Die Gelbwesten

by Feli
Gelbwesten

Die politische Bewegung der Gelbwesten ist derzeit in aller Munde. Auch ich möchte einige Gedanken dazu äußern.

In meinem Umfeld gibt es zwei Personen, von denen ich weiß, dass sie die Gelbwesten unterstützen. Die erste Person, von deren Sympathie für die Gelbwesten ich weiß, ist eine Frau Mitte dreißig, verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern.

Sie lebt in einer kleinen Stadt in Südfrankreich. Sie und ihr Mann besitzen ein Haus, dass seine Eltern günstig für sie erworben haben. Beide haben eine Ausbildung gemacht und arbeiten nun für die Stadt, in der sie leben.

Er kümmert sich um alles, was so in einer kleinen Stadt in der Provence anfällt. Er erledigt Gärtnerarbeiten auf den städtischen Grünflächen oder dem Friedhof, beteiligt sich an der Müllabfuhr oder er fährt den Schulbus. Sie hat sich bis vor Kurzem um die Finanzen der Schulkantine gekümmert.

Nun hat sie diese Tätigkeit aufgegeben, weil sie die ständigen Konflikte mit den Eltern nicht mehr ertrug. Einen großen Teil der Lebensmittel, die die Familie konsumiert, stammt aus der landwirtschaftlichen Produktion der eigenen Familie.

Nun unterstützt sie die Gelbwesten, denn die Situation in Frankreich regt sie auf. Sie denkt, dass der Staat sich auf Kosten seiner Bürger bereichert, dass er Unmengen an Geld verschlingt, dass die Politiker Politik im Interesse der Reichen machen und die kleinen Leute vergessen.

Sie denkt, dass die Parlamentarier ihre Privilegien verlieren und dass ihre Gehälter gekürzt werden sollten. Denn auch Staatsvertreter sollten ihren Beitrag leisten und ihre eigenen Mittel kürzen. Denn die Steuern sollten nicht dazu dienen, aus ihnen auf Kosten des Volkes Millionäre zu machen.

Sie hält die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic für ein gutes Beispiel. Denn diese hat das Präsidentenflugzeug und 35 Mercedes Benz, die in den Ministerien verwendet wurden, verkauft, den Gewinn der Staatskasse zugeführt, das eigene Gehalt sowie jenes der Minister um die Hälfte gekürzt, die Renten für Senatoren und Kongressmitglieder abgeschafft und den Mindestlohn im privaten Sektor erhöht.

Die Unterstützerin der Gelbwesten möchte, dass auch in Frankreich Mindestlohn und Renten erhöht und die Steuern gesenkt werden. Die Rente soll es mit 60 Jahren geben. Reiche sollen stärker besteuert werden. Die Zahl von Deputierten und Senatoren soll herabgesetzt werden, genauso wie deren Verdienst, ihre Privilegien und ihre Renten.

Außerdem spricht sie sich für eine protektionistische Wirtschaftspolitik aus. Der Kauf bei französischen Firmen sollte begünstigt werden. Migranten, die Frankreich verlassen, sollen keine Prämie von 2500 Euro mehr erhalten. Ehrlich gesagt habeich noch nie von dieser Prämie gehört. Ich bin auch eine Migrantin.

Die Unterstützerin der Gelbwesten denkt, dass die Medien lügen. In sozialen Netzwerken postet sie immerzu Beiträge, die die Gewalttätigkeit der Polizei gegenüber den Gelbwesten und deren Friedfertigkeit beweisen.

Der andere Anhänger der Gelbwesten, von dem ich weiß, ist ein Mann um die 45. Auch er ist verheiratet. Auch er hat zwei Kinder, allerdings im schulpflichtigen Alter.

Er lebt mit seiner Familie in einem beschaulichen Dorf in den französischen Alpen. Sie leben in einem Haus, das noch abbezahlt werden muss. Außerdem haben sie eine Alpenhütte als Feriendomizil von der Familie erworben. Zusätzlich besitzt er zwei Wohnungen, die im Wesentlichen aus einer Erbschaft stammen.

Er hat ein praxisorientiertes Abitur absolviert und danach eine Ausbildung gemacht. Heute arbeitet er als Elektriker in einem Wasserkraftwerk. Seine Frau hat eine Universität besucht und ist Ingenieurin. Gerade haben sie ihre große Tochter für einen Monat in die USA geschickt, damit sie englisch lernt. Seine Leidenschaft sind Autos und Motorräder.

Auch dieser Mann unterstützt die Gelbwesten. Auch er denkt, dass die Politiker auf Kosten des Volkes leben. Auch er ist begeistert von der kroatischen Präsidentin. Er denkt ebenso, dass die Medien lügen und dass die französische Polizei grausam gegenüber den Gelbwesten agiert. Außerdem glaubt er nicht, dass der einzelne Franzose durch sein Verhalten etwas gegen den Klimawandel bewirken kann.

Am 30. November, also einen Tag vor den großen Ausschreitungen in Paris und anderswo, hat er in einem sozialen Netzwerk ein Bild und einen Kommentar gepostet. Auf dem Bild sieht man vier Gelbwesten, die nachts vor einem Feuer stehen.

Darunter steht geschrieben: Hey Freunde, morgen ist der Saint Macron! Wir werden ihm ein schönes Fest bereiten, natürlich korrekt gekleidet in gelber Weste. Pass gut auf Brigitte auf, in Liebe.

Möchtest du wissen, wie sich die Auseinandersetzung mit den Gelbwesten mittlerweile entwickelt hat? Dann schau in die folgenden Artikel:

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8 Kommentare

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8 Kommentare

Karl-Heinz Schröder 12. Dezember 2018 - 11:49

hmmm, und was will uns der dichter damit sagen? oder war das nur informativ, und wir sollen uns jetzt unseren teil denken?

Reply
Feli 12. Dezember 2018 - 12:45

Exakt! Ich stelle Informationen bereit und du bildest dir deine Meinung. 🙂

Reply
jmfrance 13. Dezember 2018 - 13:03

Eine Geschichte, vielleicht gut unter dem Weihnachtsbaum aber am Thema gilets jaunes vorbei.

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Feli 13. Dezember 2018 - 16:38

Vielen Dank für deinen Kommentar! Es wäre schön, wenn du mir deine Sicht der Dinge schilderst, wenn du findest, der Beitrag beschreibt die gilets jaunes nicht angemessen.

Reply
Insa 18. Januar 2019 - 1:23

Hallo Felicitas,
ich habe dein Blog soeben über deinen Facebook-Beitrag von heute bei Connexion franco-allemande gefunden und gucke mich nun interessiert bei dir um, da ich ebenfalls „Deutsche in Frankreich“ bin – wenn auch eine Generation „über“ dir und in der Provinz (ich lebe seit 25 Jahren in einem kleinen Ort nahe der Alabasterküste in der Normandie, bin dort mit einem Einheimischen verheiratet und habe zwei erwachsene bi-kulturelle und -linguale Söhne, von denen der ältere seit einem Jahr in Paris lebt und arbeitet.
Aber zu deinem gilets jaunes-Beitrag: obwohl du ja in keiner Weise wertest oder gar urteilst, sondern nur „sagst, was ist“ sprichst du mir aus der Seele… ich bin im 2. Mandat im Gemeinderat unserer knapp-800-Seelen-Gemeinde, und von uns 15 Räten weiss ich von zweien, dass sie die „gj“ nicht nur unterstützen, sondern selbst bei Kreisverkehr-Blockaden in unserer Gegend aktiv waren – allerdings beide keineswegs am Hungertuch nagen oder über mangelnde „Kaufkraft“ klagen können – beide arbeiten, haben aber zeitweise vom hiesigen Sozialstaat reichlich profitiert (längere Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfall im einen Fall, Krankheit und Behinderung im anderen), können sich aber regelmässige Ski-Urlaube und Studienfinanzierung der 3 Kinder im einen, und ein Motorradhobby im anderen Fall leisten, Eigenheim in beiden Fällen – darauf angesprochen würden sie das auch gar nicht abstreiten, sondern, wie so viele andere in ähnlichen Verhältnissen, behaupten, dass sie aus „solidarité avec les plus démunis“ handeln… Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Revolution bis heute in den Köpfen fortwirkt – diese kollektive und gegen jedes Argument immune Paranoia der „Obrigkeit“ und den „Reichen“ gegenüber – die so weit geht, dass unter dem Applaus einer beängstigenden Mehrheit fleissig an dem Ast gesägt wird, auf dem alle sitzen… und wie so viele doch eigentlich denkende Menschen der Überzeugung sein können, dass sich die Forderung nach „mehr Kaufkraft“, „mehr Sozialstaat“ aber „weniger Steuern“ irgendwie rechnen könnte – es sei denn, man bezieht den Weihnachtsmann ein – wird mir ein Rätsel bleiben…

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Feli 18. Januar 2019 - 9:13

Liebe Insa,

schön, dass du auf meine Seite gefunden hast und vielen Dank für deinen Kommentar. Er tut gut! Ich wollte in dem Beitrag tatsächlich keine Wertung abgeben, da ich den Gelbwesten sehr zwiespältig gegenüberstand, als ich ihn geschrieben habe. Ich habe den Beitrag dann in einer anderen Gruppe geteilt und wurde übel beschimpft. Das ging über „du hast nichts verstanden“, „Deutsche können immer nur kritisieren, sind gestresst und frustriert“ bis hin zu „in deinem Beitrag sind Rechtschreibfehler, tja, es kann halt nicht jeder schreiben“. Allerdings konnte mir keiner erklären, worin ich den eigentlich so falsch liege. Das hat bei mir Eindruck hinterlassen. Es ist schwierig, wenn ein Teil der Bevölkerung so steif in seinen Überzeugungen ist, dass konstruktive Kritik nicht mehr mögich ist.

Viele Grüße an die Alabasterküste
Feli

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Insa 18. Januar 2019 - 21:25

Wie gut ich deine Frustration bezüglich der Reaktionen auf deinen Beitrag verstehen kann… ich habe mich in den letzten Wochen spätabends viel durch die Berichterstattung bei FB geklickt (hauptsächlich von actu76.fr, weil da unser département abgedeckt wird), und da dann vor allem selbstquälerisch durch die Kommentare… au weia… wenn da mal einer versucht, sich gelbwesten-kritisch zu äussern, egal wie behutsam und vernünftig formuliert, wird er sofort – polemisch und oft vor Fehlern kaum lesbar – kurz- und kleinkommentiert – ich kann mir daher sehr gut vorstellen, wie es dir ergangen ist.
Mir fällt dann oft der so knappe wie… treffende deutsche Spruch ein: „Was trifft, trifft auch zu“ – und wer keine Argumente hat, versucht eben, sich auf anderen Wegen zu wehren – meist ohne zu merken, wie transparent und letztlich bestätigend die „Taktik“ ist… Ohne jetzt allzu deprimiert und pessimistisch klingen zu wollen (ich bin ein lebensfroher Mensch :)) – habe ich die Hoffnung inzwischen aufgegeben, dass Frankreich doch noch irgendwie reformierbar sein könnte und befürchte ernsthaft, dass Macrons Nachfolger/in einem der beiden Extreme angehören wird – aber wer weiss, vielleicht muss Frankreich ja erst in eine solche Sackgasse rennen, damit sich was bewegen kann (der Trend geht ja sowieso allerorten dorthin, so bedrückend es ist).
Glückwunsch zu deinem Blog und deiner Courage!
Viele Grüsse nach Paris,
Insa

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Feli 19. Januar 2019 - 16:29

Ich danke dir für deinen Kommentar!

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