärzte zu Hausbesuchen.

Wir haben da mal angerufen als unser Kind – sie war vielleicht ein Jahr alt – an einem Samstagmorgen fast 40 Grad Fieber hatte. Der Arzt kam schnell, war relativ günstig und wir waren sehr zufrieden.

Als wir später in anderen Fällen wieder versuchten den Dienst in Anspruch zu nehmen, wurden wir abgelehnt, da zu viele, wichtiger Anfrage anderer Patienten existierten. Damit ein Arzt von SOS Médecins zu dir kommt, muss also eine Krankheit vorliegen, die dringend behandelt werden muss.

Die Vergütung der Behandlung von niedergelassenen Ärzten

In Frankreich werden niedergelassene Ärzte im Anschluss an die Behandlung vom Patienten bezahlt. Später bekommt der französische Patient je nach Versicherung Teile oder die gesamte Behandlung erstattet.

Sicher hast du dich vor deiner Frankreichreise bei deiner Krankenversicherung informiert, ob du Behandlungskosten abrechnen kannst und was du dafür brauchst.

Die Höhe des Honorars des niedergelassenen Arztes in Frankreich richtet sich nach dem Sektor (secteur), dem der Arzt angehört.

Ärzte, die zum Sektor 1 gehören, haben feste Preise und sind am günstigsten. Die Ärzte des 2. Sektors nehmen ein höheres Honorar. Ärzte des 3. Sektors bestimmen ihr Honorar völlig frei.

Der Besuch eines Allgemeinmediziners des 1. Sektors kostet für einen Erwachsenen 25 Euro. Ein Kind bezahlt bei einem Kinderarzt oder einem Allgemeinmediziner des 1. Sektors zwischen 25 und 32 Euro.

Spezialisten sind teurer und gehören meist dem Sektor 2 an, können also ihr Honorar selbst bestimmen. Hier in Nizza bezahle ich bei meinem Augenarzt 60 Euro, beim Frauenarzt 50 Euro. Im Großraum Paris muss man mitunter auch bei Ärzten des 2. Sektors mit wesentlich höheren Honoraren rechnen.

Bei einem Arzt des 3. Sektors war ich noch nicht.

Ein Zahnarzt öffnet dir für 23 Euro die Tür und wird dir vor der Behandlung sagen, was der Spaß sonst noch kostet.

Apotheken

Vielleicht musst du gar nicht unbedingt zum Arzt, obwohl du krank in Frankreich bist. Aspirin, Ibuprofen und Doliprane (Paracetamol) gibt es rezeptfrei und günstiger als in Deutschland in der Apotheke. Auskunft über eine Nachtapotheke (pharmacies de garde) geben die örtlichen Polizeikommissariate und Gendarmerien (erreichbar auch unter der Telefonnummer 17 oder dem Euronotruf 112) sowie regional verschiedene Interseiten.

Krank in Frankreich: Weitere wichtige Informationen

Die meisten Ärzte in Frankreich arbeiten mit festen Terminen. Freie Sprechstunden, zu denen Patienten unangemeldet kommen können, sind in Frankreich selten.

Viele Ärzte haben übrigens auch am Samstag geöffnet.

In Gegenden mit Ärztemangel wie in Teilen des Großraum Paris ist es sehr schwierig spontan einen guten Arzt mit freien Terminen zu finden. In einem eigenen Beitrag habe ich mich schon einmal über das Problem beklagt. Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind und ärztliche Hilfe brauchen, würde ich deshalb raten, auch einen teureren Arzt in Betracht zu ziehen.

Eine Liste deutschsprachiger Ärzte im Großraum Paris und in Südfrankreich wurde von der deutschen Botschaft herausgegeben.

Krank in Frankreich mit Kind

Grundsätzlich kann man mit kranken Kindern zu jedem Allgemeinmediziner gehen. Ist man mit seinem kranken Kind in Paris und es handelt sich um einen echten Notfall, begibt man sich am besten in die Kindernotaufnahme des Hôpital Necker.

Wo finde ich einen niedergelassenen Arzt?

Bist du krank in Frankreich, brauchst du vielleicht einen Arzt. Diesen findest du am besten auf dem Internetportal Doctolib (www.doctolib.fr). Hier sind die meisten französischen Ärzte aufgelistet. Leider gibt es das Portal für Frankreich nur auf Französisch.

Um dir ein Konto einzurichten und die Seite kennenzulernen, gehst du am besten auf die deutsche Version www.doctolib.de. Für das Konto benötigst du eine Telefonnummer, eine Emailadresse und ein Passwort. Wenn du es eingerichtet hast, wechselst du einfach wieder zur französischen Version.

Gehst du auf die Internetseite von Doctolib, erscheint oben das Suchfeld. Dort wählst du links de Spezialisierung des Arztes und rechts den Ort, in dem du suchst.

Du wirst wahrscheinlich nach einem Allgemeinmediziner (Médecin généraliste), Kinderarzt (Pédiatre) oder Zahnarzt (Chirurgien-dentiste) auf der Suche sein.

Nachdem du die Suche gestartet hast, erscheint eine Liste der Ärzte im gesuchten Ort oder dessen Umgebung sowie den freien Terminen.

Klickt man auf den Namen eines Arztes, erhält man mehr Informationen über ihn. Ganz oben findet man das Honorar (Tarifs), den Sektor (secteur), dem der Arzt angehört, und die Zahlungsmöglichkeiten (Moyens de paiement). Diese sind üblicherweise Schecks (Chèques), Bargeld (espèces) oder Bankkarten (cartes bancaires).

In einem weiteren Abschnitt ist die Adresse sowie praktische Informationen und eine Karte (Carte et informations d’accès) zu finden.

In der „Présentation du professionnel de santé“ kann man mehr über die Spezialisierung des Arztes erfahren. Für Touristen von Interesse sind in diesem Abschnitt die vom Arzt gesprochenen Sprachen (Langues parlées). Vielleicht hast du ja Glück und dein Arzt spricht neben Französisch (francais) auch Englisch (anglais) oder Deutsch (allemand). Deutschsprechende Ärzte kannst du übrigens auch finden, wenn du nach deiner Suche in der Listenansicht auf den Filter „Langues parlées“ (zwischen Suchfeld und Liste) „Allemand“ einstellst.

Wie vereinbare ich einen Termin bei einem Arzt?

Unter „Horaires et contacts“ findest du die Sprechzeiten sowie die Telefonnummer deines Arztes. Hier kannst du anrufen, um einen Termin zu vereinbaren. Wenn du die Nummer wählst, landest du bei Allgemeinmedizinern, Kinderärzte oder Zahnärzten in vielen Fällen direkt beim Arzt, da Sprechstundenhilfen in Frankreich nicht so verbreitet sind wie in Deutschland.

Allerdings ist es bei einem Großteil der Ärzte auch möglich, direkt über das Internetportal einen Termin zu buchen. Dazu musst du dich einloggen. Meistens muss man den Grund des Besuches (Motif de consultation) angeben. Bei dir ist das sicher Notfall/ Krankheit (Urgence), Erster Besuch bei diesem Arzt (Première consultation) oder einfach Arztbesuch (Consultation de Medecine générale). Oftmals gibt es bei Allgemeinmedizinern die Kategorie Säugling bis 24 Monate (Nourrisson) oder Kind (Enfant). Es kann sein, dass dir der Termin schlussendlich verweigert wird, da du nicht zum Patientenstamm des Arztes gehörst. Dann musst du einen anderen Mediziner wählen.

Hast du noch Fragen?

Ich hoffe meine Erläuterungen haben dir geholfen! Außerdem wünsche ich dir natürlich gute Besserung! Bitte bedenke, dass ich diese Informationen alleine ohne die Hilfe von Ärzten oder staatlichen Stellen zusammengetragen habe. Sie beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen und können auch Fehler beinhalten.

Habe ich etwas vergessen oder hast du Ergänzungen? Oder vielleicht noch eine Frage? Dann ab damit in die Kommentare!

Warst du krank in Frankreich und fandest diese Informationen hilfreich? Dann würde ich mich über dein Feedback freuen!

Möchtest du mehr über die Folgen der Corona-Pandemie in Frankreich lesen? Hier erfährst du, wie es in Nizza und meinem Leben kurz vor der Ausgangssperre in Frankreich aussah. Alle Informationen über die wichtigsten Vorschriften und Maßnahmen der französischen Regierung findest du in einem gesonderten Beitrag.

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4 Kommentare

Anca 9. Februar 2020 - 9:57

Vielen Dank Feli für diesen fantastisch hilfreichen und strukturierten Beitrag!
Ich bin gerade zu meinem Freund in die Nähe von Toulouse gezogen (aus Deutschland) und beim Thema medizinische Versorgung in Frankreich brummt mir immer der Schädel. Direkt zu Wochenbeginn hab ich die Grippe bekommen und sie weitergegeben, und mein Freund ist mit hohem Fieber auf Arbeit marschiert. Und jedes Mal, wenn was passiert, denke ich – das kann’s doch nicht sein?
Es gibt keine Arztbesuche ohne Terminvorgabe wer weiß wie lang vorher, es gibt keine zentrale Rufnummer für den ärztlichen Notdienst wie in Deutschland (ich hatte das recherchiert vor einer Weile und auch die SOS Médecins gefunden, aber auch widersprüchliche Angaben zu lokalen Notdiensten und das hat mich nur verwirrt), Hausärzte nehmen alle keine neuen Patienten an und wenn die Kinder krank sind, weiß er auch nie, wo er hingehen soll.
Als seine Kleine letztes Jahr beim Spielen unterwegs einen Unfall hatte, sind wir ins nächstgelegene Krankenhaus gefahren und da haben sie uns weggeschickt, weil sie keine Kinder behandeln durften. Das ist für mich alles total skurril.
Dazu kommt dann noch, dass mein Partner ohne Arrêt nicht einen Tag zu Hause bleiben darf. Und ich verstehe einfach nicht, wie das funktionieren soll. Wie soll man, wenn man spontan ernsthaft krank ist erstens Tage vorher einen Termin ausmachen und sich dann noch selbst kilometerweit durch die Gegend fahren?
Und dann bekomme ich noch erzählt, dass es so viel Missbrauch der Krankschreibungen gab und die Kontrollen danach und alles, was das bewirkt hat, ist die Angst zu schüren, dass Ärzte einen nicht krankschreiben obwohl man ernsthaft krank ist und man zB mit Grippe auf Arbeit geht und alle ansteckt.
Mir fällt es sehr schwer, zu akzeptieren, dass das jetzt eben immer so ist, das macht mir wirklich Sorgen, und ich frage mich, ob ich noch in Europa bin…

Reply
Feli 11. Februar 2020 - 10:10

Hallo Anca!

Schön, dass dir der Beitrag nützlich ist. Über dein Lob freue ich mich sehr!

Ich weiß wie schwer es ist in manchen Gegenden einen Arzt zu finden. In Paris hatten wir auch große Probleme damit. Aber etwas Suchen lohnt sich auch. Habt ihr versucht über Doctolib einen Arzt zu finden?

Wenn ihr für längere Zeit in Frankreich bleibt, solltet ihr mal einen Termin bei einem Allgemeinmediziner (oder Kinderarzt) machen, zu dem ihr dann gesund (als Routineuntersuchung) geht. Dieser Arzt kann dann euer behandelnder Arzt (médecin traitant) werden. Bittet ihn darum, die diesbezügliche Erklärung durchzuführen. Innerhalb des französischen Versicherungsystems ist sie wichtig. Normalerweise wird euch dieser Arzt dann auch bei einer spontanen Krankheit behandeln.

Gute Besserung und alles Gute!
Feli

Reply
Daniela 16. Februar 2020 - 14:44

Liebe Feli,
danke für diesen wirklich sehr wertvollen Artikel.
Jedes Mal, wenn wir nach unseren Urlauben heim kommen, sind wir sehr wehmütig. Mein Mann und ich haben es uns zur Angewohnheit gemacht, fünf Dinge, die wir an Deutschland schätzen, aufzuzählen. (Um nicht all zu traurig zu sein). Das Gesundheitssystem ist immer das Erste. In Deutschland sind da sehr verwöhnt und jammern auf hohem Niveau.
Ich liebe Frankreich, ja oft mehr als Deutschland. Aber ich bin froh, dass wir hier noch nie einen Arzt benötigt haben…
In Frankreichs Apotheken wird man meines Erachtens nach, aber auch besser beraten als in Deutschland. Wohl aus oben genannten Gründen.
Nasenspray, ich fahre nie mehr ohne Nasenspray nach Frankreich… Es brachte mich schon in die Bredouille in der Provence keines zu bekommen.
Im Frühjahr möchten wir im Elsass zu einem Arzt der sich auf Sprachförderung bei Kindern spezialisiert hat… Mal sehen, was uns erwartet. Meine Oma hörte von ihm, er soll eine Koryphäe in seinem Fach sein… (die Omis😂🙈 „Zu ihm müsst ihr mal… ) Jedenfalls sind wir dann das erste Mal bei einem Arzt in Frankreich.

Bisous
Daniela

Reply
Feli 17. Februar 2020 - 7:20

Liebe Daniela!

Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass man die Ärzte in Frankreich bezahlen muss. Eigentlich ist ja auch klar, dass die nicht für umsonst arbeiten wollen.

Den Eindruck, dass die Beratung in den französischen Apotheken besser ist, hatte ich auch schon oft. Das Angebot an Medikamenten unterscheidet sich dabei grundsätzlich stark in beiden Ländern. Bei mir hat das zu Zweifeln geführt, ob man viele der Medikamente, die in Deutschland für viel Geld angeboten werden, auch wirklich braucht.

Dass ihr bis nach Frankreich zu einem Arzt fahrt, finde ich krass. Darauf würde ich wahrscheinlich gar nicht kommen. Ich bin mal gespannt, was du berichtest.

Liebe Grüße
Feli

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