Die Côte d’Azur im Winter- Auf dem Küstenweg vom Cap d’Ail

by Felicitas Meyer
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Die Côte d’Azur ist im Winter fast noch aufregender als im Sommer. Es gibt so viel zu entdecken! In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf einen Spaziergang auf dem Küstenweg vom Cap d’Ail.

Im Moment geben wir uns sehr viel Mühe, jedes Wochenende so weit es geht zu genießen. Dazu stopfen wir es so richtig voll mit Aktivitäten. Wie Getriebene fallen wir dann abends müde ins Bett, aber haben dabei das Gefühl, alles, was nur möglich ist, aus dem Tag herausgeholt zu haben.

Im Hinterkopf ist immer die Angst von einem weiteren Lockdown, der- zu unserer großen Überraschung – immer noch nicht eingetreten ist. Unsere Tochter zieht dabei mit. Auch sie liebt es, die Welt zu entdecken. Offenbar haben wir ihr die innere Unruhe vererbt.

Es gibt sie auch noch. Die für uns unbekannten Orte direkt in unserer Nachbarschaft, an denen wir uns fühlen wie Entdecker oder wenigstens Urlauber, die mit leuchtenden Augen die Welt bewundern.

Neulich waren wir am Cap d’Ail. Vorher wussten wir nicht, was uns erwartet. Ausgewählt haben wir den Ort, weil wir ihn noch nicht kannten und vermuteten, dass man dort gut spazieren gehen kann.

Das Cap d’Ail: Landspitze und Luftkurort

Das Cap d’Ail ist eine Landspitze an der Côte d’Azur und ein gleichnamiger kleiner Ort, der im Westen direkt an das Fürstentum Monaco grenzt.

Der Ursprung des Namens Cap d’Ail ist nicht so eindeutig, wie man annehmen möchte. Denn obwohl jeder, der französischen Sprache Mächtige, sofort über den Namen des „Knoblauchkaps“ lächeln wird, gibt es auch noch eine andere Erklärung. So ist es auch möglich, dass der Name vom Okzitanischen „Cau Dai“ stammt, er also von der Form des Kaps, die an eine Sense erinnert, herrührt.

Das Cap d’Ail

Cap d’Ail ist wegen seiner einzigartigen Lage und seiner Nähe zu Monaco ein Ort, in dem sich auch die Reichen und Schönen dieser Welt gerne aufhalten. Schon 1921 wurde er zum Luftkurort erklärt. Bald etablierte er sich als Adresse für Luxustourismus und zog Persönlichkeiten wie Grace Kelly, Winston Churchill, Greta Garbo sowie die eine oder andere russische Prinzessin an.

Der Küstenweg vom Cap d‘Ail

Wir sind aber nicht ans Cap d’Ail gefahren, um schicke Belle-Époque-Villen oder das Geld anderer zu bestaunen, sondern einfach nur um etwas Neues zu entdecken und das Meer zu genießen. Denn das Cap d’Ail besitzt einen Küstenweg, der vom Mala-Strand im Westen bis zum direkt an der Grenze von Monaco gelegenen Marquet-Strand im Osten führt. Die Strecke ist etwa 3 Kilometer lang.

Der Küstenweg vom Cap d’Ail

Der Küstenweg vom Cap d’Ail ist leicht und auch mit kleinen Kindern begehbar, da er gut ausgebaut ist, wenige Treppe enthält und außerdem sehr eben ist. Wir sind am Strandzugang am Restaurant La Pinède eingestiegen und bis zur Spitze des Caps d’Ail, der sogenannten Pointe des Douaniers gelaufen.

Der Zugang liegt an der Straße (Avenue Raymond Gramaglia) unterhalb des Bahnhofs von Cap d’Ail und man kann sowohl am Bahnhof wie auch in der Avenue parken, vorausgesetzt man ergattert einen der wenigen Parkplätze. Bis zum Küstenweg vom Cap d‘Ail sind es dann nur noch 2 Minuten.

Andere Parkplätze existieren an der Pointe des Douaniers sowie am Marquet-Strand. Unterwegs gibt es herrliche Sitzmöglichkeiten, öffentliche Toiletten und einen Picknickplatz mit Tischen und Bänken.

Der Picknickplatz

Wir fanden es aber viel schöner, auf dem Küstenweg vom Cap d‘Ail bis zur Pointe des Douaniers zu laufen und uns dort niederzulassen. Dort gab es zwar keine Bänke, aber dafür einen Panoramablick von Monaco bis nach Saint-Jean-Cap-Ferrat. Unser Kind freute sich über den kleinen Spielplatz und wir waren selig.

Die Pointe des Douaniers ist ein toller Ort für Familien

Der Vulkan vom Cap d‘Ail

Etwas verwundert stellten wir fest, dass der Felsen, auf dem wir uns niedergelassen hatten, vulkanisch aussah. Bisher wusste ich nur, dass das Esterel-Gebirge an der Grenze zum Var auf einen Vulkanausbruch zurückgeht.

Aber das Cap d‘Ail? Tatsächlich: Auf einer Tafel können wir lesen, dass hier einmal ein Vulkan sprudelte. Er befand sich südlich des Cap d‘Ail, dort, wo heute das Meer liegt. Seine äußeren Ränder zogen sich vom Mala-Strand bis zur Pointe des Douaniers. 

Picknick auf dem Vulkan?

Später lese ich, dass die gesamte Region um Nizza von Vulkanen geformt wurde. Dieser Vulkanismus zog sich von Biot, Antibes und Villeneuve-Loubet im Westen, dem Cap-d’Ail im Osten und dem Tal des Estéron im Norden. Er war verglichen mit jenem, der das Esterel-Gebirge hervorbrachte und vor 290 bis 250 Millionen Jahren im Perm aktiv waren, noch ausgesprochen jung.

In der Ferne sieht man Monaco

Denn die Vulkane von Biot bis zum Cap d’Ail sprudelten vor etwa 27 Millionen Jahren und gingen damit mit der Entstehung der Alpen einher. Bis heute kann man angeblich die Zeugen dieses Vulkanismus an den Stränden des Golfs von Juan-les-Pins und in Biot finden: Fossiles Holz, blaue, schwarze und braune Opale oder bläulich schimmernde Chalzedone.

Der Kopf des Hundes

Wenn man sich auf der Pointe des Douaniers weiter umschaut, entdeckt man schnell den Bergkamm, der sich im Norden erhebt. Das ist der sogenannte Tête de Chien, also der Hundekopf.

Ehrlich gesagt, erkenne ich aber keinen Hund, wenn ich die Form des Berges verfolge. Es gibt vermutlich auch keinen.

Der Hundekopf

Denn nach einer anderen Erklärung kommt der Name vom Okzitanischen „Testa de camp“, was so viel wie Ende des Militärfeldes oder Lagerkopf bedeutet. Tatsächlich befindet sich das Fort Masséna von 1884 auf dem Berg.

Wunderbarer, warmer Winter

Wir waren von unserem Spaziergang auf dem Küstenweg vom Cap d’Ail begeistert. Allerdings vermute ich, dass dieser Spaziergang vor allem im Winter ein Erlebnis ist. Denn obwohl ich ein T-Shirt trug, war mir unglaublich warm. Wir haben uns sogar um das letzte Wasser gestritten und ich war glücklich als wir an einer Fontaine ankamen.

Auf dem Rückweg im Auto stellte ich fest, dass das Thermometer nur 13 Grad zeigte. Ehrlich gesagt, konnte ich es kaum glauben. Denn auf dem Cap d’Ail war es so warm gewesen, dass ich mehrere nackte Oberkörper gesehen habe. Deshalb nehme ich an, dass auf dem Kap ein besonders mildes Mikroklima herrscht, dass es im Winter zu einem paradiesischen Ort der Glückseligkeit werden lässt.

Im Sommer dagegen – so vermute ich – muss es hier unerträglich heiß und voll sein.

Warst du auch schon einmal auf dem Küstenweg vom Cap d’Ail?

Vielleicht sogar im Sommer? Dann berichte mir, wie das war! Vielleicht hast du auch einen anderen Lieblingsküstenweg an der Côte d’Azur, den ich zu meinem nächsten Ausflug unbedingt besuchen sollte? Dann verrate ihn mir in einem Kommentar!

Möchtest du mehr über die Côte d’Azur lesen? Dann begleite mich auf einen Spaziergang zu den schönsten Sehenswürdigkeiten von Nizza, auf meinen Spaziergang durch das weihnachtliche Nizza, besuche mit mir den Karneval von Nizza oder lies den Beitrag, in dem ich erzähle, was wir an unserem ersten Tag in Nizza mit unserer kleinen Tochter gemacht haben.

Oder möchtest du lieber mehr über die Provence lesen? Dann komm mit mir zu den Lavendelfeldern und zu den Ockerfelsen von Roussillon oder begleite mich auf einem Spaziergang durch das winterliche Südfrankreich.

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2 Kommentare

Kasia Oberdorf 11. Februar 2021 - 22:15

Wow, so sieht bei euch der Winter aus? Da kommen Sommer- und Urlaubsgefühle auf… Ein schöner Beitrag. Ich war noch nie an der Côte d’Azur, aber vermutlich werde ich das mal nachholen. Waren zu dieser Zeit viele Menschen da?

Liebe Grüße
Kasia

Antworten
Feli 12. Februar 2021 - 21:48

Liebe Kasia,

ja so sieht es bei uns im Winter aus. Öfter zumindest! Du solltest unbedingt mal an die Côte d’Azur kommen. Sie ist wundervoll. In normalen Sommern ist sie allerdings viel zu voll. Im Moment aber haben wir das alles für uns alleine. Es sind wirklich wenige Leute da. Es ist ein Paradies.

Liebe Grüße
Feli

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