Eine kamerunische Hochzeit in einem Vorort von Paris – 1. Teil

by Feli
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Meine bessere Hälfte hat einen technischen Master an einer Universität im Süden von Paris gemacht. Da diese Ausbildung in Frankreich niemand machen will, waren sämtliche Studenten seines Jahrgangs bis auf zwei Ausnahmen (er war eine davon) keine Franzosen, sondern aus aller Welt extra fürs Studium nach Frankreich gekommen. Da es in vielen Ländern die Regel ist, nach der Ausbildung Nägel mit Köpfen zu machen und sich durch eine verpflichtende (manchmal auch arrangierte) Liaison dauerhaft zu binden, werden wir seitdem regelmäßig zu Hochzeiten in alle möglichen Länder eingeladen. Wir hatten schon Einladungen in den Libanon, den Iran oder nach Kamerun.

Hochzeit im Banlieue

Die ganze Welt im Banlieue

Oder wir werden einfach zu einer afrikanischen Hochzeit in einen Vorort von Paris eingeladen, wie am vergangenen Wochenende zum dritten Mal (bei einer deutschen Hochzeit war ich noch nie). Diesmal war es eine Bekannte aus Kamerun, die sich traute. Die traditionelle Hochzeit hatte bereits vor einem Jahr in Kamerun stattgefunden. Nun standen die kirchliche Trauung sowie die zivile Eheschließung, die der Anerkennung der Ehe in Frankreich dient, an. Die Braut war hochschwanger und das Programm dafür enorm. Neben ziviler Hochzeit am Morgen und kirchlicher Trauung am Nachmittag stand am Abend eine Feier an.

Warten auf die Braut

Tja was soll ich sagen. Nach drei afrikanischen Hochzeiten muss ich feststellen, dass diese vor allem aus Warten bestehen. Zumindest für all jene, die wie ich die Zeitcodes nicht verstehen.

Die zivile Trauung war laut Einladung für 10 Uhr angesetzt. Als wir pünktlich zu dieser Zeit am Rathaus ankamen, stellten wir fest, dass es außer uns gerade ein Dutzend Gäste zum Ort geschafft hatte. Tatsächlich sollte die Hochzeit um 10.45 Uhr stattfinden. Die Empfangshalle des Rathauses füllte sich langsam. Eine andere Hochzeitsgesellschaft begab sich in den Trauungssaal, aber auch gegen 11 Uhr war von unserer Braut nichts zu sehen. Sie kam schließlich um 11.20 Uhr in einem traditionellen Kleid.

Hochzeitsgäste

Bei diesen Damen handelt es sich um Gäste, nicht um die Braut.

Die Hochzeitsgesellschaft begab sich in den Trauungssaal und der Bürgermeister, der mit einer Schärpe  ausgestattet war, die die Farben der Trikolore trug, begann sein Werk. Er las sehr sachlich vier Artikel des französischen „Code civil“ vor. Danach versicherten sich die Eheleute gegenseitig Respekt, Treue und Unterstützung. Sie sollten zusammen die moralische und materielle Führung der Familie übernehmen und die Erziehung der Kinder wahrnehmen. Natürlich verpflichten sie sich auch zusammen zu leben. Am längsten waren die Vorgaben die Kinder betreffend. Nach Artikel 371 besteht die elterliche Autorität aus einer Reihe von Rechten und Pflichten im Interesse des Kindes. Sie obliegt den Eltern bis zur Volljährigkeit und besteht darin, Sicherheit, Gesundheit und Moral des Kindes zu gewährleisten, seine Erziehung zu sichern, seine Entwicklung voranzutreiben und seine Person zu respektieren. Dabei beteiligen die Eltern das Kind entsprechend seines Alters an den es betreffenden Entscheidungen.

Hochzeitsgästekamerunische Hochzeit: Hochzeitsgästekamerunische Hochzeit: Hochzeitsgäste

Nach diesen Ausführungen wurden die Brautleute einzeln nach ihrer Zustimmung gefragt. Die „Ouis“ wurden vom Publikum durch Applaus honoriert. Da es sich bei der Hochzeit um die kamerunische Version handelte, folgte Gesang und Tanz der Eltern, aber dafür kein Kuss der frisch Vermählten. Das wars. Um 11.28 Uhr, also nicht einmal 10 Minuten nach der Ankunft der Braut, war alles vorbei.

Den 2. Teil dieser kleinen Reportage gibt es morgen an derselben Stelle.

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