Nach der Geiselnahme in Trèbes

by Feli
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Am gestrigen Freitag drang Redouane Lakdim im südfranzösischen Trèbes in einen Supermarkt ein, nahm mehrere Geiseln und forderte die Freilassung mehrerer Inhaftierter, darunter der letzte Überlebende des Terrorkommandos vom November 2015 Salah Abdeslam. Den Behörden war der aus Marokko stammende Lakdim seit langem als Salafist bekannt. Die Bilanz der Geiselnahme in Trèbes am heutigen Samstag sind vier Todesopfer und 15 Verletzte.

Nach diesem neuerlichen Terroranschlag ist das bereits bekannte unwohle Gefühl wieder da. Trèbes liegt bei Carcassonne am Fuß der französischen Pyrenäen. Carcassonne ist eigentlich für seine mittelalterliche Burganlage bekannt. Beide Ortschaften sind mehr als 700 Kilometer von Paris entfernt. Trotzdem spürt man auch hier die Folgen der neuerlichen Attacke deutlich. Gestern erklangen die Sirenen der Polizeiautos ununterbrochen. Am Abend konnte ich von unserem Wohnzimmerfenster mal wieder beobachten, wie Polizisten ein fahrendes Auto anhielten und kontrollierten, weil sie es offenbar verdächtig fanden. Hier sind die Polizeistreifen grundsätzlich mit vier Personen besetzt. Der Typ in dem Auto hat sich sicher nicht wohlgefühlt.

Ich wohne in der Gegend, in der die Polizistin Clarissa Jean-Philippe am 8. Januar 2015 erschossen wurde. Sie war eines der Opfer der Terrorserie, die sich erst gegen die Redaktion der Zeitschrift Charlie Hebdo und dann gegen einen jüdischen Supermarkt richtete. Nach den Terroranschlägen vom November 2015 wurde nahe meiner Wohnung ein Sprengstoffgürtel in einer Mülltonne gefunden. Danach verstärkte sich die Präsenz von Ordnungskräften in unserem Viertel enorm. Ständig gab es Straßensperren, um Autos oder Wohnungen zu kontrollieren. Zwischenzeitlich patrouillierte eine Gruppe aus acht Soldaten in unserem Viertel, wohl vor allem, um die jüdischen Einrichtungen zu schützen. Die Wohnung, in der die Terrorzelle ihren Stützpunkt hat, haben sie offenbar bis heute nicht gefunden.

Für den heutigen Samstag war seit Monaten der Auftakt zum „Grande marche pour l’Europe“ geplant. Im ganzen Land sollten die Franzosen durch Versammlungen, Befragungen und andere öffentliche Veranstaltungen der Bewegung En Marche! für Europa begeistert werden. Nun wurden sämtliche Veranstaltungen für dieses Wochenende abgesagt. Offiziell heißt es, man habe sich aufgrund der Solidarität mit den Opfern und in Trauer zu diesem Schritt entschlossen. Vermutlich spielt aber vor allem die Angst vor weiteren Anschlägen eine Rolle.

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