Extreme Bleibelastung rundum Notre-Dame

by Feli
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Fast vier Monate ist es nun her, dass die berühmte Kathedrale Notre-Dame im Zentrum von Paris lichterloh brannte. Nicht nur der hölzerne Dachstuhl ging dabei in Flammen auf, sondern auch bis zu 400 Tonnen Blei, die nun möglicherweise die Gesundheit von Anwohnern, Bauarbeitern und Touristen gefährden. Solltest du demnächst nach Paris reisen, sind diese Informationen über die Bleibelastung rundum Notre-Dame besonders wichtig für dich!

Es kann sich wohl jeder an die Bilder erinnern: Am 15. April ging die Kathedrale Notre-Dame im Zentrum von Paris in Flammen auf. Der mittelalterliche Dachstuhl brannte lichterloh und der Bleiturm der Kathedrale brach unter den Augen der Weltöffentlichkeit zusammen. Viele Pariser wohnten dem Spektakel bei. Bis heute ist nicht klar, wieviel der 400 Tonnen Blei, die dabei zu Bruch gingen, tatsächlich in den Pariser Himmel verdampften.

Die gesundheitsschädigende Wirkung von Blei

Logisch, dass es sich dabei um eine Frage handelt, die die Pariser Bevölkerung interessiert. Laut Umweltbundesamt handelt es sich bei Blei um ein giftiges Schwermetall. Besonders bei Kindern schädigen schon geringe Mengen das Nervensystem und gefährden so ihre geistige Entwicklung. Bei Erwachsenen wirkt eine chronische Vergiftung auf das blutbildende System, verursacht Bluthochdruck, Störungen der Nierenfunktion und weitere unspezifische Symptome. Außerdem gilt Blei als kanzerogen.

Besorgniserregende Bleibelastung rundum Notre-Dame

Das französische Onlinejournal Mediapart berichtete schon am 4. Juli von internen Dokumenten, nach denen die Bleibelastung rundum Notre-Dame mehr als 400 bis 700-mal so hoch ist wie erlaubt.

Messungen vom 3. Mai hätten danach ergeben, dass die Bleibelastung innerhalb der der Kathedrale 10 bis 740-mal höher war als zulässig. Die Bleibelastung auf dem Vorplatz war 500fach erhöht, jene auf der Baustelle und in den umliegenden Straßen 2 bis 800fach. Laut Mediapart gilt in Frankreich als akzeptabler Höchstwert für Bleistaub auf dem Boden 1000μg/m2.

Die Vorwürfe des Onlinejournals Mediapart

Mediapart warf den Verantwortlichen in Kulturministerium, Rathaus, Polizeipräfektur und der regionalen Agentur für Gesundheit (Agence régionale de santé, kurz ARS) vor, die Bleibelastung rundum Notre-Dame verheimlicht zu haben, anstatt Anwohner und Arbeiter darüber zu informieren. So hätten die Verantwortlichen auf einer Versammlung am 6. Mai beschlossen, die Ergebnisse der Messproben diskret zu behandeln, um Anwohner und Touristen nicht zu verunsichern.

Außerdem wurden die auf der Baustelle arbeitende Bauarbeiter laut Mediapart nicht ausreichend geschützt. Manche hätten ohne Schutzmasken oder Handschuhe im kontaminierten Bauschutt gearbeitet, ohne über eventuelle Gefahren aufgeklärt worden zu sein. Die Baumaßnahmen wurden deshalb mittlerweile vorübergehend unterbrochen.

Laut Mediapart hatte das Rathaus außerdem vorgeschlagen, den Vorplatz der Kathedrale für 450 000 Euro durch Männer in Schutzanzügen säubern zu lassen. Aber man hatte Bedenken, dass diese Schutzanzüge Anwohner und Touristen verängstigen könnten. Deshalb habe das Kulturministerium beschlossen, das Gebiet in einer Art Schnellverfahren durch Angestellte ohne besondere Schutzkleidung reinigen zu lassen. Deshalb sei das Blei nicht ausreichend entfernt worden.

Auch laut der ARS ist die Bleibelastung rundum Notre-Dame extrem hoch

Zwar kann ich nicht alle Angaben von Mediapart überprüfen, allerdings hat die ARS am 19. Juli selbst ein Dokument online gestellt, aus dem (auf Seite 29) hervorgeht, dass die Bleikonzentration an manchen Orten besorgniserregend erhöht ist. Dies betrifft nicht nur den Innenraum der Kathedrale, ihren Vorplatz und die Baustelle, sondern auch immer noch öffentlich zugängliche Plätze. So beträgt die Bleikonzentration auf dem Quai du Marche neuf (vor der Polizeipräfektur) 62 000 μg/m2, in der Rue de la Cité (der Straße vor der gesperrten Baustelle) 950 000 μg/m2 und auf dem Place Saint-Michel 28 000 μg/m2. Paristouristen, insbesondere solche mit kleinen Kindern, sollten dies bei ihrer Urlaubsplanung unbedingt bedenken!

Laut Mediapart sind in Frankreich wie bereits erwähnt normalerweise bis zu 1000 μg/m2 erlaubt. Laut ARS sind bis zu 5.000 μg/m2 unbedenklich. Interessant ist der Vergleich mit deutschen Standards: Laut Umweltbundesamt ist der Grenzwert für Blei im Staubniederschlag 100 μg/m2 pro Tag im Jahresmittel.

Gesundheitsexperten sind aufgrund der extremen Bleibelastung rundum Notre-Dame alarmiert. So erklärte Annie Thébaud-Monty, dass selbst in bekanntermaßen verschmutzen Umgebungen wie beispielsweise Recyclinganlagen von Bleibatterien gerade mal Bleikonzentrationen anzutreffen sind, die um das 12fache erhöht sind. Eine 400fache Erhöhung aber könnte dramatische Folgen für die Gesundheit haben und man müsse die Gesundheit derer, die dem ausgesetzt waren systematisch überwachen.

Folgen der Bleibelastung rundum Notre-Dame

Die Bleibelastung rundum Notre-Dame hat weitreichende Folgen. Mittlerweile lassen die Anwohner ihr Blut kontrollieren. Bei 16 Kindern wurden auffällig erhöhte Bleiwerte festgestellt. Zwei davon haben den zulässigen Grenzwert überschritten.

Die ARS empfiehlt bestimmte Vorsichtsmaßnahmen. So wird geraten das Hand-zu-Mund-Verhalten zu begrenzen, picknicken zu unterlassen und keine Kinder in der Gegend spielen zu lassen.

Am 21. Juni wurde die RER-Station Saint-Michel geschlossen, da man auf dem Boden klebrige Bleiablagerungen fand. Ich war etwas erstaunt, das so in der Zeitung zu lesen. Denn an jenem Tag war ich zufällig in der Stadt und wollte jenen Eingang benutzen. Damals erzählte das Personal den Menschen, der Eingang sei aufgrund von Baumaßnahmen geschlossen worden. Schon damals fand ich die Sache merkwürdig.

Am 26. Juli hat die Stadt Paris schließlich beschlossen, zwei Schulen in der Gegend, die über den Sommer geöffnet waren, vorsichtshalber zu schließen. Außerdem hat ein Verein Klage gegen Unbekannt eingereicht, da man der Meinung ist, dass das Leben von Menschen gefährdet worden ist und staatliche Stellen nicht ausreichend darüber aufgeklärt hätten.

Eine gute Nachricht gibt es auch: Nun – Anfang August – scheint es so, als hätten die verantwortlichen Behörden tatsächlich begonnen, Maßnahmen gegen die Bleibelastung rundum Notre-Dame zu erlassen. Besser spät als nie…

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Das Verfassen dieses Beitrags war relativ schwierig. Aber ich habe alle Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Sollten von mir gemachte Angaben nicht zutreffend sein, bitte ich um entsprechende Hinweise.

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