Der Weltkongress der IUCN und der Kampf gegen das Artensterben

by Felicitas Meyer
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Vom 3. bis 11. September 2021 hat in Marseille der Weltkongress der IUCN, der sogenannte World Conservation Congress (WCC) der International Union for Conservation of Nature (IUCN) getagt. Ziel des Kongresses war es, Maßnahmen zusammenzustellen, die das weltweite Artensterben aufhalten und Ende des Jahres in einer Konvention der Vereinten Nationen umgesetzt werden sollen. Da in den deutschen Medien kaum über den Weltkongresses der IUCN berichtet wurde, habe ich in diesem Beitrag alle wichtigen Informationen darüber und über Frankreichs Engagement dabei zusammengestellt.

Die IUCN wird im Deutschen auch als Weltnaturschutzunion und ist die größte internationale Naturschutzorganisation der Welt. Zu ihren 1 400 Mitgliedern zählen 160 Staaten, NGOs, Wissenschaftler und große internationale Unternehmen.

Das 6. Massensterben der Erdgeschichte

Diese hatten sich in Marseille versammelt, um Strategien gegen das Artensterben, das in der Fachwelt schon als 6. Massensterben der Erdgeschichte bezeichnet wird, zu entwickeln.

Die Lage ist ernst: So stehen mittlerweile 38 543 von 138 374 erfassten Arten – das sind 27 Prozent – auf der “Roten Liste der bedrohten Arten“. Temperatur- und Meeresanstieg werden den Lebensraum dieser bedrohten Arten in den nächsten 45 Jahren um 30 Prozent reduzieren. Außerdem sind bereits 75 Prozent der Landflächen ökologisch geschädigt. 40 Prozent der marinen Ökosysteme ebenfalls.

Laut Weltbiodiversitätsrat (IPBES) kann dieses Artensterben noch gestoppt werden, wenn sich die Menschheit auf ihre Wurzen besinnt und bis 2030 beginnt, durch eine nachhaltigere Produktions-, Konsum- und Lebensweise und eine wirtschaftliche Transformation den anderen Lebeweisen auf unserem schönen Planeten mehr Raum zu geben.

Das Marseiller Manifest

Im sogenannten Marseiller Manifest, dem Abschlussdokument des Weltkongresses der IUCN, erklärten dessen Mitglieder aber, dass sich das Zeitfenster, das noch bleibt, um die schlimmsten Folgen von Klimakrise und Artensterben noch abzuwenden, langsam schließt. Da wirtschaftlicher Gewinn nicht weiterhin auf Kosten der Natur gemacht werden dürfe, brauche es eine Reform des gegenwärtigen Systems.

Der Weltkongress der IUCN fordert dabei von seinen Mitgliedern nicht weniger als eine Reform ihrer Finanz- und Wirtschaftssysteme im Sinne einer nachhaltigen, auf Kreisläufen beruhenden Wirtschaft.

Auf dem Weg zu einer UN-Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt

Hinsichtlich des weltweiten Artensterbens ist laut Weltkongress der IUCN die 15. Konferenz der Vereinten Nationen zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (COP-15), die im Oktober 2021 im chinesischen Kunming abgehalten wird und bei der es zu einer entsprechenden Konvention kommen soll, entscheidend:

„Denn wenn wir das Leben auf der Erde für die Zukunft sichern wollen, müssen wir das Artensterben bis 2030 stoppen und bis 2050 die Ökosysteme, die Schaden genommen haben, wiederhergestellt haben.“

Tatsächlich sollen die Beschlüsse des Weltkongress der IUCN die UN-Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt, die den globalen Rahmen für den Erhalt der Artenvielfalt für die Zukunft legen soll und während der Konferenz der Vereinten Nationen in Kunming zustande kommen soll, vorbereiten. Auch auf die UN-Klimakonferenz COP26 im November 2021 in Glasgow sollen die Beschlüsse des Weltkongress der IUCN stimulierend wirken.

30 Prozent des Planeten soll bis 2030 unter Schutz stehen

Der Weltkongress der IUCN fordert deshalb, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent des Planeten – sowohl zu Lande als auch im Wasser- zu geschützten Gebieten erklärt werden, in denen schädliche Industrien und der Abbau von Rohstoffen absolut verboten ist.

Außerdem betrachtet der Weltkongress der IUCN es als Ziel, den durch den Klimawandel bedingten Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu beschränken und eine CO2-Neutralität bis 2050 zu erreichen. Die Regierungen seien dazu aufgerufen, so schnell wie möglich, jede Unterstützung der Benutzung fossiler Energien zu beenden.

Neben der “Roten Liste der bedrohten Arten“ wurde auf dem Weltkongress der IUCN ein „Grüner Status der Arten“ eingeführt, um die Regenerationsfähigkeit bedrohter Arten und den Erfolg von Erhaltungsprogrammen zu bewerten.

Grüne Liste geschützter Gebiete

Außerdem stellte die Union die „Grüne Liste geschützter Gebiete“ (IUCN Green List of Protected and Conserved Areas) vor. Diese Grüne Liste ist der erste globale Standard für geschützte Orte.

Gebiete wie Nationalparks, Weltnaturerbestätte und andere geschützte Orte werden dadurch für ihr erfolgreiches Management, das durch die Anwendung einer fairen Führung ihre Erhaltung sicherstellt, ausgezeichnet. Bisher wurden 59 Orte in 16 Ländern ausgezeichnet. 22 davon liegen in Frankreich. Kein einziger ist in Deutschland.

Frankreich als Vorreiter für Artenvielfalt und Klimaschutz

Frankreich ist als Gastgeber des Weltkongresses der IUCN umfangreiche Verpflichtungen eingegangen. Denn das Landversteht sich als Vorreiter im Bereich des Umweltschutzes und der Bekämpfung des Klimawandels.

Bis 2022 sollen 30 Prozent des französischen Territoriums unter Schutz stehen, ein Drittel davon unter besonderem Schutz. Außerdem möchte sich Frankreich im Kampf gegen Abholzung und Verschmutzung durch Plastikmüll und für den Schutz der Ozeane einsetzen.

Frankreich möchte damit seiner Verantwortung gerecht werden. Denn, was viele, auch ich bisher nicht wussten: In Frankreich leben nicht nur 67 Millionen Franzosen, sondern auch 10 Prozent der 1,8 Millionen auf unserem gebeutelten Planeten lebenden Arten.

Das französische Staatsgebiet ist dabei viel beeindruckender als man vermuten könnte. Mit den französischen Überseegebieten erstreckt es sich auf zwei Kontinenten und mit Ausnahme der Arktik auf allen Ozeanen.

Dabei besitzt Frankreich das weltweit zweitgrößte Meeresgebiet. Es misst mehr als 10 Millionen Quadratkilometer und beherbergt Korallenriffe und Lagunen. Der sich auf französischem Gebiet befindende Bestand an Korallenriffen ist der weltweit viertgrößte.

Frankreichs außergewöhnlicher Artenreichtum

Außerdem besitzt Frankreich 7 Millionen Hektar Regenwald. In den französischen Überseegebieten finden sich 80 Prozent der in Frankreich vorkommenden Arten, von denen 4/5 endemisch sind.

Aufgrund seines außergewöhnlichen Artenreichtums sind in Frankreich auch besonders viele Arten vom Aussterben bedroht. So standen 2018 1301 der in Frankreich heimischen Arten auf der Roten Liste.

Derzeit sind in der französischen Metropole 14 Prozent der Säugetier-, 24 Prozent der Reptilien-, 23 Prozent der Amphibien-, 32 Prozent der Vogel- und 19 Prozent der Süßwasserfischarten bedroht.

In den französischen Überseegebieten ist die Situation teilweise noch dramatischer. So sind in Martinique beispielsweise 47 Prozent der Reptilien-, 28 Prozent der Weichtier- und 21 Prozent der Vogelarten bedroht.

Für die französische Regierung ist das Grund genug, schnell zu handeln.

Wie siehst du das? Findest du es gut, dass Frankreich sich so für den Artenschutz engagiert? Oder sollten deiner Meinung nach andere Themen Priorität haben?

Interessierst du dich für die Folgen des Klimawandels in Frankreich? Zum Klimawandel in Frankreich und den Umbau der französischen Städte zu mehr Nachhaltigkeit, zur McKinsey-Studie von 2020, die sich mit den Folgen des Klimawandels in Frankreich und am Mittelmeer beschäftigt, zu der Unwetterkatastrophe im Roya-Tal im Oktober 2020 sowie zu den Waldbränden in Frankreich habe ich eigene Artikel geschrieben. Oder möchtest du mehr über die Methoden der Nachhaltigkeit in Frankreich lesen?

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