Sommer in Paris

by Feli
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Die Gegend, in der ich lebe, ist derzeit recht ungastlich. Seit Wochen sinkt das Thermometer erst nachts unter die 25 Grad Marke. Gerade, um 19 Uhr, sind es immer noch 33 Grad. Das mag am Mittelmeerstrand reizvoll sein. In der Pariser Betonwüste, in der es weit weniger Parks und Grünanlagen als in deutschen Großstädten gibt, ist es fast unerträglich.

Hinzu kommt, dass die Sommermonate traditionell dazu benutzt werden, öffentliche und private Bauarbeiten durchzuführen. Da meine Gemeinde seit einiger Zeit einen besonders bauwütigen Bürgermeister besitzt, vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht aus unserer Wohnung flüchten möchte, weil es sich so anfühlt, als würde man sich auf einer Baustelle befinden. Sogar nachts setzt sich die Beschallung noch fort.

Die Sommerferien haben hier längst angefangen. Seit Wochen wird die Stadt leerer und leerer. Ein Geschäft nach dem anderen schließt, weil der Besitzer im Sommerurlaub weilt. Auch die meisten Firmen schließen im August mehrere Wochen. In Paris und seinen Vororten bleibt nur, wer sich den Urlaub nicht leisten kann. Anfang August gehört die Stadt dann endgültig jenen, die einen Rückflug in die Heimat nicht bezahlen können, also vor allem jenen, die von weit herkommen.

Am Dienstag wurde Oksana Chatchko tot aufgefunden. Sie hat sich in ihrem winzigen Appartement aufgehängt. Oksana Chatchko war 2008 eine der Gründerinnen der Frauenrechtsgruppe Femen und die erste, die aus Protest ihre Brüste entblößte. 2013 verließ sie die Ukraine und erhielt politisches Asyl in Frankreich. Fortan lebte sie unter prekären Bedingungen, mittellos, teilweise in besetzten Häusern und in Ungewissheit über ihre Zukunft in und um Paris. 2014 kam es zum Bruch mit den anderen Gründungsmitgliedern von Femen und Oksana Chatchko verließ die Gruppe. Bis zu ihrem Tod widmete sie sich vor allem ihrer Kunst. Wie ich erst jetzt erfahren habe, lebte sie nur wenige Straßen von mir entfernt.

Wir fahren morgen in den Urlaub.

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Gibas, Monika Juliane 29. Juli 2018 - 12:10

Liebe Feli,
auch in Leipzig ist es irre heiß unter unserem Dach! Und Baustellen ringsum sind seit Jahren das Normale hier – Bauboom! Jede Lücke wird genutzt um Wohnraum zu schaffen, leider oft zu teuer.
Ich habe gehört, Du hast erfolgreich verteidigt! Ganz herzliche Glückwünsche!!!
Liebe Grüße
Moni

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