Das Coronavirus in Frankreich: Die wichtigsten Vorschriften und Maßnahmen auf einen Blick

by Feli
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Die Vorschriften und Maßnahmen, die die französische Regierung erlässt, um die Ausbreitung des Coronavirus in Frankreich zu verhindern, verändern sich derzeit ständig. Kaum ist ein Blogartikel geschrieben, ist er auch schon wieder überholt.

Deshalb versuche ich in diesem Beitrag, die wichtigsten Vorschriften und Maßnahmen, die der Bekämpfung des Coronavirus in Frankreich und der damit zusammenhängenden Krise dienen sollen, zusammenzutragen. Da sie sich derzeit oft innerhalb weniger Tage ändern, werde ich diesen Beitrag regelmäßig und bei gegebenem Anlass aktualisieren und erweitern. Ich hoffe ich kann dir damit helfen, den Überblick zu behalten.

Vorschriften und Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus in Frankreich

2. Phase des Déconfinement ab dem 2. Juni

Am 2. Juni tritt in Frankreich die 2. Phase des sogenannten Déconfinement in Kraft. Premierminister Edouard Philippe hat in einer Pressekonferenz am 28. Mai die diesbezüglichen Pläne der französischen Regierung vorgestellt. Philippe versprach den Franzosen, dass die Freiheit wieder die Regel wird und Verbote zur Ausnahme werden.

Frankreich bleibt weiterhin in zwei Zonen unterteilt, wobei Mayotte, Guyana und die Île-de-France fortan orange, die anderen Departements dagegen grün sind.

Lockerungen

Ab dem 2. Juni werden Schulen, die bisher verschlossenen Geschäfte, Parks, Gärten, Museen, Sehenswürdigkeiten, Strände, und Seen wieder geöffnet.

Bars, Cafés und Restaurants können in den grünen Departements vollständig öffnen, in den orangenen Zonen dagegen nur ihre Außenbereiche.

Ferienhäuser, Campingplätze und Herbergen können in grünen Zonen am 2. Juni öffnen, in orangenen Zonen am 22 Juni. Hotels waren nicht von einer gesetzlich festgelegten Schließung betroffen.

Schwimmhallen, Sportstädten, Theater öffnen in den grünen Zonen am 2. Juni, in den orangenen Zonen am 22. Juni.

Kinos dürfen am 22. Juni wieder aufmachen.

Die Reisebeschränkung auf 100 Kilometer wird am 2. Juni für ganz Frankreich aufgehoben. Bis zum 15. Juni jedoch bleiben europäische Grenzen geschlossen.

Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus in Frankreich

Versammlungen im öffentlichen Raum bleiben auf 10 Personen beschränkt. Heimarbeit soll weiter aufrechterhalten werden. Nachtclubs, Spielhallen und Sportstadien bleiben weiterhin geschlossen, Kontaktsport verboten.

Die Regierung stellt eine Stopp-Covid-App zur Verfügung, die sich jedermann kostenlos und freiwillig herunterladen kann. Diese App schickt dir eine Nachricht, wenn du einer Person mehr als 15 Minuten dichter als einen Meter gekommen bist, bei der später das Coronavirus diagnostiziert wurde. Damit soll es potentiellen Kontaktpersonen ermöglicht werden, freiwillig in Isolation zu gehen.

Update

Strände

Seit dem 16. Mai ist der Zugang zu vielen Stränden wieder erlaubt. Dabei wird das dass Konzept eines „dynamischen Strands“ verfolgt: Hinsetzen oder Hinlegen und Gruppensport ist verboten, baden, spazieren und surfen ist erlaubt. Die Zugangsbedingungen und Öffnungszeiten sind von Strand zu Strand verschieden. Mehr Informationen findest du auf der Internetseite der Gemeinde. Einen Überblick gibt es hier.

Neuregelungen ab dem 11. Mai

Am 11. Mai sollen die Ausgangsbeschränkungen aufgrund des Coronavirus in Frankreich in einer sogenannten 2. Phase schrittweise gelockert werden. Die Lockerungen sind jedoch abhängig von sinkenden Infektionszahlen und die Regierung behält es sich vor, die Bürgerrechte jederzeit wieder einzuschränken. Die 2. Phase soll bis zum 2. Juni andauern. Die Ausführugnen der französischen Regierung findest du hier.

Handel und öffentliches Leben

Bibliotheken, kleine Museen, Wälder und Friedhöfe werden wieder geöffnet. Auch Geschäfte, Märkte und Frisöre dürfen wieder öffnen. Allerdings betont die Regierung, dass diese jederzeit wieder geschlossen werden können, wenn man der Meinung ist, dass gegen die Hygienevorschriften aufgrund des Coronavirus in Frankreich verstoßen wurde.

Kinos, Theater, Sportsäle und Freizeitparks bleiben geschlossen. Auch Gottesdienste und Hochzeiten sind aufgrund des Coronavirus in Frankreich nicht vorgesehen. Beerdigungen sollen auf unter 20 Teilnehmer begrenzt bleiben. Grundsätzlich sind Versammlungen von mehr als 10 Personen verboten.

Auch Strände und Seen bleiben auf Anordnung der französischen Regierung grundsätzlich geschlossen. Dieses Verbot kann jedoch durch eine Genehmigung des verantwortlichen Präfekten auf Wunsch des örtliche Bürgermeisters aufgehoben werden :-).

Bewegungsfreiheit

Innerhalb ihres Departements dürfen die Menschen sich wieder frei bewegen. Wollen sie es verlassen, dürfen sie sich maximal 100 Kilometer Luftlinie von ihrem Wohnort entfernen und auch nur wenn sie das eigene Auto oder ein Taxi benutzen oder aber laufen. Denn der öffentliche Nahverkehr wird zwar wieder anlaufen, aber man darf ihn scheinbar nur benutzen, wenn man zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt fährt. Einen Pariser Vorortzug darf man beispielsweise nur betreten, wenn man eine Bescheinigung vom Arbeitgeber bei sich trägt oder einen „zwingenden Grund“ (siehe weiter unten) geltend machen kann. Ab einem Alter von 11 Jahren muss man in allen öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maske tragen.  Fern- und Flugverkehr bleiben weiterhin stark eingeschränkt. Einen TGV sollte man nur betreten, wenn man eine entsprechende Genehmigung bei sich trägt.

Fahrten in ein anderes Departement über eine Distanz von 100 Kilometern hinaus sind nur möglich, wenn zwingende familiäre oder berufliche Gründe vorliegen. Zwingende familiäre Gründe sind dabei ein Todesfall oder die Unterstützung eines hilfsbedürftigen Familienmitgliedes. Entsprechende Bescheinigungen sind mitzuführen. In jedem Fall ist die Beurteilung derartiger Gründe subjektiv. Es ist also auch gut, etwas Glück mitzunehmen.

Kinderbetreuung

Krippen und Grundschulen dürfen wieder öffnen, müssen aber die Gruppen auf 10 bzw. 15 Kinder beschränken. Inwieweit dieses Vorhaben praktisch umgesetzt wird, ist völlig offen und auch von der jeweiligen Lokalverwaltung abhängig. Unsere Vorschule öffnet frühestens am 25. Mai. Lycées bleiben weiterhin geschlossen, Collèges dürfen nur in den grünen Departements öffnen.

Rote und grüne Departements

Frankreich wurde in rote (also gefährdete) und grüne (gesunde) Departements unterteilt. Derzeit sind Ile-de-France, Hauts-de-France, Grand Est und Bourgogne-Franche-Comté rot. Die roten Zonen sind durch höhere Ansteckungsraten, niedrige Testkapazitäten und hohe Auslastung in den Krankrenhäusern gekennzeichnet. Diese recht extreme Unterteilungen stehen aber vergleichsweise geringe Unterschiede gegenüber. So besteht derzeit, der einzige Unterschied darin, dass in grünen Departements auch Parks und Collèges wieder öffnen dürfen.

Reisebescheinigung

Seit dem 8. April braucht jeder, der in Frankreich oder den Überseegebieten einreisen  oder von der französischen Metropole in die Überseegebiete reisen möchte eine Reisebescheinigung. Sie sind auf den Seiten des Innenministeriums zu finden und auch auf Englisch verfügbar.

Bezüglich der Einreise in die französische Metropole gilt:

Französische Staatsbürger, ihre Kinder und Partner, dürfen immer einreisen.

Staatsbürger der europäischen Union dürfen einreisen:

  • Wenn ihr Hauptwohnsitz in Frankreich liegt. Gleiches gilt für Partner und Kinder.
  • Personen, die durch Frankreich reisen, um ihren Wohnsitz in einem dritten Land zu erreichen.
  • Grenzgänger.
  • Sowie einige spezielle Gruppen (Gesundheitspersonal, Flugpersonal, Diplomaten…).

Wer aus dem Ausland in die französischen Überseegebiete einreisen möchte, muss sich an der Grenze einer medizinischen Kontrolle unterziehen und damit rechnen, danach in Quarantäne (zu Hause oder in einer staatlichen Einrichtung) zu kommen.

Die Ausgangssperre

Seit dem 17. März existiert in Frankreich eine allgemeine Ausgangssperre. Sie besteht vorraussichtlich bis zum 11. März.

Ausgangsausnahmebescheinigung (Attestation de déplacement dérogatoire)

Wer die Wohnung verlassen will, muss eine Ausgangsausnahmebescheinigung mit sich führen, in der er erklärt, warum er das Haus verlässt. Seit dem 24. März ist eine neue Version dieser Bescheinigung gültig. Du findest sie hier.

Diese Bescheinigung ist jedes Mal neu (!) auszufüllen, wenn man das Haus verlässt. Hast du keinen Drucker, musst du sie per Hand ausfüllen. Neben Namen, Geburtsdatum, Geburtsort und derzeitiger Adresse ist der Zeitpunkt (also Datum und Uhrzeit) des Beginns des Ausgangs anzugeben.

Außerdem ist der Grund des Ausgangs anzugeben.

Derzeit darf man aus folgenden Gründen das Haus verlassen:

  • Um zur Arbeit zu gehen oder sich im Rahmen der Arbeit im öffentlichen Raum zu bewegen. Dies ist nur möglich, wenn der Ausgang unverzichtbar und Heimarbeit nicht möglich ist.
  • Um lebenswichtige Einkäufe zu tätigen.
  • Arztbesuche, die nicht durch telefonische Sprechstunden ersetzt oder aufgeschoben werden können. Menschen mit langanhaltenden oder schweren Krankheiten können aber weiter zum Arzt gehen. Weitere Informationen zum Arztbesuch findest du hier.
  • Ausgänge, die aus familiären Gründen unverzichtbar sind, um pflegebedürftigen Familienmitglieder zu versorgen oder um Kinder zu beaufsichtigen.
  • Ausgänge, die der sportlichen Betätigung dienen. Diese sind auf eine Stunde pro Tag beschränkt und man darf sich höchstens einen Kilometer von seinem Wohnort entfernen. Jede Form von Gruppensport oder Kontakt mit anderen ist verboten. Allerdings darf man mit Personen, mit denen man zusammen in einem Haushalt lebt, oder mit seinem Haustier spazieren gehen. (Das ist neu!)
  • Gerichtliche oder administrative Vorladungen.
  • Ausgänge im Sinne des Gemeinwohls auf staatliche Anordnung.

Version für das Smartphone und auf Englisch (NEU!)

Seit dem 6. April ist eine neue Version der Ausgangsausnahmebescheinigung für das Mobiltelefon verfügbar. Man kann sie auf der Seite des Innenministeriums herunterladen.

Drücke zuerst auf „Générer“. Benötigt werden dein Name, dein Geburtsdatum und -ort, deine Postadresse, der Grund des Ausgangs sowie dessen Datum und Uhrzeit. Hast du die Bescheinigung ausgefüllt, gehst du auf „Générer mon attestation“. Daraufhin sollte sich ein PDF-Dokument öffnen, dass du auf dem Telefon speichern kannst.

Im Falle einer Kontrolle wird die Polizei oder Gendarmerie den Code auf der Bescheinigung einscannen. Sie können übrigens auch sehen, zu welchem Zeitpunkt du die Bescheinigung ausgefüllt hast. Damit möchte man verhindern, dass die Leute erst mit dem Ausfüllen anfangen, wenn sie von der Polizeikontrolle bemerken.

Das Innenministerium verspricht, dass die Daten in der Bescheinigung nur auf deinem Telefon gespeichert und nicht an einen externen Server weitergeleitet werden.

Die Ausgangsausnahmebescheinigung in Papierform behält ihre Gültigkeit. Es gibt sie mittlerweile auch auf Englisch.

Lokale Maßnahmen

Unabhängig von dieser allgemeinen Ausgangssperre haben viele französische Städte individuelle nächtliche Ausgangssperren erlassen, während denen man das Haus aus keinem Grund verlassen darf.

In vielen Regionen Frankreichs ist außerdem das Betreten der Strände und der Strandpromenaden verboten, um die Verbreitung des Coronavirus in Frankreich zu verhindern. Es gibt auch Kommunen, in denen es strengere Vorschriften hinsichtlich der Ausgangssperre gibt. In Sanary-sur-Mer beispielsweise darf man sich für die Ausübung von Spaziergängen nur 200 Meter vom Wohnort entfernen.

Bitte schaue regelmäßig auf die Internetseite deiner Kommune und deines Departements, um dich über die lokalen Maßnahmen zu informieren!

Der Arbeitswegnachweis für Arbeitnehmer

Ist man Arbeitnehmer in Frankreich, sollte man statt der Ausgangsausnahmebescheinigung nach Möglichkeit besser den „Arbeitswegnachweis“ (Justificatif de déplacement professionnel) mit sich führen, der unter demselben Link abrufbar ist. Er ist durch den Arbeitgeber auszufüllen.

Harte Strafen bei Verstößen gegen die Ausgangssperre

Bei einem einmaligen Verstoß gegen die Ausgangssperre werden 135 Euro fällig. Bei einem zweiten Verstoß innerhalb von 15 Tagen sind es 200 Euro. Vier Verstöße innerhalb von 30 Tagen ziehen ein Strafgeld von 3 750 Euro und bis zu 6 Monaten Gefängnis nach sich!

Verdacht auf Coronavirus in Frankreich?

Wenn du vermutest, dass du oder einer deiner Lieben sich mit dem Coronavirus in Frankreich angesteckt hast, ist von Seiten der Regierung ein spezielles Vorgehen vorgegeben. Alle notwendigen Informationen dazu findest du in meinem Beitrag Krank in Frankreich im Abschnitt „Verdacht auf Coronavirus“.

Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt

Opfer häuslicher Gewalt haben während der Ausgangssperre verschiedene Möglichkeiten, Hilfe zu finden:

  • Telefonisch finden Sie unter der Nummer 17 Hilfe.
  • Können Sie nicht telefonieren, schreiben Sie eine SMS an die 114.
  • Außerdem können Sie sich in eine beliebige Apotheke flüchten! Deren Mitarbeiter werden umgehend Polizei oder Gendarmerie informieren.

Coronavirus in Frankreich: Informationen im Internet

Viele wichtige Informationen zum Coronavirus in Frankreich findest du auch auf den Seiten der französischen Regierung. Das Gesetz zum sanitären Notstand in Frankreich findest du hier.

Hast du Ergänzungen zum Thema Coronavirus in Frankreich?

Wenn mir Fehler unterlaufen sein sollten, tut es mir leid! Ich gebe mein Bestes.

Hast du Ergänzungen oder Korrekturen zu den Maßnahmen und Vorschriften, die der Bekämpfung des Coronavirus in Frankreich dienen sollen? Dann teile sie mir in den Kommentaren mit!

Suchst du mehr Informationen zur Corona-Pandemie in Frankreich?

Mehr zum Leben in der Ausgangssperre findest du in gesonderten Beiträgen. Hier erfährst du, wie es in Nizza und meinem Leben kurz vor der Ausgangssperre in Frankreich aussah. Wie sich das Leben nach 19 Tagen Ausgangssperre verändert hat, erfährst du hier.

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2 Kommentare

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2 Kommentare

Miriam 3. April 2020 - 18:16

Danke für diese tolle Zusammenfassung. Ich finde es spannend zu sehen, wie andere Länder mit der Thematik umgehen. Hoffentlich ist der Spuk bald vorbei.

Reply
Feli 3. April 2020 - 21:47

Liebe Miriam,

ich fürchte, da müssen wir uns noch gedulden.

Alles Gute,
Feli

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