Warum die Ausganssperre in Frankreich gar nicht so schlimm ist

by Feli
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Seit dem 17. März besteht eine allgemeine Ausgangssperre in Frankreich. Aber was heißt das überhaupt? In diesem Beitrag erkläre ich dir, was die Ausgangssperre konkret bedeutet und warum ich finde, dass das Leben in der Ausgangsperre in Frankreich gar nicht so schlimm ist.

Die Schließung der Schulen

Innerhalb von fünf Tagen hat sich in Frankreich das ganze Leben komplett verändert. Erst am 12. März verkündete Emmanuel Macron in einer Rede, dass Schulen, Universitäten, Krippen und andere Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ab dem 16. März geschlossen bleiben. Die Schüler sollen zu Hause beschult werden. Bis zum 29. März sind diese Schulschließungen erst einmal beschlossene Sache.

Ausgenommen von dieser Verordnung sind die unter 16-jährigen Kinder von Menschen, die einem Beruf nachgehen, der für die Bewältigung der Corona-Krise unverzichtbar ist.

Laut der UNESCO geht es nicht nur uns so. Derzeit ist die Hälfte der Schüler und Studenten auf der ganzen Welt zu Hause. Insgesamt 850 Millionen!

Das Ende des normalen Lebens

Seit dem 15. März sind auch alle Orte und Institutionen, die für das Leben des Landes nicht unerlässlich sind, geschlossen. Dies betrifft sämtliche Restaurants, Bars, Kinos, Diskotheken, Spielhallen, Bibliotheken, Skistationen, Sporteinrichtungen, Veranstaltungssäle und Museen.

Von Zwangsschließungen betroffen sind sogar sämtliche Geschäfte mit Ausnahme derer, die überlebenswichtig sind. Zu diesen überlebenswichtigen Institutionen zählen Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Tankstellen und Banken. Geöffnet bleiben neben Autohändlern übrigens auch Tabak- und Spirituosengeschäfte.

Nizza in den Stunden vor der Ausgangssperre

Außerdem sind sämtliche Versammlungen und Veranstaltungen verboten, bei denen mehr als 100 Menschen an einem Ort zusammenkommen. Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 100 Passagieren dürfen in Korsika und den Überseedepartements nicht mehr anlegen. Auch religiöse Veranstaltungen mit mehr als 20 Teilnehmern sind verboten. Hotels dürfen nur noch im Zimmer servieren. Dies gilt zumindest bis zum 15. April.

Allgemeine Ausgangssperre in Frankreich

Seit dem 17. März herrscht zusätzlich eine allgemeine Ausgangssperre in Frankreich. Sie besteht vorerst 15 Tage. Ich glaube aber keiner hier hat einen Zweifel daran, dass sie verlängert wird. Die Schulen werden schließlich frühestens Ende April wieder aufgemacht.

Nun darf man nur noch auf die Straße gehen, um zum Arzt oder zur Arbeit zu gelangen und das auch nur, wenn Heimarbeit nicht möglich ist. Außerdem darf man das Haus verlassen, um pflege- oder betreuungsbedürftige Familienangehörige aufzusuchen, möglichst allein lebenswichtige Einkäufe zu erledigen, alleine kurz Sport nahe des Wohnortes zu machen oder den Hund auszuführen.

Wer die Wohnung verlassen will, muss außerdem eine Ausgangsausnahmebescheinigung mit sich führen, in der er versichert, dass einer dieser Gründe den Ausgang rechtfertigt. Polizei und Gendarmerie überwachen die Ausgangssperre in Frankreich. Für jeden Verstoß wird ein Bußgeld zwischen 135 und 375 Euro fällig.

Nachtrag: Diese Regelung wurde mittlerweile geändert. Aktuelle Informationen findest du hier.

Wie fühlt sich die Ausgangssperre in Frankreich an?

Das ist natürlich die wichtigste Frage!

In den Tagen und Stunden, bevor es losging, war ich ziemlich nervös. Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt. So eine Ausgangssperre war ja noch vor ein paar Tagen eine völlig unvorstellbare, nie zuvor dagewesene Situation.

Außerdem bin ich mit meiner Familie so oft es geht an der frischen Luft. Wir lieben es, uns zu bewegen und neue Dinge zu entdecken. Sehr gerne treffen wir uns mit unseren Freunden und unzählige Stunden habe ich mit meiner Kleinen auf den Spielplätzen unserer Stadt verbracht.

Die Zeit vor der Ausgangssperre war für mich von Angst und Unsicherheit geprägt. Ständig habe ich mich gefragt, ob wir uns schon angsteckt haben. Schließlich ist ja das derzeitige Zentrum der Pandemie in Italien, also die Lombardei, Nizza so nah, wie beispielsweise der Wohnort meiner Schiegereltern, wo wir regelmäßig hinfahren. Die Grenze zu Italien ist sogar nur 30 Kilometer entfernt.

Schon seit Wochen haben wir uns auf eine mögliche Ausgangssperre in Frankreich vorbereitet, unseren Medikamentenvorrat aufgestockt (allerdings sind in Frankreich schon seit Wochen weder Masken noch Desinfektionsmittel für die Hände zu bekommen) und einen Lebensmittelvorrat für mehrere Wochen angelegt.

Der Sinn einer Ausgangssperre ist ja, dass man nicht rausgeht. Deshalb habe ich auch keine Bilder. Dieses hier wurde mir von August Schnee Art überlassen und zeigt, wie die Ausganggsperre in Nizza überwacht wird. Vielen Dank dafür!

Schon seit Wochen habe ich mich jeden Abend gefragt, ob ich mein Kind am nächsten Tag in die Schule schicke und mir Ausreden ausgedacht, warum wir nicht auf den Spielplatz gehen oder ihre Freunde sehen können. Für eine Dreijährige ist das nicht einfach zu verstehen.

Nun ist die Ausgangssperre da. Was soll ich sagen?

Es ist gar nicht so schlimm!

Wir arbeiten, wir spielen, tanzen und singen. Wir machen Seifenblasen!

In der Ausgangssperre haben wir Zeit für einander. Wir kochen und schlafen uns endlich mal aus. Außerdem verbringen wir viel Zeit auf unserer Terrasse, die für uns noch immer ein ganz besonders schöner Ort ist. Wir leben ja erst seit Oktober hier.

Wir atmen endlich mal durch! Hoffentlich erledigen wir in den nächsten Wochen auch mal Dinge, die schon ewig liegengeblieben sind.

Wenn es 8 Uhr am Abend ist, treten wir auf unsere Terrasse und applaudieren den Ärzten, Krankenschwestern und Einsatzkräften, die jeden Tag alles geben, um Leben zu retten. Viele unserer Nachbarn machen mit. In ganz Frankreich wird dieser Applaus für die Einsatzkräfte abends um acht gerade zelebriert.

Das Wichtigste: Wir kommen endlich mal zur Ruhe und müssen nicht ständig Angst haben, uns mit dem Coronavirus angsteckt zu haben. Wir sind nicht mehr gezwungen, das Haus zu verlassen und uns und andere in Gefahr zu bringen. Wir sind nur noch wir, abgeschnitten vom Chaos, das gerade in der Welt herrscht.

Natürlich könnten wir jeden Tag raus gehen, um wichtige Einkäufe zu erledigen. Aber das tun wir nicht!

Denn nur so retten wir Leben! Das Leben anderer Menschen und vielleicht auch unser eigenes!

Und du?

Lebst du auch gerade in der Ausgangssperre? Wie geht es dir damit? Oder hast du Bedenken, dass sie in Deutschland auch bald eingeführt wird? Teile deine Gedanken in den Kommentaren!

Möchtest du mehr über die Folgen der Corona-Pandemie in Frankreich lesen? Hier erfährst du, wie es in Nizza und meinem Leben kurz vor der Ausgangssperre in Frankreich aussah. Alle Informationen über die wichtigsten Vorschriften und Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus in Frankreich und Informationen zum Arztbesuch in Frankreich findest du in gesonderten Beiträgen.

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4 Kommentare

Frank 20. März 2020 - 12:58

Liebe Feli,
ich denke die ganze Zeit, „Wenn es doch wenigstens etwas Gutes hätte“. So zum Beispiel, dass die Menschen wieder dauerhaft füreinander da sind, sich helfen, die unterbezahlten Pflege- und Krankenberufe endlich endlich mal gerecht entlohnt würden. Aber ich weiss, dass sowie die Krise überstanden ist, alles (zumindest in Deutschland) so weiterlaufen wird, wie eh und je. Wenn ich Deine Bilder sehe, so verhält man sich wenigstens in Frankreich diszipliniert. Hier scheint die Ernsthaftigkeit der Situation immer noch nicht angekommen zu sein. Die Menschen agieren eigennützig, überdreht und flegelhaft (auch wie eh und je). Solidarität ? Pusteblume. Du hast das Meer in der Nähe. Das muss traumhaft sein. Ich schätze, den Stubenarrest werden wir am Wochenende auch bekommen. (dank der Unbelehrbaren). Ich freue mich auf den Austausch mit Dir. lg Frank

Reply
Feli 20. März 2020 - 14:14

Lieber Frank!

Es hat etwas Gutes! Die globale Erwärmung wird einen Atemzug aufgehalten. Jedes nicht von Europa nach Amerika gestartete Flugzeug verhindert das Schmelzen von drei Quadratmeter Arktiseis. Pro Passagier! Die Natur hat eine Sekunde Zeit sich die Erde zurückzuerobern! Ich sage dir, in ein paar Wochen gehen vor deinem Fenster die Löwen spazieren.

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass diese Krise so schnell überstanden sein wird. Das dauert zumindest Monate. Die Welt wird danach vermutlich eine andere sein. Ob es auch eine bessere sein wird, liegt an uns!

Das Leben in der Ausgangssperre hat etwas meditatives. Komischerweise wird man durchaus optimistisch!

Wir werden sehen.

Bis bald,
Feli

Reply
Katrin 23. März 2020 - 13:12

Hallo Feli,
schön, dass es eine positive Situation für Euch ist im Moment – nach drei Tagen 🙂 Gib doch mal ein Update nach einer Woche oder nach zweien… Wir sind jetzt seit 10 Tagen zu Hause – und mir fällt die Decke auf den Kopf und die Stimmung drückt aufs Gemüt. Ich kann nur immer wieder sagen: Zum Glück scheint die Sonne! Nicht auszudenken, wie es wäre, stünde uns ein grauer, verregneter Winter bevor!
Grüße
Katrin

Reply
Feli 24. März 2020 - 10:12

Hallo Katrin,

vielen Dank für deinen Kommentar!

Heute ist Tag 8 und draußen ist es grau und so kalt, wie den ganzen Winter nicht. Du hast es wohl vorhergesehen!

Ein Update gibt es auf jeden Fall. Bis dahin wünsche ich dir alles Gute!

Viele Grüße
Feli

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