Babys ohne Arme

by Feli
Babys ohne Arme

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Babys ohne Arme (bébés sans bras)! Diese Schreckensmeldung verbreitet sich seit einigen Wochen in Frankreich. Alle wichtigen Medien, darunter Le Monde, Libération und Franceinfo berichteten darüber. Möglicherweise handelt es sich um einen Umweltskandal, auf jeden Fall aber ist es ein politischer Skandal.

 

Darum geht es:

 

Babys ohne Arme in drei verschiedenen Regionen Frankreichs

Im Dezember 2010 wurde ein Allgemeinmediziner im Ain auf zwei Neugeborene aufmerksam. Sie litten an einer sehr ähnlichen Fehlbildung der Arme. Ain ist ein ländliches Departement im Osten Frankreich, das zwischen Lyon, Chambery und dem schweizerischen Genf liegt.

Die verantwortlichen staatlichen Stellen wurden informiert. Dabei handelt es sich um das sogenannte Register für Fehlbildungen in der Region Rhône-Alpes (Registre des malformations en Rhône-Alpes), kurz Remera, sowie das Institut de Veille Sanitaire (InVS), welches für die gesundheitliche Überwachung in Frankreich zuständig ist. Letzteres ist mittlerweile in die Agence nationale de santé publique (ANSP) übergegangen. Sie untersteht dem Gesundheitsministerium und hat die Aufgabe, die Gesundheit der Bevölkerung zu überwachen, mögliche Risiken zu bekämpfen und Prävention zu betreiben. 2010 reagierte keine der staatlichen Stellen auf die Nachricht.

Im Mai 2014 wurde das Remera von der ANSP über drei weitere Fälle von Fehlbildungen der Arme informiert. Es handelte sich um Kinder in der Region Pays de la Loire, deren Fehlbildungen jenen der Kinder im Ain stark ähnelten. Die Region Pays de la Loire liegt im Westen Frankreichs am Atlantik im Umkreis der Stadt Nantes. Auf die Fälle war man eher zufällig gestoßen, da es im Departement Loire-Atlantique keine dem Remera ähnelnden Institutionen gibt, deren Aufgabe es ist, Fehlbildungen bei Kindern statistisch zu erfassen. Wenig später wurde das Remera über eine weitere Häufung derselben Fehlbildung in der Kommune Guidel in der Bretagne informiert. Die Kleinstadt Guidel liegt ebenfalls im Westen Frankreichs, direkt am Atlantik und nicht weit vom Pays de la Loire.

 

Die wissenschaftliche Untersuchung durch das Remera

Aufgrund der Kenntnis dieser Fälle schlug die Leiterin des Remera Emmanuelle Amar 2015 in einem Bericht Alarm. Danach hatten zwischen 2009 und 2014 sieben Frauen im Departement Ain Kinder mit Fehlbildungen an Armen und Händen zur Welt gebracht. Diese Frauen lebten während ihrer Schwangerschaft nahe des Dorfes Druillat, in einem Radius von gerade einmal 17 Kilometern.

Spezifisch für die Fehlbildung (Agénésie transverse du membre supérieur, ATMS) war dabei das völlige Fehlen einer Hand, eines Unterarms oder eines Arms. Normalerweise sind in der Region Rhône-Alpes von 10 000 Babys zwischen 1,2 und 1,9 betroffen. Im Dorf Druillat aber war die Rate um das 58-Fache erhöht. Auch die Fälle im Pays de la Loire und in der Bretagne hatten sich in einem räumlich sehr begrenzten Radius ereignet.

Laut Bericht war es das erste Mal in der Geschichte der europäischen Register, dass an zwei verschiedenen Orten eines nationalen Territoriums eine anormale Ansammlung von Fällen gemeldet wurde, die zur selben Zeit aufgetreten waren und dieselbe Fehlbildung betrafen.

 

Die Suche nach der Ursache für die Fehlbildungen

Fehlbildungen bei Neugeborenen können verschiedene Ursachen haben. In Betracht kommen genetische Ursachen, physische Gewalt oder giftige Substanzen. Man erinnere sich an den Contergan-Skandal: Zwischen 1957 und 1962 wurden tausende Babys mit Fehlbildungen an Armen und Beinen geboren, da ihre Mütter während der Schwangerschaft Schlafmittel mit dem Wirkstoff Thalidomid eingenommen hatten.

Laut Bericht des Remera konnten die Ursache für die Fehlbildungen im Ain trotz Befragungen der Mütter und intensiver Untersuchung ihres Umfeldes in keinem Fall gefunden werden. Genetische Anomalien sowie die Einnahme von Medikamenten oder Drogen konnten aber ausgeschlossen werden. Außerdem waren alle Schwangerschaften spontan eingetreten. Zwei Mütter lebten in Häusern, die von Sonnenblumen- und Maisfeldern umgeben waren. Drei Mütter ernährten sich während ihrer Schwangerschaft ausschließlich aus ihrem Garten oder mit lokalen Produkten. Der Bericht des Remera kam zu dem Schluss, dass die Hypothese am wahrscheinlichsten sei, dass die sieben Mütter während ihrer Schwangerschaft Teratogenen ausgesetzt waren.

Laut Wikipedia sind Teratogene äußere Einwirkungen, wie Chemikalien, Viren oder ionisierende Strahlung, die Fehlbildungen beim Embryo hervorrufen können. Diesen hätten die Mütter zwischen der 3. und 10. Schwangerschaftswoche ausgesetzt sein müssen.

Das Remera vermutete als ursächliches Teratogen eine Substanz, die in der Landwirtschaft oder der Veterinärmedizin verwendet wird. Dafür spricht, dass in dem Dorf Chalamont, das 15 Kilometer von Druillat entfernt ist, in den letzten Jahren mehrere Fehlbildungen bei Kälbern aufgetreten waren, ebenfalls, ohne dass die Ursache gefunden werden konnte. Außerdem ist auffällig, dass die im Pays de Loire aufgetretenen Fälle von Fehlbildungen nahe der Fabrik Seveso 2 zu verorten sind. In der Fabrik wird Düngemittel hergestellt und gelagert.

 

Der Bericht der ANSP

Erst kürzlich, im Oktober 2018, hat die staatliche Behörde ANSP, also jene Institution, die für die Überwachung der Gesundheit der Bevölkerung zuständig ist, ihren Bericht vorgelegt. Wieder wurden die vorhandenen Daten statistisch ausgewertet und die Eltern zum Konsumverhalten hinsichtlich Haushaltsprodukten, Medikamenten oder Pestiziden befragt. Wieder konnte in keinem Fall die Ursache für die Fehlbildungen ausfindig gemacht werden.

Die ANSP kommt zu dem Schluss, dass die Fehlbildungen der Arme und Hände bei drei Kindern, die zwischen 2007 und 2008 im Pays de la Loire geboren wurden sowie bei vier Kindern, die zwischen 2011 und 2012 in der Bretagne zur Welt kamen, als auffällige, anormale Häufungen zu betrachten sind. Die sieben Babys ohne Arme oder Hände, die im Departement Ain zwischen 2009 und 2014 geboren wurden, stellen dagegen laut ANSP keine Anomalie dar.

Das methodische Vorgehen des ANSP wurde später von verschiedenen Wissenschaftlern scharf kritisiert. Der Epidemiologe und Biostatistiker Jacques Estève polemisiert in Le Monde mit den Worten: „Ein Erstsemester wäre erstaunt zu hören, dass sieben Fälle bei einer Bevölkerung von 5738 nicht auffällig sind, wenn die Wahrscheinlichkeit normalerweise bei 1,7 von 10 000 liegt.“

 

Der Angriff auf den Nestbeschmutzer Remera

Wie üblich, wird aber zuerst der Überbringer der schlechten Botschaft und nicht etwa die Verantwortlichen bestraft. So kritisiert die ANSP ihrerseits das Remera. Sie argumentiert, dass es im Ain zu wesentlich mehr Fällen an Fehlbildungen der Arme und Hände gekommen ist, als durch das Remera bisher erfasst. Danach sollen zwischen 2000 und 2014 elf weitere Fälle von Fehlbildungen aufgetreten sein, nämlich sieben zwischen 2000 und 2008 und vier zwischen 2009 und 2014. Allerdings sei bei den neu entdeckten Fällen noch zu prüfen, ob es sich wirklich um das genannte Krankheitsbild handele.

Seit September berichten außerdem mehrere französische Medien, dass das Remera um seine Existenz bange. Denn das Register ist nicht etwa eine staatliche Institution, sondern lediglich ein Verein nach dem Gesetz von 1901. Seine Existenz ist von der finanziellen Unterstützung durch die Region Auvergne-Rhône-Alpes, die ANSP und das nationale Institut für gesundheitliche Forschung (Institut national de la santé et de la recherche médicale, Inserm) abhängig.

Laut Le Monde kündigte die Region Auvergne-Rhône-Alpes 2017 an ihre Zahlung von jährlich 100 000 Euro einzustellen, was für den Verein den Verlust der Hälfte seines Budgets bedeutet. Laut der Zeitung hat der Regionalrat der Region und dessen Präsident Laurent Wauquiez das Geld stattdessen den örtlichen Jagdvereinen zugesprochen. Laurent Wauquiez ist Präsident der Partei Les Républicains, die durch den ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gegründet wurde. Auch Inserem hat die Beendigung der jährlichen Zahlungen von 23 000 Euro angekündigt. Wo die Motivation für die Streichung der finanziellen Unterstützung des Registers liegt, bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen.

 

Babys ohne Arme:

Ein landesweiter Skandal?

Man könnte versucht sein zu argumentieren, dass die in Druillat, Guidel und dem Pays de la Loire geborenen Babys ohne Arme oder Hände zwar tragisch sind, aber dass es sich doch um Einzelfälle handelt. Dies ist aber weit gefehlt! Denn in Frankreich existieren derzeit nur sechs Register um angeborene Fehlbildungen zu erfassen, nämlich für Paris, die Auvergne, die Region Rhône-Alpes, die Bretagne und die Überseegebiete Reunion und Antillen. Damit werden gerade mal 19 Prozent der Geburten erfasst.

Bedenkt man, dass viele der erfassten Geburten Paris oder die Überseegebiete betreffen, wird deutlich, dass nur ein Bruchteil der ländlichen Bevölkerung in Frankreich überwacht wird. Es ist also denkbar, dass an vielen Orten im Land teratogene Stoffe im Einsatz sind, dass deshalb Kinder mit Fehlbildungen auf die Welt kommen und dass die bisher entdeckten Fälle nur die Spitze des Eisberges sind. So wird auch aus anderen Teilen des Landes von mit Fehlbildungen geborenen Babys berichtet. Die Zeitschrift La Provence etwa berichtete in ihrer Ausgabe vom 3. November von vier Babys ohne Arme oder Hände, die zwischen 2014 und 2016 in einem Radius von 30 Kilometern um die Kleinstadt Vitrolles geboren wurde. Vitrolles liegt nordwestlich von Marseille direkt am Mittelmeer.

 

Ursache der Fehlbildungen bisher unklar

Bisher konnte die Ursache für das gehäufte Auftreten der Fehlbildung der Arme oder Hände nicht ermittelt werden. Seit dem Bekanntwerden der ersten Fälle sind mittlerweile acht Jahre vergangen. Am 21. Oktober hat die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn in Absprache mit dem Umweltminister François de Rugy weitere Untersuchungen angeordnet, um die Ursache der Fehlbildungen der Kinder zu finden. Buzyn bezeichnete es als unerträglich, dass die Betroffenen ohne Erklärung blieben.

Die Untersuchung wird von der ANSP und der Agence nationale de sécurité sanitaire (Anses) durchgeführt. Durch dieses Vorgehen sollen sowohl Medizinier als auch Umweltexperten beteiligt werden, so dass unterschiedliche Sichtweisen einfließen können. Erste Ergebnisse sind für den 31. Januar 2019 angekündigt. Man kann nur hoffen, dass das Rätsel um die Babys ohne Arme oder Hände bald aufgeklärt wird.

 

Weißt du wie die Situation in Deutschland ist? Gibt es da flächendeckende Register? Oder ist es (auch?) in Deutschland möglich, dass teratogene Stoffe unentdeckt im Umlauf sind? Ich freue mich über Kommentare!

 

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3 Kommentare

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3 Kommentare

Andreas Thailand 19. Januar 2019 - 7:24

Hallo liebe Feli,

es ist Zeit sich mit dem System zu beschäftigen:

Es gibt Untersuchungen zum Thema Monsanto und Glyphosat in unserer Nahrungmittelkette. hier ein Link:
https://www.infosperber.ch/index.cfm?go=Artikel/Gesundheit/Glyphosat-Gentech-Soja-an-Krebs-und-Missbildungen-schuld

Dann muss man sich über Skallarwellen informieren. Unser Körper kommuniziert über Skallarwellen. Diese Wellen wurden bislang unter dem Tisch gekehrt. Mobilfunk soll mit Skallarwellen funktionieren. Nach Professor Konstantin Meyl lieg die benutzte Frequenz genau auf der der Frequenz, auf der unser Körper kommuniziert. (alles nur Zufall???)

Hier findet man einige Artikel zum Thema:

https://quer-denken.tv/?s=Konstantin+Meyl

Dann gibt es das Wifi, es geht wieder um die Frequenz, die ins Erbgut eingreift:

Hier der Link von einem englischen Physiker, der sich mit Microwaffentechnologie beschäftigt hat.

https://www.youtube.com/watch?v=z99_SzoXZdY

Mr. Barrie Trower, a British physicist who was a microwave weapons expert and who worked for the Royal Navy and the British Secret Service, talks about the health effects of WiFi and other forms of microwave radiation. Mr. Trower came out of retirement because he was concerned that the microwave frequencies and intensities to which children are exposed in schools are similar to those used for microwave weapons.

Man bedenke, dass gerade das 5 G Mobilnetz aufgebaut wird. Da wird eine große Bandbreite abgedeckt, man möge sich bei Youtube informieren.

Dann gibt es noch das Thema Impfen:
Sind Impfungen wirklich lebensnotwendig?
Warum kann der Staat dem Bürger Impfungen aufzwingen?
Warum ist da eigentlich Quecksilber drin?
Können Quecksilber und Mirowellentechnologie sich gegenseitig ergänzen?

Am Ende geht es um das System, hier der Einblick in das System:

„Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten.

Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“

Goethe zu Eckermann

Hier der Link:

https://www.youtube.com/watch?v=-pRfGVHU_Qg&t=1355s

Es ist nur ein Einstieg. Mit Lösungsansätzen. (vielleicht etwas zu amerikanisch. Es geht mir darum nicht zu schocken bei diesen schweren Themen. Und daher habe ich diesen Film ausgewählt, da dort immer noch Optimismus ausgestrahlt wird.
Die Realität sieht momentan noch anders aus, da die Masse an die Themen noch nicht rangeht.)

Es gibt freie Medien, die über Unwahrheiten berichten, die immer mehr zensiert werden.

Reply
Feli 19. Januar 2019 - 16:15

Hallo Andreas,

vielen Dank für deinen Kommentar. Ich kann gar nicht so viel dazu sagen. Mal schauen, zu welchem Ergebnis die Untersuchung kommt. Mit der Gefährlichkeit von Glyphosat hast du sicher recht, allerdings scheint dieses Gift nicht typischerweise die in Frankreich auftretende Form der Fehlbildung der Arme zu verursachen.
Bei Impfungen bin ich anderer Meinung. Ich halte sie für wichtig, da sie die Schwächsten der Gesellschaft schützen. Nur wenn ein Großteil der Menschen geimpft ist, sind jene, die sich nicht impfen können, weil sie beispielsweise chronische Krankheiten haben, geschützt. Es ist ein sozialer Akt.
In die Videos schaue ich demnächst mal rein,

viele Grüße
Feli

Reply
Andreas Thailand 27. Januar 2019 - 6:30

Liebe Feli,

Nur Fragen:

Wer bestimmt, ab wann etwas ein sozialer Akt ist? Wer erstellt die Gutachten? Und wer verdient dran?
Warum haben wir das für uns als einen sozialen Akt angenommen? Welche Rolle spielen die Medien?
Wer hat einen Einfluss auf das, was an Universitäten und auch Schulen unterrichtet wird?

—einfach nur die Fragen im Raum stehen lassen.—-das reicht schon—–

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