Die Polizei in Frankreich, die Gewalt und die Gelbwesten

by Feli
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Die Polizei war ein Leben lang ein Thema für mich, sowohl privat wie auch professionell. Nun muss ich wieder über sie schreiben, denn was gerade in Frankreich passiert, ist eine Katastrophe.

Berlin in der Nachwendezeit

Ich bin im Berlin der Nachwendezeit aufgewachsen. Wir waren oft auf der Straße. Das Demonstrationsrecht ist schließlich ein kostbares Gut, das es zu pflegen gilt. Es war ein ganz besonderes Gefühl der grenzenlosen Freiheit. Eigentlich haben wir gegen alles demonstriert. Die Polizei war auch oft da. Wir mochten sie nicht besonders, warfen ihr vor, gewalttätig zu sein und zu provozieren. Ihren Mitgliedern gaben wir Tiernamen.

Manchmal sind die Konflikte auf der Straße ganz schön ausgeartet. Auch wenn es keine Toten gab und soweit ich weiß auch keine fürs Leben Gezeichneten. Aber gewaltsam war es trotzdem.

Bei den Verantwortlichen innerhalb von Politik und Polizei war man das Spielchen aus Gewalt und Gegengewalt offenbar auch irgendwann leid. Sie entwickelte immer neue Strategien der Deeskalation, so dass die Gewalt und die Verletztenzahlen im Laufe der Jahre erstaunlich abnahmen.

In einem Jahr wurde in der Walpurgisnacht ein riesiges Feuer auf der Eberswalder Straße, direkt am Mauerpark gemacht. Es war fast so hoch, wie die nahestehenden Häuser. Drumherum standen viele Menschen, auch ich, die fasziniert in die Flammen schauten. Die Feuerwehr stand daneben ohne einzuschreiten und kontrollierte, dass niemand zu Schaden kam. Die Polizei tauchte an jenem Abend nicht auf, zumindest nicht in Uniform. Danach wurde es in Berlin ruhiger.

Die Polizei in Frankreich

Später bin ich nach Frankreich gegangen und habe mich dem Studium der französischen Kolonialpolizei gewidmet. Kaum zu glauben, dass im Mutterland des Streiks Zusammenkünfte an öffentlichen Orten bis 1935 grundsätzlich verboten waren. Davor und danach kam es immer wieder zu eskalierenden Demonstrationen mit vielen Toten.

Dennoch haben die Franzosen ein ausgesprochen positives Verhältnis zu ihrer Polizei. Das habe ich eindrucksvoll auf der Demonstration zu Ehren der Opfer der Attentate auf die Redaktion von Charly Hebdo im Januar 2015 erlebt.

In einer Situation kam ein Polizist vorbei. Die Menschen um ihn herum erstarrten, schauten ihn an und fingen an zu klatschen. Ich guckte nicht schlecht. So sieht also Obrigkeitsverliebtheit aus. Ohne Frage, die Attentate auf Charly Hebdo sind wohl das Ereignis gewesen, das mich in den letzten zehn Jahren am meisten niedergeschmettert hat. Zu den Opfern gehörten auch die Polizisten Franck Brinsolaro, Ahmed Merabet und Clarissa Jean-Philippe.

Dennoch ist es für das Kind des Wendeberlins unvorstellbar, einem Polizisten zu applaudieren, weil er seine Arbeit tut. Bei Piloten kennt man das ja auch. Die Passagiere applaudieren, weil sie heil auf dem Boden angekommen sind. Schon da finde ich es peinlich.

Polizei und Pariser Banlieues

Außerdem wohne ich seit acht Jahren in einem Pariser Vorort. Da hat man ein anderes Bild der Polizei.

Eine Umfrage der unabhängigen, staatlichen Institution Défenseur des droits, die die Verteidigung der Rechte der Bürger zur Aufgabe hat, zeigt, dass vor allem junge Männer aus den wirtschaftlich schwachen Pariser Vorstädten Ziel von Personenkontrollen durch die Polizei in Frankreich werden. Unter ihnen wiederum sind arabisch aussehende Männer besonders beliebt, erst danach kommen Schwarze.

Ich wurde noch nie kontrolliert. Natürlich! Ich bin ja auch weiblich und w… Aber ich konnte in den letzten Jahren viele solche Kontrollen beobachten. In der Regel steht den Kontrollierten die Angst ins Gesicht geschrieben. Sie wissen, dass sie sich in dieser Situation keinen Fehler erlauben dürfen.

Ich wurde noch nie kontrolliert. Natürlich! Ich bin ja auch weiblich und w… Aber ich konnte in den letzten Jahren viele solche Kontrollen beobachten. In der Regel steht den Kontrollierten die Angst ins Gesicht geschrieben. Sie wissen, dass sie sich in dieser Situation keinen Fehler erlauben dürfen.

Die Pariser Vorortunruhen von 2005 brachen auch aus, nachdem zwei Jugendliche mit Migrationshintergrund auf der Flucht vor der Polizei durch Stromschläge zu Tode kamen, nachdem sie wohl versucht hatten, sich einer Personenkontrolle zu entziehen.

Ich glaube, einem Großteil der Gelbwesten sind solche Situation und die Pariser Vorstädte bisher unbekannt gewesen. Sie gehen auf die Straße, weil sie es für ihr Recht halten.

Das Demonstrationsrecht in Frankreich

Leider ist das Demonstrationsrecht in der französischen Verfassung nicht so gründlich verankert, wie im deutschen Grundgesetz. Marlène Thomas hat in einem interessanten Artikel in der Libération darauf hingewiesen, dass das Demonstrationsrecht gar nicht durch die französische Verfassung garantiert wird. Allerdings wird es durch die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 symbolisch garantiert. Dort steht geschrieben, dass niemand für seine Überzeugung belangt werden kann, solange deren kundtun die öffentliche Ordnung nicht gefährdet. Daneben garantiert nur die Europäische Konvention für Menschenrechte das Recht zu demonstrieren. Allerdings steht es laut französischem Strafgesetzbuch seit 1994 unter Strafe, eine Demonstration zu verhindern. Dabei müssen alle Demonstrationen mindestens drei Tage vorher durch offizielle Organisatoren angemeldet werden. In Paris sind es je nach Teilnehmerzahlt sogar zwei bis drei Monate.

Staatliche Gewalt und Gelbwestenbewegung

Die Gelbwesten haben bisher eine solche Formalisierung ihrer Demonstrationen abgelehnt, schon deshalb, weil sie keine offiziellen Führer haben. Der französische Soziologe Fabien Jobard sieht darin die Ursache dafür, dass die Gelbwesten auf eine unerwartet starke Repression von Seiten der Staatsmacht treffen. Hinzu kommt laut Fabien Jobard, dass die Gelbwesten regelmäßig die Champs-Élysées besetzen, die für den französischen Staat eine unerhörte Bedeutung haben.

Polizei in Frankreich

Vielleicht ist der Grund aber auch, dass sie überhaupt demonstrieren. Der Autor und Journalist David Dufresne dokumentiert seit Beginn der Gelbwestenproteste Fehlverhalten auf Seiten der Polizei in Frankreich. Nun prangert er das Versagen von Politik und Medien hinsichtlich der Gewalt an.

In einem Interview in der Zeitung Le Monde führt er aus, dass die Aufrechterhaltung der Ordnung in Frankreich in den letzten zehn Jahren extrem offensiv geworden ist und sich dadurch auszeichnet, dass die Polizei in Frankreich in direkten Kontakt mit den Demonstranten tritt. Damit hat sie sich gegensätzlich zu jener in Deutschland oder Großbritannien entwickelt, wo die Ordnungskräfte versuchen, in Dialog mit den Demonstranten zu treten und eine Deeskalation herbeizuführen.

Dabei handelt die Polizei in Frankreich laut David Dufresne nach Vorgaben der Politik. Die Präfekten entscheiden über das Vorgehen. Sie bekommen ihrerseits Befehle vom Innenminister, der wiederum dem Elysée untersteht.

Anlässlich der Gelbwestenproteste werden Einheiten herangezogen, wie die Brigade anticriminalité (BAC) und die Brigades de recherche et d’intervention (BRI), die normalerweise gegenüber Straftätern eingesetzt werden.

LBD und Tränengasgranate

Außerdem werden in Frankreich bei Demonstrationen Waffen eingesetzt, die laut David Dufresne von manchen Herstellern als Kriegswaffen eingestuft werden. Dazu gehören die Tränengasgranate GLI-F4, die geringe Mengen an TNT enthält, sowie der Lanceur de balles de défense, kurz LBD, (zu Deutsch in etwa Verteidigungsballgeschoss). Zur dieser Gattung gehören auch die nur noch von einigen Stadtpolizeien benutzten Flash-Balls.

Laut Franceinfo unterliegt die Benutzung des LBD einer strengen Reglementierung. Der LBD 40 ist eine Waffe mit Kautschukgeschossen, die von der Polizeieinheit
Compagnies Républicaines de Sécurité (CRS) verwendet wird und nur in einem Abstand von mindestens 10 Metern benutzt werden darf. Andere Polizeikräfte verwenden andere Versionen des LBD, wobei der Abstand zum Ziel mindestens drei Meter betragen muss. Grundsätzlich darf weder auf Kopf noch Genitalien gezielt werden.

Während der Demonstrationen der Gelbwesten aber werden diese Waffen massiv von den Polizeikräften eingesetzt, da sie offiziell als nicht tödlich gelten. Allerdings rufen sie massenweise Verstümmelungen hervor.

Verletzungen mit katastrophalem Ausmaß

Laut David Dufresne sind seit Beginn der Gelbwestenproteste 2000 Demonstranten verletzt worden. Darunter sind etwa 100 Schwerverletzte. 69 dieser Verletzungen stammen von einem LBD 40. Etwa 15 Menschen haben laut Dufresne ein Auge verloren, vor allem durch den LBD. Mehreren Menschen wurde durch die Tränengasgranate GLI-F4 eine Hand abgerissen.

Franceinfo zählt derzeit 40 Personen, die durch den LBD verletzt wurden. Davon sind neun minderjährig, 12 haben ein Auge verloren.

Da Journalisten zunehmend Opfer der Gewalt von beiden Seiten werden, setzen sie mittlerweile Bodyguards ein.

Bisher wurden bei den Demonstrationen der Gelbwesten etwa 1000 Polizisten verletzt. Seit Anfang des Jahres (wir haben Januar!) haben sich außerdem neun französische Polizisten das Leben genommen. Das gehört auch dazu.

Reaktionen in Gesellschaft und Politik

Bereits vor einem Jahr hat der Défenseur des droits auf die Gefahren des LBD hingewiesen. Jetzt fordert er wieder seine Abschaffung. Die französische Regierung lehnt das Verbot der Waffe jedoch ab. Fortan sollen aber mit einem LBD ausgestattete Ordnungskräfte eine Kamera bei sich tragen müssen, die im Konfliktfall zu benutzten ist.

Von Seiten des Sprechers der Polizeigewerkschaft Alliance police nationale wird die Benutzung der Waffe dadurch gerechtfertigt, dass sie nur gegen sehr gewalttätige Demonstranten, die Projektile auf die Polizei werfen und deshalb neutralisiert werden müssen, eingesetzt wird. Fehlverhalten von Seiten der Polizei in Frakreich würde streng geahndet.

Der derzeitige Innenminister Christophe Castaner äußerte kürzlich angesichts des wachsenden Widerstands gegen den Einsatz des LBD, dass er „keinen Polizisten oder Gendarmen kenne, der die Gelbwesten angegriffen hätte, aber dass er Polizisten und Gendarmen kennen würde, die sich verteidigt hätten.“

In einem Interview in der Humanité stellt Fabien Jobard fest, dass der LBD seit November extrem häufig eingesetzt wird. Dabei ist die Anzahl schwerer Verletzungen bei den Demonstrationen der Gelbwesten höher als bei den Protesten im Mai 1968. Dies liege aber nicht daran, dass die Polizei in Frankreich gewaltsamer geworden ist als damals, sondern dass sie gefährlichere Waffen einsetzt.

David Dufresne äußert sich ähnlich. Laut des Journalisten hätte es eine solche Entfesselung der Gewalt zuletzt im Oktober 1961 gegeben. Damals wurde eine Demonstration für ein unabhängiges Algerien in Paris blutig niedergeschlagen. Es gab hunderte Tote, deren Leichname teilweise wochenlang in der Seine schwammen. Dufresne bezeichnet es als staatliche Lüge, dass Innenminister Castaner öffentlich behauptet, er kenne keinen Polizisten, der ein Mitglied der Gelbwesten angegriffen hätte.

Die Opfer

Im Internet tauchen immer mehr Videos von den Taten oder Interviews von den Opfern und oder ihren Angehörigen auf.

Olivier Béziade

Am schockierendsten in jenes vom Schuss mit einem LBD auf Olivier Béziade am 12. Januar in Bordeaux. Es zeigt auf beklemmende Weise, in welcher Situation es zur Verletzung kam.

Béziade ist Vater von drei Kindern und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in der kleinen Kommune Bazas. Seine Frau Cindy, die ebenfalls Mitglied bei der freiwilligen Feuerwehr ist, erzählt auf France 3, dass beide schon in der Vorwoche schon am Umzug teilgenommen hatten. Ihr Mann war optimistisch, dass nichts passieren würde. Er hatte zu ihr gesagt: Wir tun nichts verbotenen, also wird uns auch nichts passieren. Dieses Mal aber hatten die Ordnungskräfte schnell zu Tränengas und LBD gegriffen. Cindy verstehe nicht warum. In der Panik hätte sie ihren Mann aus den Augen verloren. Sie hätte auch Demonstranten mit Steinen gesehen. Aber sie und ihr Mann würden der freiwilligen Feuerwehr angehören, da verstehe es sich von selbst, dass sie niemanden Schaden zufügten.

Olivier Béziade lag längere Zeit im Koma. Zwar ist er nicht mehr in Lebensgefahr, aber es scheint völlig unklar, wie sich sein gesundheitlicher Zustand entwickeln wird.

Jean-Marc Michaud

Ebenfalls tragisch ist das Schicksal Jean-Marc Michaud. Er arbeitet als Gärtner. Bei einer Demonstration am 8. Dezember in Bordeaux hat er ein Auge verloren. In einem Video beschreibt er die Demonstration, die er mit seiner Frau besucht hat. Lange Zeit herrschte eine Stimmung wie bei der Weltmeisterschaft geherrscht. Musik hätte gespielt. Dann sei die Stimmung umgeschlagen und die Polizei hätte Tränengas eingesetzt. Ein herauskommen aus der Stadt war nicht mehr möglich, da sämtliche Straßen versperrt waren und mit LBDs geschossen wurde. Das Paar blieb, wo es war, bis der Spuk vorbei zu sein schien. Erst dann trauten sie sich, sich zu bewegen. Als Jean-Marc Michaud Ordnungskräfte auf sich zu rennen sah, warf er sich vor seine Frau, und wurde mit einem LBD angeschossen. Er lag im Koma, ist fast gestorben und wurde drei Stunden operiert. Sein Auge konnte nicht gerettet werden. Weitere Operationen stehen ihm bevor. Finanziell und psychisch ist seine Familie am Ende. Während des Interviews bricht er fast zusammen.

Marie-Laure Leroy

Das letzte Video, dass sich im Internet verbreitete, zeigt ein Interview mit der Lehrerin Marie-Laure Leroy. Sie ist mitten in der Nacht in einem Krankenhaus und erzählt, dass ihr 27-jähriger Sohn am 19. Januar bei einer Gelbwestendemonstration in Rennes durch den Einsatz eines LBD ein Auge verloren hat.

Marie-Laure Leroy spricht in dem Video zu Emmanuel Macron. Sie fragt, wie viele Verletzte es noch geben soll. Sie beklagt außerdem, dass „ihr 27-jähriger Sohn sein ganzes Leben noch vor sich hat, aber sein Leben lang, eine Verstümmelung besitzen wird, weil, dass was er (Macron), Demokratie nennt, darin besteht Unschuldige zu schlagen, die nur ihr Recht verteidigt haben“.

Die drei Videos haben sich in mein Hirn eingebrannt.

Es macht mich unendlich traurig, in einer Gesellschaft zu leben, in der man im schlimmsten Fall mit einer fürs Leben bleibenden körperlichen Versehrtheit bestraft wird, wenn man aus Dummheit einen Gegenstand auf die Polizei geworfen hat. Oder werfen wollte. Oder wenn man einfach nur danebenstand.

Wie kann man denn glauben, dass ein Mensch bereit zur Diskussion ist, wenn er vorher zum Krüppel geschossen wurde? Wie sollen sich die Gemüter beruhigen, wie sollen sich die Spannungen innerhalb der französischen Gesellschaft jemals abbauen, wenn im Internet immer mehr Fotos von schwerverletzten, für das Leben gezeichneten Menschen oder ihren Angehörigen auftauchen?

Möchtest du wissen, wie sich die Auseinandersetzung mit den Gelbwesten mittlerweile entwickelt hat? Dann schau in die folgenden Artikel:

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Sonja JEAN 27. Januar 2019 - 13:52

An sich finde ich den Beitrag nicht verkehrt. Doch gerade mit dem ersten Teil (Pariservororte) bin ich absolut nicht einverstanden.
Warum wird denn in den Pariservororten und anderswo verstärkt kontrolliert? Wegen der vielen Gewalt, des Drogenhandels und der Diebstähle. Ein Großteil der Anwohner dieser Vororte wollen, daß die Polizei einschreitet und die „schwarzen Schafe“ ausschaltet. Warum flüchten diejenigen, die kontrolliert werden denn oder befürchten diese Kontrollen?? Weil sie „ein schlechtes Gewissen“ haben. Die Jugendlichen, die in einem abgesperrten und mit Warnschildern versehehnen Stromanlagenbereich ums Leben kamen, hatten kein reines Gewissen. Man muss nicht immer der Polizei die Schuld geben. Wenn ich, als Elternteil, dafür sorge, daß mein Kind keinen Mist macht, dann braucht mein Kind auch keine Angst vor einer Kontrolle haben. Meine Kinder sind froh, wenn sie Polizisten treffen. Sie wissen, daß die zu unserem Schutz da sind und nicht, weil sie uns Böses wollen.

Ähnlich ist es bei den Demonstranten. Wenn ich einen Polizisten oder sonstigen Ordnungshüter oder jede sonstige Person angreife, dann muß ich damit rechnen, daß sich die angegriffene Person wehrt. Ich sage nicht, daß alle Demonstranten/ Gelbwesten gewaltätig oder gewaltbereit sind. Aber ein Teil der Demonstranten ist es und ein anderer hat sich von denen, die nur zum Zerstören und Prügeln da sind, mitreißen lassen. Genauso ist es nur ein geringer Teil der Polizei, der extrem brutal ist. Diese Leute machen ihre Arbeit. Die Befehle kommen, wie Sie so schön feststellen, von ganz oben. Schwarze Schafe gibt es überall…

Reply
Karl-Heinz Schröder 29. Januar 2019 - 14:10

@Sonja Jean Ich bin absolut kein Fan der „Gelbwesten“, darum gehts aber auch gar nicht, und ich kenne die franz. Verhältnisse nicht, da ich nur Berliner bin, aber ich bekomme mit, was hier in Dt. läuft. Ich habe festgestellt, und ja, auch aus eigener Erfahrung, daß die Polizei schon lange nicht mehr „Dein Freund und Helfer“ ist. Meiner Meinung nach wollen manche Polizisten nicht nur Teil der Exekutive sein, sondern sie übertreten Gesetze, erfinden neue Auslegungen von Gesetzen oder halten sich nicht an Gerichtsurteile, und: manche sind gewaltbereit! Es gibt viele Gründe, warum die Polizei verstärkt kontolliert, und es gibt viele Gründe, warum man nicht kontrolliert werden möchte! Und nicht immer ist es die Vorbeugung oder Verhinderung von Kriminalität, und nicht immer ist es ein schlechtes Gewissen. Aktuelles Bsp. ist gerade Hamburg, wo die Polizei auf St. Pauli massiv kontrolliert, alles natürlich zur Unterbindung von Drogenhandel und anderer Kriminalität. Aber leider ist es nicht so, denn die Polizei macht nichts anderes, als gezieltes „Racial Profiling“. Und es geht vor allem darum, Geflüchtete zu finden. Als Teilnehmer von linken Demonstrationen oder Demos allgemein, und als Fußballfan, kann ich Ihnen sagen, daß manche Polizisten meiner Meinung nach alles andere als deeskalierend auftreten, sondern im Gegenteil provozieren und Gewalt anwenden. Und, sie agieren alles andere als angemessen! Der Einsatz von Pfefferspray ist mittlerweile standard, und nicht zur Gefahrenabwehr, nein, sondern einfach so, weil es dazu gehört… Und Pfefferspray gehört auch zu den Waffen, welche nach dem Genfer Protokoll verboten sind, aber was interessiert das denn schon die zuständigen Ministerien. Nein, ich freue mich nicht, wenn ich Polizisten treffe! Und nein, ich freue mich auch nicht, wenn ich kontrolliert werde, nur weil ich da bin, einfach so, ohne Grund! Und ja, um mal Ihre Formulierung zu gebrauchen, ich habe kein schlechtes Gewissen! Sowieso Schwachsinn, eine solche Formulierung zu gebrauchen! Da heißt, daß jemand, derdiedas sich nicht kontrollieren lassen will, automatisch kriminell ist, sonst würde ersiees sich ja kontollieren lassen… Sie fragen: „Warum flüchten diejenigen, die kontrolliert werden denn oder befürchten diese Kontrollen??“ Nun, dafür gibt es viele Gründe, und häufig ist es auch pure Angst! Angst resultierend aus Erfahrungen, Angst bestraft zu werden, obwohl man nichts getan hat, usw… Sie gehen bestimmt auch nicht demonstrieren oder protestieren, vermute ich mal. Willkürhandlungen und Gesetzesübertretungen seitens der Polizei existieren nicht, da es ja die Polizei ist.. Sie schreiben, daß sich angegriffene Personen wehren, aber das gilt natürlich nur für Ordnungshüter, die andere Seite wird natürlich nicht angegriffen, da ist es ja dann eine polizeiliche Maßnahme. Wenn man von Polizisten grundlos geschubst wird, beleidigt, geschlagen, gepfeffert, darf man sich nicht wehren… Tja, ich habe dazu eine andere Meinung, und zuviele beschissene Erfahrungen! Und bevor Sie das in den Raum stellen, ich bin weder gewalttätig, gewaltsuchend oder auch gewaltbereit, ich hasse Gewalt! Und leider haben wir ja auch feststellen dürfen, daß man rechtlich nicht weit kommt, wenn man sich gegen Polizeigewalt wehren möchte: Angefangen von Gegenanzeigen, meist Widerstand, wenn man es wagt, eine Anzeige gegen Polizisten zu stellen, bis hin zur quasi logischen Einstellung des Verfahrens, da es ja gegen Polizeibeamte geht. Und selbst, wenn mal eine Veruretilung erfolgen sollte, oder ein Gericht feststellt, daß Maßnahmen oder Verhalten falsch war, gibt es keine Konsequenzen! Ja, sicher, es gibt überall schwarze Schafe, und von mir aus könnten Sie jede Gelbwestendemo auflösen, aber ich habe gelernt, daß so etwas auch ohne fast zu erwatende beleibende Schäden oder Tote funktioniert! Und nur mal zum Verhältnis: eine Flasche oder einen Stein werfen auf eine fett gepanzerte Person mit Helm zu eine Granate oder Geschosse in eine Menschenmasse oder einzelne Personen schießen, welche schon vom Gesetz aus ungeschützt sind…

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Entdeckerstorys 20. Februar 2019 - 18:54

Ich bin Dir sehr dankbar für den Beitrag. Wir sind ja nicht „im Thema“ – wir sind von außerhalb und beschäftigt mit unseren eigenen Problemen in Deutschland. Seit einiger Zeit denke ich, dass ich unserem Sohn gern Paris zeigen möchte. Aber was wird er dort erleben? Wahrscheinlich gar nicht so viel Negatives, wie wir befürchten – es wird auch nicht jeder in Luxor Opfer eines Selbstmordanschlages. Aber die Bilder, die in den Medien kursieren, sind schon drastisch. Wir sehen beides: Polizisten, die brutal vorgehen, Gelbwesten, die auch nicht gerade zimperlich sind. Warum gibt es – weltweit! – so selten den Weg der Verständigung? Obwohl wir gelernt haben, so viele Dinge wissenschaftlich auseinander zu nehmen – Antisemitismus, Menschenrechte. gesellschaftliches Miteinander – werden wir wohl nie verstehen, was im Einzelfall doch wieder für die nächste Eskalation sorgt.

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Feli 26. Februar 2019 - 10:49

Ja du hast Recht. Für mich ist es auch völlig unverständlich, warum beide Seiten nicht respektvoller miteinander umgehen. Nach Paris kannst du trotzdem fahren. Allerdings muss ich gestehen, dass ich es in den letzten Wochen vermieden habe, Samstags in die Stadt zu fahren.

Viele Grüße
Feli

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Hannah 6. Mai 2019 - 15:13

Liebe Sonja JEAN,
ihr Kommentar ist bedauernswert einseitig.
Finden Sie es wirklich, dass die Tatsache, dass die Jugendlichen angeblich kein reines Gewissen hatten, die Tatsache rechtfertigt, dass sie auf der Flucht vor der Polizei ums Leben gekommen sind?

Es ist schön, dass sie ihre Kinder auf eine Weise erziehen können, die sie aufklärt, keinen Mist zu machen. Aber können Sie sich vorstellen, dass nicht jeder in solchen Verhältnissen aufwachsen? Gerade wegen dieser Chancenungleichheit und der aktuellen elitären Politik, die diese noch weiter verschärft gehen die Leute zur Zeit in Frankreich auf die Straße. Es ist bedauerlich, dass Leute wie Sie weiterhin an einer so begrenzte Perspektive festhalten.

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Feli 13. Mai 2019 - 12:45

Liebe Hannah,
vielen Dank für deinen Kommentar!

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