Lavendel in der Provence: Wissenswertes und ein Besuch in Saignon

by Feli
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Du träumst von Lavendelfeldern, planst gerade deinen nächsten Urlaub und möchtest mehr über den Lavendel in der Provence erfahren? In diesem Beitrag erfährst du, wo du ihn findest, was du mit ihm machst und ich nehme dich mit zu einem Besuch in das Dorf Saignon.

Der Beitrag nimmt an der Blogparade „Ablenkung von der Corona-Pandemie“ von Lisa-Marie teil.

Sommer in der Provence! Viele Menschen denken dabei an zartlila Lavendelfelder in der Abendsonne.

Lavendel in der Provence

Ich gehöre auch dazu! Allerding ist es mir in den letzten 10 Jahren nicht gelungen, mir diese Felder auch von Nahem anzuschauen, denn während der Lavendelblüte waren wir nie in der Provence. Als dann unser Sommerurlaub im August endlich losging war der Lavendel schon abgeerntet.

Lavendel und Lavandin

Das Wort Lavendel kommt vom lateinischen „lavare“, also waschen. Traditionell wird er benutzt um Räume, Wäsche oder Seife zu parfümieren. Es gibt drei verschiedene Unterarten des Lavendels. Der Breitblättrige Lavendel (Lavandula latifolia) wächst in geringen Höhen. Seine Stängel sind stark verzweigt und tragen mehrere, kurze Ähren. Er wird heute aufgrund seiner geringen Ergiebigkeit nicht mehr angebaut.

Lavendel in der Provence

Der sogenannte Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) wird zwischen 30 und 60 Zentimeter hoch und wächst vor allem auf den trockenen Hochebenen der Provence auf über 800 Meter. Er besitzt lange, schmale Blätter und einen einzigen Blütenkolben pro Stängel. Normalerweise wird er zwischen Ende Juli und Ende August geerntet, noch bevor sich seine Blüten öffnen.

Lavendel in der Provence

Der Lavandin schließlich ist eine Hybride, die aus der Kreuzung des Echten Lavendels und dem Breitblättrigen Lavendel entsteht. Lavandin wurde aber nicht vom Menschen geschaffen, sondern entstand auf natürliche Weise durch Insektenbestäubung, vermutlich durch Bienen. Allerdings kann sich Lavandin nicht durch Fortpflanzung vermehren. Er wird mit Hilfe von Setzlingen angebaut.

Lavendel in der Provence

Der Lavandin wächst vor allem auf Ebenen auf einer Höhe zwischen 200 und 800 Metern und bevorzugt kalkhaltige Erde. Die Sträucher des Lavandin sind höher als die des Echten Lavendels, seine Blätter sind grüngrau und seine Blütenkolben weit verzweigt. Lavandin blüht von Juni bis Ende September.

Die ätherischen Öle von Lavendel und Lavandin…

Der Echte Lavendel besitzt von den drei Unterarten den elegantesten Duft. Nur er wird für die Parfümherstellung verwendet und er ist auch teurer als Lavandin. Aber Lavandin ist weniger empfindlich und auch ergiebiger. So sind 100 bis 120 Kilogramm des Echten Lavendels nötig, um ein Liter des begehrten ätherischen Lavendelöls zu produzieren.

Lavendel in der Provence

Für die Herstellung eines Liters ätherischen Öles des Lavandin sind gerade mal 40 bis 60 Kilogramm des Rohstoffs nötig. Deshalb wird Lavandin vor allem in der Industrie, beispielsweise zur Herstellung von Waschmittel und Weichspüler benutzt.

…und ihre vielfältige Wirkung

Der Echte Lavendel wird traditionell in verschiedensten Bereichen eingesetzt. Er wird in der Haut- und Haarpflege oder als Massageöl verwendet. In der Küche verfeinert er die Speisen. Im Kleiderschrank hält er die Motten fern. Nach dem Biss einer Viper reibt man ihn in die Wunde. Wir haben immer Lavendelhonig im Haus. Seit einiger Zeit wissen wir außerdem, dass ein Tropfen Lavendel im Haarschmuck unserer Tochter Kopfläuse fernhält.

Lavendel in der Provence

Manche Menschen benutzen Lavendel als Schlafmittel. Außerdem wird Lavendel in der Provence traditionell als Heilpflanze eingesetzt. Sein ätherisches Öl wirkt antiseptisch, narbenbildend, krampflösend, beruhigend, scherzlindernd, entzündungshemmend, keimtötend, harntreibend und krampflösend. Er wird gegen Angst, Migräne, Nervosität, Erkältungskrankheiten, Verbrennungen und Insektenstiche eingesetzt.

Das ätherische Öl des Lavandin hat eine andere Zusammensetzung und natürlich auch eine andere Wirkung. In jedem Fall handelt es sich bei beiden um Substanzen mit medikamentöser Wirkung und möglicherweise unerwünschten Nebenwirkungen.

Lavendel in der Provence

Wer sie anwendet, sollte sich vorher medizinische Fachinformationen einholen, da eine falsche Anwendung sogar gefährlich sein kann. Dieser Blog liefert diese medizinischen Informationen nicht! Ein Beispiel: Das ätherische Öl des Lavandin besitzt einen variablen Campheranteil. Liegt dieser über 8 Prozent wirkt er bei Ungeborenen und Kindern bis zu acht Jahren neurotoxisch.

Wo finde ich den Lavendel in der Provence?

Sault

Die Provence hat einige typische Lavendelregionen. Besonders bekannt sind die Gegend um Salut und das Plateau von Valensole. In Sault wird seit Jahrhunderten Lavendel angebaut. Lavendel- und Lavandinfelder prägen die Landschaft. Der kleine Ort liegt auf 766 Metern auf dem Plateau d’Albion zwischen dem Luberon und dem Mont Ventoux. Auch im Ort selbst ist der Lavendel allgegenwärtig.

Lavendel in der Provence

Seit dem Jahr 1515 kann man auf dem mittwochs stattfindenden Wochenmarkt die in der Region typischen Lavendelsträußchen- und Säckchen, Parfum oder Lavendelhonig kaufen. Aber auch andere provenzalische Köstlichkeiten wie das typische Honig-Mandel-Nougat oder Ziegenkäse lassen das Herz höherschlagen. Interessierte können die Lavendeldestillerie von Sault besuchen.

Außerdem findet am 15. August traditionell das Lavendelfest statt. Wenn du schon im Juli in der Provence bist, ist vielleicht das Lavendelfest im benachbarten Ferrassières etwas für dich. Hier wird am ersten Sonntag im Juli der Beginn der Lavendelernte gefeiert.

Das Plateau de Valensole

Ein anderes bekanntes Beispiel für den Lavendel in der Provence ist das Plateau de Valensole. Es befindet sich zwischen dem Tal der Durance, Digne-les-Bains und den Gorges du Verdon. Die etwa 500 Meter hohe Hochebene mit ihrer typischen Mischung aus Mergel und Kiesel entstand durch die Ablagerung der Flüsse. Lange Zeit war sie der Kornkammer der Provence.

Lavendel in der Provence
Im Hintergrund ist der Mont Ventoux zu sehen

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wuchsen hier vor allem Getreidefelder und Mandelbäume. Erst später begann man vor allem Lavandin zu kultivieren. Heute ist das Plateau de Valensole bekannt für seine violetten Lavendel- und Lavendinfelder.

Saignon

Nach der langen Zeit der Ausgangssperre wollte ich dieses Jahr unbedingt eine Tour zum Lavendel in der Provence unternehmen. Da Sault und Valensole uns zu weit waren, sind wir nach Saignon gefahren. Der Ort liegt am Rande des Luberon und wird von Lavendelfeldern umringt. Außerdem schmiegt sich Saignon malerisch an einen Felsen, der das Dorf um 30 Meter überragt. Diesen Aussichtsfelsen kann man besteigen und den Blick auf den Mont Ventoux und die Umgebung bewundern.

Saignon

Saignon war schon in der Antike bewohnt. Aufgrund seiner privilegierten Lage diente es der nahegelegenen Stadt Apt als Vorposten. Der Name Saignon kommt vermutlich vom lateinischen „Signum“, also Zeichen oder Signal.

Im Laufe der Zeit beherbergte Saignon drei Burgen, zwei Türme und einen Bergfried. Im Mittelalter war die romanische Kirche Notre-Dame de Pitié ein Pilgerort. Überreste der Burgen und Stadtmauern kann man noch heute bewundern und auch sonst hat sich Saignon seinen mittelalterlichen Charme bewahrt. Ein Spaziergang durch die Gassen bis auf den Felsen lohnt sich in jedem Fall.

Lavendel in der Provence
Blick vom Aussichtsfelsen von Saignon

Mein Besuch in Saignon hatte übrigens eine ganz unerwartete Wendung. Erst auf dem Weg zu unserer Lavendeltour erfuhr ich, dass ein Teil der Familie meines Mannes aus Saignon kommt. Auf dem Spaziergang durch die Stadt kamen wir an Häusern vorbei, die den Vorfahren meines Mannes gehört hatten. Unsere Tour endete schließlich auf dem Friedhof. Es ist schon ein Erlebnis vor einer Familiengruft zu stehen, auf der man den eigenen Nachnamen lesen kann…

Ein Brunnen in Saignon

Du hast es aber sicher auf die Lavendelfelder von Saignon abgesehen. Um sie zu entdecken, solltest du dich Saignon von Buoux über die D113 aus nähern und dann auf die D232 in den Ort fahren. Ebenfalls reizvoll ist die Verbindungsstraße zwischen der D48 und der D232 etwa 2 Kilometer südlich von Saignon. Hier befindet sich auch eine Borie.

Lavendel in der Provence
Borie im Lavendelfeld

Das ist eine für die höheren Regionen der Provence typische Hütte in traditioneller Bauweise, die der ländlichen Bevölkerung als Lagerstädte diente. Die Borie fallen wegen ihrer auffälligen Form ins Auge, die an einen Bienenstock oder den Rumpf eines umgedrehten Schiffes erinnern.

Und du?

Warst du auch schon auf der Suche nach dem Lavendel in der Provence? Welche Regionen oder Orte kannst du empfehlen? Oder hast du Fragen? Dann stell sie in den Kommentaren!

Möchtest du mehr über die Provence lesen? Dann komm mit mir zu den Ockerfelsen von Roussillon. Oder lerne Karl-Heinz kennen, der in seinem Blog selbst über die Provence schreibt.

Oder interessierst du dich für das wunderbare Nizza, das mittlerweile zu meiner Heimat geworden ist? Dann komme mit mir auf eine Fotoreise zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, besuche mit mir den Karneval von Nizza oder lies den Beitrag, in dem ich erzähle, was wir an unserem ersten Tag in Nizza mit unserer kleinen Tochter gemacht haben.

Oder planst du gerade deine nächste Frankreichreise? Hier erfährst du wie sich ein Urlaub in Frankreich in Zeiten von Corona anfühlt.

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2 Kommentare

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2 Kommentare

Jürgen 19. Juli 2020 - 16:09

Toller Bericht
Und beim nächsten Provence-Besuch werden wir uns den Ort angucken. Sind wir doch in der Nähe oft auf Urlaub.

Reply
Feli 19. Juli 2020 - 20:00

Hallo Jürgen!

Vielen lieben Dank! Schaut euch den Ort unbedingt an. Es ist ein so richtig uriges Provence-Dorf.

Viele Grüße
Feli

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