Beginn des Prozesses um den Tod von Clément Méric

by Feli
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Am 5. Juni 2013 wurde der 18-jährige Clément Méric am helllichten Tag in Paris von einer Gruppe von Neonazis erschlagen. Seit gestern wird den mutmaßlichen Tätern in Paris der Prozess gemacht. Am 14. September wird das Urteil erwartet.

Man erinnere sich: 2013 erlebte die politische Rechte in Frankreich eine merkliche Radikalisierung, nachdem der Sozialist François Hollande 2012 die Präsidentschaftswahlen gewonnen hatte. Anfang 2013 verabschiedete die französische Nationalversammlung einen Gesetzesentwurf, der die Ehe für alle (mariage pour tous) und damit das Recht auf Adoption für gleichgeschlechtliche Paare ermöglichte. Daraufhin kam es in Frankreich unter dem Motto „Manif pour tous“ mehrfach zu Massendemonstrationen mit mehreren hunderttausend Teilnehmern, die den Schutz der traditionellen Familie forderten. Dennoch trat das Gesetz im Mai 2013 in Kraft.

Der 5. Juni 2013

Im Juni 2013 kam es in Paris dann zu jenem Zwischenfall, der Clément Méric das Leben kosten sollte. Die Tat ereignete sich infolge eines Privatverkaufs der englischen Marke Fred Perry in der Rue de Caumartin. Die Kleidung dieser Marke ist sowohl bei linken wie auch rechtem Klientel beliebt. Auch an jenem Tag waren Käufer beider politischer Lager anwesend.

So waren bei dem Verkauf, der in einer Wohnung stattfand, der damals 20-jährige Samuel Dufour, der 24-jährige Alexandre Eyraud und Lydia da Fonseca. Laut Franceinfo waren alle drei Skinheads, die der Neonaziszene angehörten. Die Verkäufer erinnerten sich später, dass die Gruppe eine Schaufensterpuppe einen Hitlergruß machen ließ.

Auch drei Studenten, die sich selbst dem antifaschistischen Spektrum zuordneten, befanden sich in der Wohnung. Sie lieferten sich eine verbale Auseinandersetzung mit den Rechten. Dann verließen sie die Wohnung, blieben aber auf der Straße, wenige Meter von dem Gebäude entfernt stehen. In den nächsten Minuten erhielten beide Gruppen offenbar Verstärkung. So stieß der 20-jährige Esteban Morillo, ebenfalls ein Neonazi, zu der noch in der Wohnung befindlichen Gruppe. Clément Méric traf seine auf der Straße wartenden Freunde. Er hatte gerade eine Leukämieerkrankung hinter sich, war eher schmächtig. Clément Méric engagierte sich bei der linken Studentenorganisation „Solidaires étudiant-e-s Sciences Po“ und der Pariser Antifa (Action antifascistes Paris-banlieue).

Der Tod von Clément Méric

Offenbar versuchte ein Mitarbeiter des Verkaufs noch vergeblich die Situation zu befrieden. Schließlich verließen die Rechten die Wohnung und gingen auf der Straße direkt auf die andere Gruppe zu. Es war dreiviertel sieben am Abend. Sofort kam es zu einer Schlägerei.

Esteban Morillo gab später zu, Clément Méric zweimal geschlagen zu haben, bis dieser zu Boden ging. Passanten gaben zu Protokoll, Morillo habe nach der Tat gerufen: „One shot“. Andere sagten aus, er habe befriedigt eine Geste mit den Armen gemacht. Laut Autopsie wurde Clément Méric in jenen Sekunden von drei bis fünf Schlägen getroffen, an denen er einen Tag später verstarb. Die Freunde des Toten, ein Verkäufer und Lydia da Fonseca beschworen später, die Gruppe hätte einen Schlagring besessen. Laut Franceinfo verschickte Samuel Dufour in der folgenden Nacht eine SMS an einen Freund, in der er behauptete dessen Schlagring benutzt zu haben. Offiziell aber gab er lediglich zu, zwei große Ringe an den Fingern getragen zu haben. Die Autopsie konnte diesbezüglich kein klares Urteil liefern.

Das politische Umfeld der Täter

Nach der Tat flüchtete sich die Gruppe in die Bar „Le Lokal“ im 15. Arrondissement. Diese gehört Serge Ayoub, einem der wichtigsten Köpfe der extremen Rechten in Frankreich. Der Mann besitzt libanesische Wurzeln und wuchs in einer Pariser Vorstadt auf. Er wurde Skinhead und war in der Pariser Hooliganszene aktiv. In den 1980er Jahren gründete er die nationalistisch-revolutionäre Jugend (Jeunesses nationalistes révolutionnaires) als Gruppe rechtsextremer, militanter Skinheads, 2012 den sogenannten Dritten Weg (Troisième Voie). Beide Gruppen wurden infolge des Todes von Clément Méric im Juli 2013 verboten. Man ging davon aus, dass die Täter ihnen nahestanden. Da nützte es auch nichts, dass sich Serge Ayoub umgehend von den Tätern distanzierte und alle Verantwortung am Tod von Clément Méric von sich wies.

Der Prozess

Nun, fünf Jahre nach der Tat, wird der Gruppe der Prozess gemacht. Den beiden Hauptangeklagten Esteban Morillo und Samuel Dufour wird Gewaltanwendung mit nicht beabsichtigter Todesfolge unter Benutzung einer Waffe vorgeworfen. Auch Alexandre Eyraud sitzt auf der Anklagebank.

Bis heute hat nur Esteban Morillo zugegeben, Clément Méric zweimal geschlagen zu haben. Alle Angeklagten streiten ab, einen Schlagring benutzt zu haben. Auch behaupten alle Angeklagten, sich heute von der rechten Szene distanziert zu haben. Während die Eltern des Opfers den politischen Charakter der Tat betonen und ihren Sohn als Opfer von Neonazis betrachten, beharrt die Verteidigung der Angeklagten darauf, dass es sich um eine Straßenschlägerei mit unglücklichem Ende gehandelt habe. Laut Prozessbeobachtern wird es Aufgabe des Gerichts sein, herauszufinden, wer den Schlag abgab, der Clément Méric tötete. Die Hauptangeklagten müssen mit einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren rechnen.

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