Rechtsextreme Gewalt in Frankreich: Urteil im Prozess um den Tod von Clément Méric

by Feli
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Gestern Abend wurde im Prozess um den Tod von Clément Méric in Paris das Urteil gesprochen. Clément Méric war infolge einer Schlägerei zwischen Neonazis und Antifas am 5. Juni 2013 an einem Hirnödem gestorben. Berlinerin in Frankreich hatte darüber berichtet.

Der Angeklagte Esteban Morillo wurde zu 11 Jahren Haft verurteilt, da Clément Méric durch seine Schläge gestorben war. Der ebenfalls an der Schlägerei beteiligte Samuel Dufour wurde zu 7 Jahren Haft verurteilt. Beide haben angekündigt, in Berufung zu gehen.

Der Prozess

Zentral war während des Prozesses die Frage, ob während der Schlägerei ein Schlagring zum Einsatz gekommen war, da das Strafmaß davon abhing. Esteban Morillo, der auch während des Prozesses der einzige blieb, der zugab, Clément Méric geschlagen zu haben, beharrte darauf, keine Waffe benutzt zu haben. Auch Samuel Dufour behauptete, lediglich normale Ringe getragen zu haben.

Der zuständige Mediziner konnte die Benutzung der Waffe nicht bestätigen. Allerdings war sich ein Freund des Opfers sicher, einen Schlagring an der Hand von Samuel Dufour gesehen und gespürt zu haben. Dieser hatte außerdem in einer Kurznachricht, die er nach der Tat an einen Freund schickte, behauptet, einen Schlagring benutzt zu haben. Im Prozess danach gefragt, erklärte Dufour, dass er habe angeben wollen.

Esteban Morillo hatte sich während des Prozesses bei der Mutter des Opfers entschuldigt. Dabei beharrten die Angeklagten und ihre Verteidigung auf dem Standpunkt, dass man sich durch die Antifas bedroht und provoziert gefühlt habe. Allerdings konnten sie im Prozess nicht erklären, warum sie nicht auf den Ratschlag eines Wachmannes gehört hatten, einen anderen Weg zu wählen, der nicht direkt in die Arme ihrer Gegner führte. Tatsächlich waren die drei Angeklagten nach einer verbalen Auseinandersetzung bewusst auf die andere Gruppe zugegangen.

Die Aussage von Serge Ayoub

Aufsehen erregte während des Prozesses die Aussage von Serge Ayoub, einem bekannten Vertreter der militanten, extremen Rechten in Frankreich, über die der Figaro ausführlich berichtete. Ayoub behauptete Esteban Morillo kaum zu kennen. Diese Aussage steht jedoch im deutlichen Widerspruch mit der Tatsache, dass Morillo ihn wenige Minuten vor der Tat anrief. Nach der Schlägerei flüchteten sich Esteban Morillo und Samuel Dufour in die Bar von Ayoub. Während der Nacht telefonierten Esteban Morillo und Serge Ayoub 34 Mal.

Im Verlauf seiner Aussage zweifelte Serge Ayoub den Opferstatus von Clément Méric an, indem er die Frage artikulierte, wer denn das Opfer sei, jener, der eine Wahl treffe oder jener, der sie hinnehmen müsse. Ayoub benutzte dann die Metapher eines Einbrechers, der von Balkon zu Balkon spränge, um schließlich abzustürzen. Er erklärte, dass Clément Méric ein Kämpfer gewesen sei, „der das Risiko gekannt hätte und es gewollt hätte“.

Das Plädoyer des Staatsanwalts

Währen des Plädoyers am Donnerstag hatte der Staatsanwalt darauf hingewiesen, dass es sich nicht um einen politischen Prozess handele und es nicht darum ginge, einer Bewegung den Prozess zu machen, die Hass und Gewalt glorifiziere. Die Angeklagten würden nicht verurteilt, weil sie Skinheads seien und Hakenkreuztätowierungen tragen würden, sondern für die Taten, die zum Tod von Clément Méric geführt hätten.

Das vom Staatsanwalt geforderte Strafmaß lag bei 12 Jahren für Esteban Morillo, da dieser Clément Méric getötet hatte, und 7 Jahren für Samuel Dufour, da dieser eine Waffe getragen hatte, auch wenn unklar blieb, ob es sich dabei um einen Schlagring oder einfache Fingerringe gehandelt hatte. Alexandre Eyraud, der schließlich freigesprochen wurde, hätte laut Staatsanwalt zu 4 Jahren Haft verurteilt werden sollen, da er durch seine Anwesenheit die kollektive Tat unterstützt hatte.

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